Globale Fakten zu Welternährung und Landwirtschaft
Wissen

Globale Fakten zu Welternährung und Landwirtschaft

Nur dank technologischem Fortschritt und modernem Pflanzenschutz werden wir in Zukunft unsere Ressourcen schonen und gleichzeitig immer mehr Menschen gesund ernähren können.

Mittwoch, 16. Februar 2022

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Schädlingsdruck stellen die globale Landwirtschaft vor riesige Herausforderungen.
  • Die Bewältigung der Probleme wird nur mit innovativen Technologien zu meistern sein.
  • Dazu gehören neue Züchtungstechnologien sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Globale Herausforderungen erfordern ganzheitliche Ansätze.
Globale Herausforderungen erfordern ganzheitliche Ansätze.

Wachsende Bevölkerung


Die Weltbevölkerung wächst. Pro Tag nimmt sie um 200'000 Menschen zu. Gleich viele wandern jeden Tag in Städte ab. Gemäss UNO werden um das Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben – 70 Prozent davon in Städten. Damit diese Menschen ernährt werden können, muss die Landwirtschaft gemäss FAO bis 2050 ungefähr 50 Prozent mehr Nahrung gegenüber 2012 produzieren. Und die Produkte müssen bezahlbar und in guter Qualität beim Konsumenten ankommen. Fast jeder dritte Mensch hat im Jahr 2020 noch keinen Zugang zu ausgewogener Nahrung. 811 Millionen Menschen gehen heute hungrig zu Bett. Davon sind 70 Prozent in der Landwirtschaft tätig – ohne Zugang zu Wissen und Technologie. Vor diesem Hintergrund ruft die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) alle Länder auf, genügend Lebensmittel bereitzustellen und ihre Bevölkerungen mit günstigen und gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen.


Bedrohung durch Klima und Schädlinge

Neben dem starken Bevölkerungswachstum stellt der Klimawandel die zweite riesige Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Hitze- und Trockenperioden sowie Überflutungen von Landschaften werden in Zukunft immer häufiger auftreten. Die Landwirtschaft ist einerseits Opfer von Fluten und Dürren, andererseits verantwortet sie 20 Prozent der globalen Triebhausgasemissionen. Der Klimawandel erhöht auch den Schädlingsdruck und gefährdet die Erträge. Ein Beispiel ist die Heuschreckenplage, die im insbesondere im letzten Jahr die Ernten mehrerer Länder in Ostafrika und Asien bedrohten. Eine Million Hektaren Land waren betroffen. Über 20 Millionen Menschen waren wegen der weggefressenen Pflanzen vom Hunger bedroht.


Bedrohung der Lebensmittelsicherheit

Verunreinigte Lebensmittel sind eine grosse Gefahr. Erst kürzlich hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLV) vor Enterobakterien in Babynahrung gewarnt und ein bekanntes Produkt aus dem Verkehr gezogen. Die Bakterien können bei Neugeborenen zu Hirnhautentzündung führen. Pflanzenkrankheiten stellen eine Bedrohung für die Lebensmittelsicherheit dar. Die WHO warnt vor Mykotoxinen. Allein in Europa gehen jedes Jahr Zentausende von Leberkrebstoten auf die Vergiftung dieses Pilzgiftes zurück. Schimmelpilze produzieren verschiedene Gifte, die für Menschen stark toxisch sind. Mit dem Einsatz von Fungiziden lassen sich Rückstände zuverlässig bekämpfen.


Knappe Wasservorräte

Die Landwirtschaft braucht bereits heute 70 Prozent des entnommenen Süsswassers. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass in 30 Jahren vier Milliarden Menschen in Staaten mit Wasserknappheit leben werden. Um die Wasservorräte vieler Länder nicht noch stärker zu beanspruchen, muss die Wassereffizient von Pflanzen verbessert und ihre Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit erhöht werden. Die forschende Industrie investiert Milliarden in tolerantere Pflanzen durch Züchtung und Pflanzenschutz.


Begrenzte Flächen

Jede Sekunde geht Agrarfläche in der Grösse eines Fussballfeldes verloren. Bereits sind 40 Prozent des Bodens degradiert. Die Ackerflächen können nicht weiter ausgedehnt werden. Die Umwandlung von Sumpfgebieten, Mooren und Wäldern in Ackerland setzt gigantische Mengen an CO2 frei. Vor dem Hintergrund der Klimakrise kann das keine Lösung sein. Die zusätzlichen Nahrungsmittel müssen auf landwirtschaftlich bereits erschlossenen Flächen produziert werden. Die Nahrungsmittelproduktion muss effizienter, günstiger und ökologischer werden. Auch hier zeigt sich: Die Herausforderungen für die Landwirtschaft sind gewaltig. Biopionier Urs Niggli drückt es so aus: «Selbst wenn die Erträge der globalen Landwirtschaft weiter steigen wie bisher, müssten bis zum Jahr 2050 rund 200 Millionen Hektar Ackerland und 400 Millionen Hektar Grünflächen zusätzlich bewirtschaftet werden, um die bis dahin auf geschätzt knapp zehn Milliarden anwachsende Weltbevölkerung zu ernähren.» Das entspricht der eineinhalbfachen Fläche der Europäischen Union.


Steigerung der Produktivität

Ohne Produktivitätssteigerung würden heute 370 Millionen Hektaren mehr Land landwirtschaftlich genutzt. Das entspricht 60 Prozent des Amazonas-Regenwalds. Seit den 60er-Jahren fand eine Entkopplung des Bevölkerungswachstums und der Agrarflächen statt: Auf praktisch gleichbleibenden Landflächen konnten seither 80 Prozent mehr Nahrung produziert und damit acht Milliarden, statt nur drei Milliarden Menschen ernährt werden. Verantwortlich dafür sind agrarwissenschaftliche Erkenntnisse und eine Landwirtschaft, die sich diese zunutze macht. Die produktivere Landwirtschaft kompensiert auch die Abwanderung von Arbeitskräften in den zweiten und dritten Sektor. Dank dem Fortschritt können sie mit genügend Nahrungsmitteln versorgt werden, ohne dass sie selber auf den Feldern arbeiten.


Globale Verantwortung

Angesichts der globalen Herausforderungen für die Landwirtschaft darf sich die Schweiz nicht aus der Produktion abmelden. Eine Bio- und Importstrategie ist mit ökologischen Fragezeichen behaftet und auch aus ethischen Gründen abzulehnen. Die Belastungen der Umwelt würden in die Herkunftsländer der Importe ausgelagert. Die Schweiz trägt eine globale Verantwortung und muss sich zu grossen Teilen selber versorgen können. Das geht nur mit einer weiteren Produktivitätssteigerung um rund 30 Prozent.


Ressourceneffiziente Landwirtschaft

Eine weitere Produktivitätssteigerung ist unter Verwendung aller verfügbaren Technologien möglich. Die Schweiz verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen auf dem Gebiet der Grundlagen- und industriellen Forschung. Neue Technologien wie die Digitalisierung oder verbesserte Züchtung mit CRISPR/Cas bieten riesige Chancen. Die grüne Gentechnik wird seit über 30 Jahren in vielen Regionen der Welt (u.a. USA, Lateinamerika, zahlreiche Länder in Asien) angewandt und sie hat eine lange Tradition sicherer Anwendung für Umwelt und Mensch. Eine globale Metastudie hat gezeigt, dass die durchschnittlichen Ertragsvorteile der grünen Gentechnik bei ca. 22 % liegen. Der Einsatz von Pestiziden kann dagegen um durchschnittlich 37% verringert werden. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ressourceneffizient. Ziel ist, mit weniger Produktionsmitteln (Arbeit, Kapital, Boden) und nur der geringstmöglichen Umweltbelastung den Ertrag zu steigern.

Ähnliche Artikel

Glyphosat bietet viele Vorteile
Wissen

Glyphosat bietet viele Vorteile

Glyphosat ist das bestuntersuchte Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt und dient Bauern dazu, Felder vor der Aussaat effizient und kostengünstig von unerwünschtem Pflanzenbewuchs zu befreien.

«Biologicals» – Biowirkstoffe aus der Forschung
Wissen

«Biologicals» – Biowirkstoffe aus der Forschung

Moderne Pflanzenschutzmittel müssen sicher, zielgerichtet und kurzlebig sein, also kurz nach Erreichen des Ziels abgebaut werden, ohne biologisch aktive Abbauprodukte zu hinterlassen.

Der grosse Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft
Wissen

Der grosse Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft

Biotechnologisch gezüchtete Pflanzen werden seit rund 25 Jahren in vielen Teilen der Erde angebaut. Mehrere Publikationen belegen den grossen Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft. Der Anbau der Pflanzen wirkt sich positiv auf die Umwelt, das Klima und die Erträge von Bauern aus.

«Natürlich heisst nicht unbedingt nachhaltig»
Wissen

«Natürlich heisst nicht unbedingt nachhaltig»

Um die wachsende Weltbevölkerung mit gesunder und nachhaltig produzierter Nahrung versorgen zu können, sind wir auf optimierte Lebensmittel angewiesen. Diese werden von Konsumentinnen und Konsumenten jedoch als «künstlich» – und damit «unnatürlich» – wahrgenommen. Und Natürlichkeit wird bevorzugt. Doch sind vermeintlich «natürliche» Produkte auch gesünder und nachhaltiger? Drei Referate gingen am Swiss-Food Talk der Optimierung von Lebensmitteln auf den Grund.

Weitere Beiträge aus Wissen