Food Waste schadet der Umwelt und dem Portemonnaie
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Food Waste schadet der Umwelt und dem Portemonnaie

In der Schweizer Lebensmittelkette – vom Produzenten bis zum Konsumenten – gehen jedes Jahr beträchtliche Mengen an Nahrungsmitteln verloren, die noch bestens für den Verzehr geeignet wären.

Montag, 27. Januar 2020

Das Wichtigste in Kürze:

  • In der Schweiz gehen pro Kopf jedes Jahr über 300 Kilogramm Lebensmittel verloren.
  • Das hat enorme Auswirkungen auf Umwelt und Klima.
  • Mit der Vermeidung von Lebensmittelabfällen liesse sich zudem viel Geld sparen
  • Ein Merkblatt gibt Auskunft über die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln.

Derzeit gehen in der Schweiz jedes Jahr ungefähr 2.8 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren. Das entspricht etwa 330 Kilogramm Nahrungsmittelabfällen pro Person und Jahr. Der Nährwert der Verluste beläuft sich auf circa 1160 kcal pro Person und Tag. Eine kürzlich erschienene ETH-Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt erstellt wurde, zeigt, welche Auswirkungen Lebensmittelverluste auf Umwelt, Klima und Portemonnaie haben.


Starke Auswirkungen auf die Umwelt

Nahrungsmittelverluste haben Auswirkungen auf die Umwelt. Die weggeworfenen oder nicht verzehrten Lebensmittel machen 25 Prozent des Schweizer Fussabdrucks der gesamten Ernährung aus. Das ist fast die Hälfte der Umweltbelastung des motorisierten Individualverkehrs der Schweiz. Es zeigt sich auch: Je später in der Lebensmittelkette ein Nahrungsmittel verloren geht, desto grösser ist die Umweltbelastung. Denn energieintensive Prozesse wie Transport, Verarbeitung oder Kühlung haben bereits stattgefunden. Haushalte und Gastronomie sind deshalb auch für mehr als die Hälfte der Umweltbelastungen durch Nahrungsmittelabfälle verantwortlich. Die Lebensmittel mit den grössten Food Waste-bedingten Umweltauswirkungen sind Brote, Backwaren, Käse, Molke sowie Frischgemüse. Sie werden in relativ grossen Mengen weggeworfen und fallen deshalb besonders ins Gewicht. Pro Kilogramm Lebensmittelabfall stellen hingegen Kaffee, Kakao und Rindfleisch die grössten Belastungen für die Umwelt dar.


Auch Klima und Portemonnaie betroffen

Die Verschwendung von Nahrungsmitteln belastet auch das Klima. Durch den Verlust von Lebensmitteln werden jährlich 500 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Person ausgestossen. Das entspricht etwa einem Viertel der Klimaeffekte des gesamten Schweizer Ernährungssystems. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die Umwelt hat der Verlust von Lebensmitteln Konsequenzen für das Portemonnaie. In Schweizer Haushalten werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 600 Franken pro Person entsorgt. Insgesamt gehen Herr und Frau Schweizer damit über 5 Milliarden Franken durch Food Waste verloren.


Grösstes Verbesserungspotential bei Haushalten

Mit einer Halbierung der Lebensmittelverluste, wie in den Sustainable Development Goals vorgesehen, könnte die Umweltbelastung um 39-61 Prozent reduziert werden. Die Autoren betonen, dass eine optimierte Verwertung von Lebensmittelabfällen einen relativ geringen Nutzen für die Umwelt hat. Die Vermeidung von Abfällen hätte wesentlich grössere Auswirkungen. Den grössten Hebel sehen die Autoren in Massnahmen am Ende der Lebensmittelkette – also bei den Haushalten. Dort hat die Vermeidung von Abfällen einen besonders grossen Effekt auf die Umwelt.


Merkblatt gegen Food Waste

Doch in vielen Haushalten herrscht Unsicherheit bezüglich der Haltbarkeit von Lebensmitteln. Viele fragen sich: Wie lange können Produkte über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) noch bedenkenlos konsumiert werden? Die Antwort liefert gemäss «BauernZeitung» ein Merkblatt, das von der Arbeitsgruppe «foodsave2025» erarbeitet wurde. Die Gruppe besteht aus Vertretern und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Spendenorganisationen und der Lebensmittelbranche. Das Merkblatt soll helfen, Food Waste zu vermeiden. Viele Nahrungsmittel sind deutlich länger konsumierbar, als man denkt. Beim MHD handelt es sich nur um ein Datum, bis zu dem der Hersteller die Unversehrtheit eines Produktes garantiert. Drüber hinaus kann es aber in den meisten Fällen noch einige Zeit länger konsumiert werden.

So können beispielsweise Mehl, Teigwaren, Zucker, Schokolade, Tee oder Kaffee noch ein Jahr über das MHD hinaus bedenkenlos konsumiert werden. Softgetränke, Dosenkonserven und Frühstückscerealien sind noch 120 Tage länger konsumierbar. Bei Tiefkühlprodukten sind es 90 Tage. Aber sogar rohe Eier und pasteurisierte Milch können noch sechs Tage über das MHD genossen werden. Vorsichtig sollte man dagegen bei Patisserie, unverpacktem Fleisch oder generell Produkten mit Verbrauchsdatum (im Gegensatz zum MHD) sein. Wird ein Verbrauchsdatum auf dem Produkt angegeben, sollte unbedingt darauf geachtet werden. Neben dem Merkblatt hat die Arbeitsgruppe zwei Leitfäden zur Datierung von Lebensmitteln sowie für die Lebensmittel-Spende entwickelt.

Die Vermeidung von Food Waste wurde von der Bevölkerung als wichtiges Anliegen erkannt. Das belegt eine Umfrage der Swiss Retail Federation. Zwar ist für Konsumentinnen und Konsumenten der Preis nach wie vor wichtig. Doch die Vermeidung von Food Waste hat bei vielen Menschen Einfluss auf das Einkaufverhalten. Und wie die «SonntagsZeitung» schreibt, hat auch die Restverwerte-Bibel «Leaf to Root» der Zürcherin Esther Kern bei den Gourmand World Cookbook Awards die Auszeichnung für das beste Vegi-Kochbuch der letzten 25 Jahre erhalten.

Acht Tipps gegen Foodwaste (Schweizer Bauernverband).

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