Endlich goldene Zeiten für den Golden Rice
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Endlich goldene Zeiten für den Golden Rice

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit jedes Jahr bis zu 500'000 Kinder aufgrund von Vitamin-A-Mangel erblinden. Rund die Hälfte von ihnen sterben innerhalb von zwölf Monaten nach der Erblindung. Dieses Elend könnte deutlich gelindert werden, hätten die betroffenen Kinder eine billige, alltägliche Nahrungsquelle, die sie mit genügend Vitamin A versorgt.

Dienstag, 10. August 2021

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weltweit erblinden jedes Jahr 500'000 Kinder aufgrund von Vitamin-A-Mangel.
  • Abhilfe könnte hier der sogenannte "Golden Rice" schaffen, der in den Philippinen grünes Licht für den Anbau erhalten hat.
  • Der Reis wurde mithilfe gentechnicher Methoden mit Beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A, angereichert.

Und genau dies kann der sogenannte «Golden Rice» liefern. Dieser Reis wurde mittels Gentechnik so modifiziert, dass er die Synthese von Beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A, fördert. Ihren Namen erhielt die Sorte wegen der charakteristischen gelben Farbtönung der Reiskörner. Erschaffen wurde der Golden Rice bereits vor 20 Jahren von Professor Ingo Potrykus, der dannzumal an der ETH Zürich wirkte.


Erbitterte Gegenkampagne

Trotz seiner positiven Eigenschaften in den ärmsten Bevölkerungsschichten, wo vielfach ein bis zwei Schalen Reis pro Tag die einzige Nahrungsquelle und damit Fehlernährungen an der buchstäblichen Tagesordnung sind, hatte der Golden Rice bis jetzt einen schweren Stand. Viele NGO, darunter auch Greenpeace, führten eine fanatische Gegenkampagne. Teilweise wurden von Aktivisten gar Testfelder angegriffen und zerstört. Ihr Argument: Golden Rice bringe weder den Landwirten noch den Konsumenten irgendeinen Vorteil. Man müsse eine ökologische Landwirtschaft forcieren, welche eine ausgewogene Ernährung ermögliche. Golden Rice würde Farmern inmitten von Covid und Klimakrise zusätzlich schaden. Doch das Gegenteil trifft zu: Der mit Vitamin A angereicherte Reis unterstützt Menschen bei der Entwicklung eines einwandfreien Immunsystems, was in Pandemiezeiten immens wichtig ist. Zudem tragen gentechnische Methoden dazu bei, dass weniger Pestizide für den gleichen Ertrag eingesetzt werden müssen. Das kommt der Umwelt und auch dem Klima zugute.


Verspäteter Siegeszug

Der Widerstand mag auch daran gelegen haben, dass der Reis bis heute nicht zur kommerziellen Produktion zugelassen wurde. Nun haben die Philippinen jedoch als erstes Land den Anbau des Golden Rice genehmigt. «Dies ist wirklich ein Meilenstein für unser Projekt, denn damit haben wir die Regulierungsphase bestanden. Goldener Reis ist so gesund wie normaler Reis», sagt Russell Reinke vom International Rice Research Institute (IRRI) mit Sitz auf den Philippinen gegenüber «Le Matin». Das IRRI ist seit zwei Jahrzehnten mit Forschern des philippinischen Landwirtschaftsministeriums an der Weiterentwicklung des Golden Rice beschäftigt. Die jetzige Zulassung ist die Krönung dieser Zusammenarbeit.

Trotz des grünen Lichts ist der goldene Reis noch weit davon entfernt, auf philippinischen Tellern zu landen. Es dürfte noch Jahre dauern, bis der Golden Rice in grösseren Mengen verfügbar sein wird. Ein Anfang ist jedoch gemacht. Nicht nur aus den Philippinen kommen gute Neuigkeiten. So haben auch Kanada und die USA erste Vorabgenehmigungen für den Reis erteilt. Gut möglich, dass der Golden Rice 20 Jahre nach seiner Entwicklung endlich seinen Siegeszug antritt.

Megatrend: Gesundheit

Forschung geht weiter

Weitere Grundnahrungsmittel, die dank gentechnischer Modifikation essenzielle Nährstoffe enthalten, könnten folgen. So wurden in den vergangenen Jahren verschiedentlich Reis- und Weizenlinien entwickelt, die mit lebensnotwendigen Elementen angereichert wurden. Wiederum an der ETH ist es Navreet Bhullar und ihrem Doktoranden Simrat Pal Singh gar gelungen, Reispflanzen so zu modifizieren, dass sie gleich mehrere zusätzliche Elemente aufwiesen: Neben mehr Beta-Karotin auch Eisen und Zink. Eisen- und Zinkmangel sind in Entwicklungsländern ernsthafte Probleme und führen beispielsweise zu erhöhter Mütter- und Säuglingssterblichkeit. «Es werden sicher noch fünf Jahre vergehen, ehe der Multinährstoff-Reis zur Eindämmung des ‹versteckten Hungers› eingesetzt werden kann», sagte Bhullar 2017 im Artikel der ETH. Es wäre an der Zeit, nebst dem Golden Rice auch weitere modifizierte Grundnahrungsmittel zuzulassen.

Auch Wilhelm Gruissem von der ETH Zürich und sein Team haben nicht nur resistente, sondern auch mit Mikronährstoffen angereicherte Maniok-Sorten gezüchtet. Es ist unverständlich, dass sich die offizielle Schweiz international nicht mehr dafür einsetzt, dass diese hervorragende Forschung ihrer eigenen Hochschulen ihren Nutzen entfalten können – und sich der modernen Biotechnologie im eigenen Land mit «Gentech-Providurien» verweigert.

Allen Menschen, auch den Ärmsten den Zugang zu erschwinglicher gesunder Ernährung zu verbessern ist vordringlich, ist doch wissenschaftlich unbestritten, dass Mangelernährung im Kindesalter die Gesundheit das ganze Leben negativ beeinflusst. Der diesjährige Bericht der FAO «State of Food Security and Nutrition in the World» (SOFI-Bericht 2021) führt auf, dass gesunde Nahrung für mehr als 3 Milliarden Menschen auf der Welt unerschwinglich ist. Es mutet daher zynisch an, wenn NGO auf ausgewogene Diäten statt angereicherte Nahrungsmittel pochen, wo das schlicht nicht möglich ist.

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