Ein Innovations-Hub für kultiviertes Fleisch

Ein Innovations-Hub für kultiviertes Fleisch

Migros, Bühler und Givaudan gründen einen Innovationshub für kultiviertes Fleisch. In einer Pilotanlage in Kemptthal (ZH) wird die Entwicklung und Vermarktung von Fleisch «aus dem Labor» vorangetrieben. Die neuen Produkte sollen in Sachen Umweltbelastung, Klimaschutz und Tierwohl besser als herkömmliches Fleisch abschneiden. Die «BauernZeitung» berichtet.

Montag, 25. Oktober 2021

Das Bewusstsein von Kundinnen und Kunden für die Umweltthematik wächst. So nimmt auch die Nachfrage nach ressourceneffizient produzierten Lebensmitteln stetig zu. Angesichts des globalen Bevölkerungswachstums und des zunehmenden Flächenbedarfs in der Landwirtschaft sind alternative Proteinquellen gefragter denn je. Migros, Bühler und Givaudan sind der Ansicht, dass die zelluläre Landwirtschaft zur Herstellung von kultiviertem Fleisch eine grosse Chance darstellte. Die Vorteile von kultiviertem Fleisch lägen auf der Hand: Es braucht keine Tierhaltung, keinen Antibiotikaeinsatz, weniger Landfläche, weniger Wasser und es müssten keine Tiere geschlachtet werden. Konsumentinnen und Konsumenten verstehen die Vorzüge des alternativen Fleischs immer besser, argumentieren die drei Unternehmen.


Nachhaltiges Fleisch dank Biotechnologie
Mit dem neugegründeten «Cultured Food Innovation Hub» wollen Migros, Bühler und Givaudan Technologie und Wissen bereitstellen und Start-ups auf dem Weg zu kultiviertem Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten unterstützen. Gemäss einer Medienmitteilung, sind dafür Einrichtungen für Zellkultur und Präzisionsfermentation geplant. Die Anlage wird voraussichtlich im Jahr 2022 in Betrieb genommen. Im Labor werden aus tierischen Zellen mittels Fermentation Fleischprodukte gezüchtet. Ziel ist es, dass sich das kultivierte Fleisch hinsichtlich Geschmacks und Textur nicht von tierischem Fleisch unterscheidet. Sollte dies gelingen, können Fleischliebhaber in Zukunft mit gutem Gewissen Steaks und Hamburger geniessen. Dank moderner Biotechnologie ergeben sich für die Lebensmittelbranche ganz neue Geschäftsbereiche.

Präzisionsfermentation
Unter Fermentation versteht man in der Biotechnologie die Umwandlung von organischem Material mithilfe von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen oder Enzymen (Fermenten). Dabei entstehen Säure, Gas oder Alkohol. Der Prozess der Fermentation ist schon lange bekannt. Produkte wie Wein, Käse, Joghurt, Brot, Bier, Schokolade oder Sauerkraut sind ohne Fermentation undenkbar. Mikroorganismen sind in der Lage, Stoffe in grossen Mengen zu bilden, die sich mit rein chemischen Prozessen nur schwer herstellen lassen. Bei der Präzisionsfermentation können gezielt Bakterien eingesetzt, kombiniert und programmiert werden, um Produkte geschmacklich zu verfeinern oder die Textur eines Produktes zu optimieren. In grossen Tanks können so auch tierische Proteine «ohne Tier» aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Mit der Präzisionsfermentation könnte ein Wachstumsmedium hergestellt werden, welches das Fleisch im Labor schnell wachsen lässt.

Ressourceneffiziente Landwirtschaft
Ressourceneffizienz bedeutet die effiziente Nutzung von technisch-wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen. Sie wird definiert als «das Verhältnis eines bestimmten Nutzens oder Ergebnisses zum dafür nötigen Ressourceneinsatz». Ressourceneffiziente landwirtschaftliche Produktion strebt eine Optimierung des Ernteertrags unter Verwendung von möglichst wenigen Produktionsmitteln (wie Arbeit, Finanzen, Energie, Land, Wasser, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln) und geringstmöglichem Druck auf natürliche Ressourcen (Wasser, Boden, Biodiversität, Luft inkl. Klima) bei möglichst grossem und qualitativ hochstehendem Ertrag an.

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