Globale Fakten zu Welternährung und Landwirtschaft
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Globale Fakten zu Welternährung und Landwirtschaft

Nur dank technologischem Fortschritt und modernem Pflanzenschutz werden wir in Zukunft unsere Ressourcen schonen und gleichzeitig immer mehr Menschen gesund ernähren können.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Schädlingsdruck stellen die globale Landwirtschaft vor riesige Herausforderungen.
  • Die Bewältigung der Probleme wird nur mit innovativen Technologien zu meistern sein.
  • Dazu gehören neue Züchtungstechnologien sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Globale Herausforderungen erfordern ganzheitliche Ansätze.
Globale Herausforderungen erfordern ganzheitliche Ansätze.

Wachsende Bevölkerung

Die Weltbevölkerung wächst. Pro Tag nimmt sie um 200'000 Menschen zu. Gleich viele wandern jeden Tag in Städte ab. Gemäss UNO erreichen wir in den 2050ern die zehn Milliarden Grenze. 70 % davon werden in Städten leben. Damit diese Menschen ernährt werden können, muss die Landwirtschaft 60 Prozent mehr Nahrungsmittel produzieren. Und die Produkte müssen bezahlbar und in guter Qualität beim Konsumenten ankommen. Gemäss FAO steigt der Hunger auch bedingt durch die COVID-Krise wieder an: Zwischen 720 und 811 Millionen Menschen gingen 2020 hungrig zu Bett. Davon sind 70 Prozent in der Landwirtschaft tätig – ohne Zugang zu Wissen und Technologie. Auch schätzt die FAO, dass im Jahr 2030 immer noch ungefähr 660 Millionen Menschen an Hunger leiden werden. Das heisst: 2030 könnte die Zahl der Menschen, die von Hunger bedroht sind, fast doppelt so gross sein wie die derzeitige Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die weltweite Ernährungssicherheit sind ein Grund dafür. Ohne Pandemie wären wohl etwa 30 Millionen Menschen weniger betroffen. Darüber hinaus hatte fast jeder dritte Mensch auf der Welt im Jahr 2020 keinen Zugang zu angemessener Nahrung. Das ist ein Anstieg um fast 320 Millionen Menschen in nur einem Jahr. Vor diesem Hintergrund ruft die FAO alle Länder auf, genügend Lebensmittel bereitzustellen und ihre Bevölkerungen mit günstigen und gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen.


Bedrohung durch Klima und Schädlinge

Neben dem starken Bevölkerungswachstum stellt der Klimawandel die zweite riesige Herausforderung für die Landwirtschaft dar. Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Hitze- und Trockenperioden sowie Überflutungen von Landschaften werden in Zukunft immer häufiger auftreten. Die Landwirtschaft ist einerseits Opfer von Fluten und Dürren, andererseits verantwortet sie 20 Prozent der globalen Triebhausgasemissionen. Der Klimawandel erhöht auch den Schädlingsdruck und gefährdet die Erträge. Ein Beispiel ist die Heuschreckenplage, die im insbesondere im letzten Jahr die Ernten mehrerer Länder in Ostafrika und Asien bedrohten. Eine Million Hektaren Land waren betroffen. Über 20 Millionen Menschen waren wegen der weggefressenen Pflanzen vom Hunger bedroht.


Bedrohung der Lebensmittelsicherheit

Verunreinigte Lebensmittel sind eine grosse Gefahr. Erst kürzlich hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLV) vor Enterobakterien in Babynahrung gewarnt und ein bekanntes Produkt aus dem Verkehr gezogen. Die Bakterien können bei Neugeborenen zu Hirnhautentzündung führen. Pflanzenkrankheiten stellen eine Bedrohung für die Lebensmittelsicherheit dar. Die WHO warnt vor Mykotoxinen. Allein in Europa gehen jedes Jahr Zentausende von Leberkrebstoten auf die Vergiftung dieses Pilzgiftes zurück. Schimmelpilze produzieren verschiedene Gifte, die für Menschen stark toxisch sind. Mit dem Einsatz von Fungiziden lassen sich Rückstände zuverlässig bekämpfen.


Knappe Wasservorräte

Die Landwirtschaft braucht bereits heute 70 Prozent des entnommenen Süsswassers. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass in 30 Jahren vier Milliarden Menschen in Staaten mit Wasserknappheit leben werden. Um die Wasservorräte vieler Länder nicht noch stärker zu beanspruchen, muss die Wassereffizienz von Pflanzen verbessert und ihre Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit erhöht werden. Die forschende Industrie investiert Milliarden in tolerantere Pflanzen durch Züchtung und Pflanzenschutz.


Begrenzte Flächen

Jede Sekunde geht Agrarfläche in der Grösse eines Fussballfeldes verloren. Bereits sind 40 Prozent des Bodens degradiert. Sie bringen keine oder nur noch wenig Erträge im Ackerbau. Angebautes Futtergras wächst nicht mehr oder nur urgenügend. Doch: Die Ackerflächen können und sollen nicht weiter ausgedehnt werden. Denn die Umwandlung von Sumpfgebieten, Mooren und Wäldern in Ackerland setzt gigantische Mengen an CO2 frei. Vor dem Hintergrund der Klimakrise kann das keine Lösung sein. Die zusätzlichen Nahrungsmittel müssen auf landwirtschaftlich bereits erschlossenen Flächen produziert werden. Die Nahrungsmittelproduktion muss effizienter, günstiger und ökologischer werden. Auch hier zeigt sich: Die Herausforderungen für die Landwirtschaft, die selber für 12 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich ist, sind gewaltig.


Steigerung der Produktivität

Ohne Produktivitätssteigerung würden heute 370 Millionen Hektaren mehr Land landwirtschaftlich genutzt. Das entspricht 60 Prozent des Amazonas-Regenwalds. Seit den 60er-Jahren fand eine Entkopplung des Bevölkerungswachstums und der Agrarflächen statt. Verantwortlich dafür sind agrarwissenschaftliche Erkenntnisse und eine Landwirtschaft, die sich diese zunutze macht. Die produktivere Landwirtschaft kompensiert auch die Abwanderung von Arbeitskräften in den zweiten und dritten Sektor. Dank dem Fortschritt können sie mit genügend Nahrungsmitteln versorgt werden, ohne dass sie selber auf den Feldern arbeiten.


Globale Verantwortung

Angesichts der globalen Herausforderungen für die Landwirtschaft darf sich die Schweiz nicht aus der Produktion abmelden. Eine Bio- und Importstrategie ist mit ökologischen Fragezeichen behaftet und auch aus ethischen Gründen abzulehnen. Die Belastungen der Umwelt würden in die Herkunftsländer der Importe ausgelagert. Die Schweiz trägt eine globale Verantwortung und muss sich zu grossen Teilen selber versorgen können. Das geht nur mit einer weiteren Produktivitätssteigerung um rund 30 Prozent.


Ressourceneffiziente Landwirtschaft

Eine weitere Produktivitätssteigerung ist unter Verwendung aller verfügbaren Technologien möglich. Die Schweiz verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen auf dem Gebiet der Grundlagen- und industriellen Forschung. Neue Technologien wie die Digitalisierung oder verbesserte Züchtung mit CRISPR/Cas, etc. bieten riesige Chancen, wenn Politik und Gesellschaft das erkennen und zulassen. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ressourceneffizient. Ziel ist, mit weniger Produktionsmitteln (Arbeit, Kapital, Boden) und nur der geringstmöglichen Umweltbelastung den Ertrag zu steigern.

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