Akzeptanz tierfreier Milchprodukte wächst

Akzeptanz tierfreier Milchprodukte wächst

Die Erzeugung tierischer Produkte ist ressourcenintensiv. Und Menschen konsumieren aus den unterschiedlichsten Gründen kein Fleisch und/oder Milchprodukte. Deshalb forschen Unternehmen verstärkt an tierischen Produkten «ohne Tiere». Milchprodukte wie Käse könnten mithilfe der Präzisionsfermentation schon bald «tierlos» hergestellt werden. Gemäss einer internationalen Umfrage wächst bei Konsumentinnen und Konsumenten die Akzeptanz für solche Produkte.

Freitag, 22. Oktober 2021

Die Landwirtschaft ist für bis zu 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein Teil dieser Emissionen entsteht durch die Tierhaltung. Doch viele Menschen können sich heute noch gar kein Fleisch oder Milchprodukte leisten. Mit steigendem Wohlstand steigt aber in Entwicklungs- und Schwellenländern die Nachfrage nach tierischen Produkten. Damit die Emissionen durch Tierhaltung nicht ansteigen, braucht es auch Alternativen zu tierischem Eiweiss. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten, solche Produkte zu kaufen. Wie die Website «EurekAlert!» schreibt, haben die Universität Bath und das auf Präzisionsfermentation spezialisierte Unternehmen Formo gemeinsam eine Umfrage zur Verbraucherakzeptanz von «tierlosen» Milchprodukten durchgeführt. Befragt wurden mehrere Tausend Personen in Brasilien, Deutschland, Indien, Grossbritannien und den USA. Gemäss den Studienergebnissen ist die Bereitschaft, «tierlosen» Käse zu probieren oder zu kaufen über alle Länder und Altersgruppen relativ hoch. 79 Prozent der Befragten gaben an, solche Produkte probieren zu wollen und 71 Prozent wäre bereit, dafür zu zahlen.


Bis zu 97 Prozent weniger Treibhausgasemissionen
Die Präzisionsfermentation ist ein Verfahren, bei dem Proteine durch Mikroorganismen produziert werden können. Die Mikroorganismen stellen durch das Einfügen eines kopierten Abschnitts von Kuh-DNA Milchproteine her. Das Verfahren soll effizienter und klimafreundlicher sein als die Tierhaltung. Es verursache bis zu 97 Prozent weniger Treibhausgase als bei herkömmlichen Milchprodukten. So wie in den vergangenen Jahren eine zunehmende Akzeptanz für pflanzliche Milch beobachtet werden konnte, scheinen Konsumentinnen und Konsumenten gemäss Dr. Christopher Bryant von der University of Bath nun bereit für «tierlose» Milchprodukte zu sein. Gemäss den Ergebnissen hätten Verbraucher sowohl die geschmacklichen Vorteile gegenüber veganem Käse als auch die Vorteile für Umwelt und Klima erkannt.

FoodAktuell hat sich bereits 2019 mit der interessanten Frage, ob nun die «Disruption der Kuh» komme, befasst und erklärt, was (gezielte) Fermentation ist.


Fermentation
Der Prozess der Fermentation, die mikrobielle oder enzymatische Umwandlung organischer Stoffe, ist als zufälliger Prozess schon lange bekannt und spielt – inzwischen als standardisierter oder industrialisierter Prozess – für die Verarbeitung von vielen Lebensmitteln eine zentrale Rolle: Wein, Käse, Joghurt, Brot, Bier, Schokolade, Sauerkraut.

Beispiele, wie heute schon mit gezielter Fermentation Inhaltsstoffe oder Enzyme hergestellt werden, sind die Produktion von Insulin, die Produktion von Lab für die Käseherstellung, die Produktion von verschiedenen Süssstoffen, Aromen und Vitaminen, die Steviolglykosideproduktion bei Evolva für den Konzern Cargill, die Produktion von Heme aus Soja, das für die Herstellung des Impossible Burgers verwendet wird, oder auch die Produktion von Nährlösungen für das Wachstum von Fleisch aus Zellkulturen.

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