Europa leidet unter enormer Trockenheit
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Europa leidet unter enormer Trockenheit

In weiten Teilen Europas gab es in diesem Sommer so wenig Niederschlag wie kaum zuvor. Dies dürfte in Zukunft weit häufiger vorkommen. Der Trend weist auch für die Schweiz in Richtung mehr Trockenheit. Für die Landwirtschaft stellt das eine grosse Herausforderung dar. Ein Frühwarnsystem für Trockenheit soll den Bauern in Zukunft bessere Planungsmöglichkeiten bieten.

Dienstag, 26. Juli 2022

In Europa wird es immer trockener. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt, liegt die Bodenfeuchte in weiten Teilen des Kontinents unter dem Durchschnitt. In Norditalien führt der Po zeitweise so wenig Wasser wie noch nie. Landwirte geben Felder auf, zwischen den Regionen ist ein Kampf um Wasser entstanden. Ein Drittel der Ernte ist bedroht. Weil auch Frankreich unter der Hitze leidet, überlegen sich dort immer mehr Bauern, auf Hirse oder Soja umzusatteln – für Gerste ist es bald zu trocken. In Spanien wurde bereits im Mai eine Rekordtemperatur von 40 Grad Celsius gemessen. In Grossbritannien wurde in diesem Sommer zum ersten Mal überhaupt die 40-Grad-Marke geknackt.


Schweiz wird immer trockener

Von der anhaltenden Trockenheit ist auch die Schweiz betroffen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sind die Schweizer Sommer gemäss einer Studie der ETH Zürich und Meteo Schweiz in den vergangenen 40 Jahren deutlich trockener geworden. Laut Studienautoren ist nicht alleine der fehlende Niederschlag für die trockenen Felder verantwortlich. Einen wesentlichen Anteil spielt auch die Verdunstung. Die Temperaturen haben in der Schweiz in den vergangenen 40 Jahren um über zwei Grad zugenommen. Der Anstieg in der Schweiz ist damit doppelt so hoch wie im globalen Mittel. Entsprechend verdunstet mehr Wasser, das sich im Boden befindet. Je mehr Wasser verdunstet, das nicht durch Niederschlag kompensiert wird, umso trockener werden die Böden. Ende Juli 2022 lag das Niveau der Bodenfeuchte bereits wieder bei den Tiefstwerten der Rekordjahre 2018 und 2015.


Weniger Niederschlag, mehr Verdunstung

Gemäss den Studienautoren hat der Niederschlag seit Anfang der 1980er-Jahre im landwirtschaftlich relevanten Mittelland um elf Prozent abgenommen. Im selben Zeitraum hat die Verdunstung um elf Prozent zugenommen. Weniger Niederschlag und zunehmende Verdunstung tragen also in etwa gleichem Masse zu ausgetrockneten Böden bei. Der Trend schlägt sich auch in der Wasserbilanz (Niederschlag minus Verdunstung) nieder: Gab es in den 1980er-Jahren noch einen Wasserüberschuss pro Quadratmeter von 50 Litern, so besteht heute ein Defizit von 100 Litern pro Quadratmeter. Der Wassergehalt im obersten Meter Boden hat um fünf Prozent abgenommen.


Ackerbau und Viehwirtschaft betroffen

Bodentrockenheit stellt für die Landwirtschaft eine grosse Bedrohung dar. Trockene Böden bedrohen die Ernten der Bauern. Und auch die Viehhaltung ist betroffen. Wiesen und Felder sind vielerorts verdorrt und die Bauern können die Tiere bei der grossen Hitze nicht mehr den ganzen Tag ins Freie lassen. So sind sie gezwungen, die Futterreserven für den Winter anzuzapfen. Wie «SRF» berichtet, haben mehrere Kantone Notmassnahmen bezüglich Tierhaltung ergriffen. In Kantonen wie Freiburg, Neuenburg oder Jura dürfen Tiere ab sofort auch auf Weiden grasen, die normalerweise zu dieser Jahreszeit nicht zur Nutzung freigegeben sind.


Ein Frühwarnsystem für die Landwirtschaft

Damit sich Landwirte künftig besser auf Trockenperioden vorbereiten können, hat der Bundesrat den Aufbau eines Früherkennungs- und Warnsystems für Trockenheit in Auftrag gegeben. Ein neues Netz zur Messung der Bodenfeuchtigkeit soll Landwirte – aber auch andere Branchen – künftig einige Wochen im Voraus vor Trockenperioden warnen. So sollen Betroffene frühzeitig Gegenmassnahmen wie etwa die Bewässerung von Kulturen ergreifen können. Das Frühwarnsystem wird vom Bundesamt für Umwelt (Bafu), Meteo Schweiz und dem Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo) aufgebaut und soll der Öffentlichkeit ab 2025 zur Verfügung stehen.

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