Brokkoli und Blumenkohl knapp – kommt jetzt die Hungerlücke?

Brokkoli und Blumenkohl knapp – kommt jetzt die Hungerlücke?

Wetterextreme und Schädlinge bedrohen die Versorgung mit Brokkoli und Blumenkohl in Europa – und der Schweiz. Schuld am Engpass sind insbesondere die verheerenden Überschwemmungen in Valencia von letztem Jahr. Besonders im Frühling könnte das beliebte Gemüse rar werden. Die Industrie arbeitet bereits an innovativen Lösungen.

Publiziert: 13.03.2025, 13:59 Uhr

Neben zahlreichen Lebensmitteln wie Kaffee und Kakao machen die extremen Wetterbedingungen auch beliebten Gemüsesorten zu schaffen. So könnte bald ein Blumenkohl- und Brokkoli-Mangel drohen, wie «Euronews» berichtet. Dazu beigetragen haben unter anderem die verheerenden Überschwemmungen in Valencia. Seitdem wurden zahlreiche wichtige Anbaugebiete zerstört, was zu einer Gemüseknappheit in ganz Europa geführt hat.

Zwischen April und Juni – während der sogenannten Hungerlücke, wenn ohnehin wenige der im Inland angebauten Pflanzen reif zum Verzehr sind – dürfte der Engpass spürbar sein. Die anhaltend warmen Winter und zunehmender Schädlingsbefall erschweren zusätzlich den Anbau.


Blumenkohl – ein traditionsreiches Gemüse

Blumenkohl gehört zu den wenigen Gemüsearten, bei denen die Blüte verzehrt wird, wie einem Bericht des «Schweizer Bauers» zu entnehmen ist. Ursprünglich stammt er aus Kleinasien und wird in Europa seit dem 16. Jahrhundert angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete in Europa sind heute Polen, Frankreich, Belgien und die Niederlande. In der Schweiz liegt die Anbaufläche bei rund 580 Hektaren, davon 100 Hektaren biologisch bewirtschaftet, wie es weiter im Bericht heisst. Dennoch müssen zur Deckung der Nachfrage jährlich etwa 10'000 Tonnen Blumenkohl importiert werden.

Als sogenannter Starkzehrer benötigt Blumenkohl viele Nährstoffe und bevorzugt humusreiche Böden sowie eine warme, sonnige Lage. Allerdings verträgt er intensive Sonneneinstrahlung schlecht, weshalb er geerntet werden muss, bevor sich die Hüllblätter öffnen. Andernfalls muss er mit einer Folie abgedeckt werden.

Und genau bei dieser Sonnenempfindlichkeit setzen moderne Züchtungsmethoden an: Unternehmen wie Syngenta haben eine neue Blumenkohlgeneration entwickelt, deren Blütenköpfe auch bei starker UV-Strahlung weiss bleiben. Diese Innovation spart Landwirten Arbeit, Zeit und Kosten, da das umständliche Abdecken entfällt. Gleichzeitig wird verhindert, dass optisch nicht einwandfreier Blumenkohl entsorgt wird, obwohl er geschmacklich einwandfrei wäre.

Innovationen in der Pflanzenzüchtung werden immer öfter auf die Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten. Ein Beispiel dafür sind auch neue Zwiebelsorten, die beim Schneiden keine Tränen verursachen. Solche Entwicklungen verbessern nicht nur die Lagerfähigkeit und Erträge, sondern erhöhen auch den Nutzen für Konsumentinnen und Konsumenten.

Die bevorstehende Brokkoli- und Blumenkohl-Knappheit zeigt, wie empfindlich die Lebensmittelversorgung auf Wetterextreme reagiert. Gegen Fluten ist noch kein Kraut gewachsen. Gegen eine sich verstärkende Sonneneinstrahlung liegt nun dank des technologischen Fortschritts in der Pflanzenzüchtung eine weitere Möglichkeit in den Händen der Produzenten. Ohne innovative Landwirtschaftslösungen wie beispielsweise die Präzisionszüchtung wird es in Zukunft nicht gehen.

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