Biolandbau keine Blaupause für die Welt

Biolandbau keine Blaupause für die Welt

Biopapst Urs Niggli spricht sich in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gegen ideologische Grabenkämpfe zwischen der biologischen und konventionellen Landwirtschaft aus. Um bald zehn Milliarden Menschen ernähren zu können und die Landwirtschaft gleichzeitig umfassend nachhaltiger zu gestalten, brauche es einen intelligenten Mix aus allen zur Verfügung stehenden Technologien. Dazu gehören auch die neuen Züchtungstechnologien.

Publiziert: 16.02.2022, 08:34 Uhr

Der Biolandbau ist ein Weg zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft, aber er ist nur eine Nische. Weltweit werden 98 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche konventionell bewirtschaftet. Der Schweizer Biopionier Urs Niggli ist angesichts dieser Zahlen der Überzeugung, dass man punkto Nachhaltigkeit mehr bewirken kann, wenn man die konventionelle Produktion Schritt für Schritt ökologischer macht. «Wir können nicht in der Bioblase vor uns hinträumen», sagt er gegenüber der «FAZ».


Biolandbau ist keine Blaupause

Die biologische Landwirtschaft könne nicht als Blaupause auf die ganze Welt und alle Gesellschaften übergestülpt werden. Denn die Biolandwirtschaft hat bezüglich Produktivität erhebliche Nachteile gegenüber der konventionellen Produktion. Bei Kartoffeln und Weizen sind die Erträge bis zu 50 Prozent geringer. Gemäss Urs Niggli ist die grösste Schwäche des Biolandbaus jedoch die zu langsame Adaption von Technologien und Methoden. Vernetzen, austesten und gemeinsames Lernen wird auf dem Weg zu einer umfassenden nachhaltigen Landwirtschaft aber zentral sein.


Mehr Importe und grösserer Flächenverbrauch

Die geringere Produktivität des Biolandbaus führt zu einer Zunahme der Importe und des Flächenverbrauchs: «Stellt man ganz auf Biolandbau um, geht die Produktivität stark zurück. Dann müsste man viel mehr Lebensmittel importieren und damit Umweltwirkungen in andere Länder exportieren.» Mehr Flächenverbrauch für die Landwirtschaft zerstört zudem Landschaften wie Urwälder und Hochmoore – mit katastrophalen Auswirkungen auf die Biodiversität. Daher muss es das erklärte Ziel jeder nachhaltigen Landwirtschaft in einer gesamtheitlichen Sicht sein, global gleich viel oder weniger Fläche als heute zu verbrauchen.


Es braucht die verbesserte Züchtung

Um bestehende Anbauflächen so optimal wie möglich nutzen zu können, braucht es neue Methoden wie die Präzisionszüchtung. «Es gibt viele denkbare Anwendungen, wo Pflanzen mit Genom-Editierung schneller und gezielter verändert werden könnten als mit traditioneller Kreuzungszüchtung», sagt Niggli. Neue Züchtungsmethoden können einen Beitrag leisten, um die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen. Durch krankheits-, schädlings- sowie hitzeresistentere Sorten lassen sich Ressourcen wie Wasser, Pflanzenschutzmittel und Landflächen einsparen.


Beliebte Sorten stärken

Gleichzeitig bietet die Präzisionszüchtung aber auch die Chance, etablierte und bei Konsumenten beliebte Sorten mit Krankheitstoleranzen auszustatten, ohne dabei Eigenschaften wie Aussehen oder Geschmack zu verändern. Konsumentinnen und Konsumenten sollen weiterhin die Sorten wählen können, die sie schätzen und lieben. So wollen französische Weinbauern die Genom-Editierung erlauben, um die bei Konsumenten beliebten Rebensorten mit Schädlingsresistenzen auszustatten. Auch beliebte Obst- und Kartoffelsorten können von der Genschere profitieren.

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