EU ebnet den Weg für die Genschere

EU ebnet den Weg für die Genschere

Die Europäische Union will mittels Genom-Editierung gezüchtete Pflanzen künftig gleich wie herkömmliche Züchtungen regulieren. Die Europäische Kommission plant Anfang Juli einen entsprechenden Vorschlag zur Regulierung neuer Züchtungstechnologien vorzulegen. Damit macht die EU einen grossen Schritt in Richtung einer produktiveren und nachhaltigeren Landwirtschaft. Auch die Schweiz sollte genomeditierte Pflanzen neu bewerten, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Mittwoch, 21. Juni 2023

Pflanzen, die mithilfe von neuen Züchtungstechnologien (Genom-Editierung) gezüchtet werden, unterstanden in der EU bis anhin den gleichen Regeln wie gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO). Sie sind seit einem Grundsatzentscheid des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2018 – bis auf wenige Ausnahmen – verboten. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet, soll sich das nun ändern. Aus einem Gesetzesentwurf geht hervor, dass die Europäische Kommission für genomeditierte Pflanzen künftig die gleichen Zulassungsverfahren anwenden möchte, wie bei herkömmlichen Züchtungen. Die Genschere CRISPR/Cas beschleunigt die Züchtung neuer Pflanzensorten. Die Resultate können aber auch mittels klassischer Züchtung erreicht werden. Nur dauert dies viel länger. Deshalb will die EU künftig nicht mehr zwischen herkömmlichen Züchtungsmethoden und der Genom-Editierung unterscheiden.


«Den Turbo einschalten»

Die Genschere CRISPR/Cas ermöglicht eine Beschleunigung bei der Züchtung robusterer und an den Klimawandel angepassten Pflanzensorten. Diese können Stressfaktoren wie Hitze oder Trockenheit besser widerstehen. Auch die Lagerungsfähigkeit der Ernten kann verbessert werden. Wie Matthias Berninger von Bayer gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagt, ist eine beschleunigte Züchtung neuer Sorten dringend nötig: «Wir müssen den Turbo anschalten, wenn wir mit dem galoppierenden Klimawandel mithalten wollen.» Und weiter: «Wer übernimmt die Verantwortung für die Risiken für die Ernährungssicherheit, wenn wir das Potenzial dieser neuen Technologie ungenutzt lassen?»


Schweiz droht abgehängt zu werden

Den Turbo einschalten sollte auch die Schweiz. Der Bundesrat hat die Aufgabe, bis Mitte 2024 einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der genomeditierte Pflanzen neu regeln soll. In der Schweiz unterstehen mittels neuen Züchtungstechnologien gezüchtete Pflanzen nach wie vor dem seit 2005 bestehenden Gentech-Moratorium. Nun hat der Bundesrat die Möglichkeit, Pflanzen, die sich nicht von herkömmlichen Züchtungen unterscheiden und in die kein artfremdes Genmaterial eingefügt wurde, risikobasiert zu regulieren und sie vom Moratorium zu befreien. Belässt die Schweiz alles beim Alten, riskiert sie, von der EU und vom Rest der Welt abgehängt zu werden. Für die Landwirtschaft, aber auch den Forschungsstandort Schweiz wäre das verheerend.

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