Glyphosat bietet viele Vorteile
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Glyphosat bietet viele Vorteile

Glyphosat ist das am weitesten verbreitete Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt und dient Bauern dazu, Felder vor der Aussaat effizient und kostengünstig von unerwünschtem Pflanzenbewuchs zu befreien.

Montag, 30. Januar 2023

Das Wichtigste in Kürze:

  • Glyphosat gehört zu den am besten untersuchten Pflanzenschutzmitteln.
  • Das Herbizid verhindert das Wachstum von konkurrierendem Unkraut und sichert damit Ernten.
  • Ohne Glyphosat müsste deutlich mehr gepflügt werden, was sich negativ auf Boden und Klima auswirkt.

Das Herbizid ermöglicht den Landwirten so einen bis zu 22 Prozent höheren Ertrag. Es ist damit ein wichtiger Bestandteil, um wirtschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Ende April 2020 publizierte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) neue Erkenntnisse. Es kommt zum Schluss, dass die Rückstandshöchstwerte von Glyphosat in und auf Lebensmitteln für die Konsumenten unbedenklich sind.


Keine Gefahr durch Lebensmittel

Nachdem Glyphosat im Jahr 2015 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wurde, erhöhte sich der politische Druck. Alle nationalen und internationalen Zulassungsbehörden stufen das Herbizid jedoch als «nicht krebserregend» ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in seiner Einschätzung von Glyphosat mehr als 1000 wissenschaftliche Studien berücksichtigt. 2016 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ein Lebensmittelmonitoring gestartet. Es untersuchte die Exposition der Bevölkerung gegenüber von Glyphosat. Dazu hat es 230 Lebensmittelproben aus 19 Kategorien (z.B. Wein, Brot, Gemüse usw.) genommen. Die Proben bestätigen, dass die in den Lebensmitteln gefundenen Rückstände von Glyphosat gering sind und keine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Wie gefährlich sind Pestizide wie Glyphosat für Mensch und Umwelt? (Addendum)

Glyphosat wirkt nur auf pflanzliche Organismen

Glyphosat ist das bestuntersuchte Herbizid der Welt. Es wird in erster Linie auf landwirtschaftlichen Nutzflächen eingesetzt, also auf Feldern, die nicht als primärer Lebensraum und Nahrungsgrund für Insekten dienen. Wo Weizen oder Mais angebaut wird, kann eben nicht zugleich eine blühende Wiese Insekten Nahrung spenden. Nicht nur im Boden baut es sich sehr schnell ab. Auch bei Mensch und Tier werden minimalste Rückstände, die bei Untersuchungen schon gefunden wurden, in kurzer Zeit über die Leber ausgeschieden. Glyphosat selbst wirkt nur auf pflanzliche Organismen. Trotzdem halten viele an einem künftigen Verzicht von Glyphosat fest.


Verbesserte Analytik

In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Meldungen von Glyphosatspuren in Lebensmitteln wie Teigwaren, Bier oder Haferflocken. Dies hängt aber nicht damit zusammen, dass Bauern weniger sorgsam mit Glyphosat umgehen. Die häufigeren Nachweise sind vielmehr auf den enormen technischen Fortschritt in der Analysetechnik zurückzuführen. Mittlerweile ist es möglich, den Bruchteil eines Zuckerwürfels im Bodensee analytisch zu messen. Schon seit Paracelsus kennen wir das Prinzip: Die Menge macht das Gift. Vielleicht ein Grund dafür, dass Kritiker fast nie konkrete Mengenangaben machen, wenn sie auf Glyphosatrückstände in Lebensmitteln hinweisen. Meist bewegen sich die Mengen im Mikrogrammbereich – das ist der millionste Teil eines Gramms oder 0,000'001 Gramm. Glyphosat weist eine geringere Toxizität wie Kochsalz oder Backpulver auf und wirkt nur auf pflanzliche Organismen.

Glyphosat befindet sich in der gleichen Giftigkeitsstufe wie Backpulver (Arbeitsgruppe Zukunft Landwirtschaft).
Glyphosat befindet sich in der gleichen Giftigkeitsstufe wie Backpulver (Arbeitsgruppe Zukunft Landwirtschaft).

Weniger CO2-Emissionen

In der Schweizer Landwirtschaft dient Glyphosat vor allem dazu, Böden vor Erosion zu schützen. Glyphosat tötet vor der Saat die Unkräuter ab. Wenn man den Wirkstoff verbietet, wird in der Landwirtschaft wieder mehr gepflügt. Dies hat negative Auswirkungen auf verschiedene Bodenorganismen wie Regenwürmer. Zudem ist die Erosionsgefahr bei umgepflügter Erde besonders gross. Bei Regen wird die Erde bereits bei leichter Hangneigung vom Feld gespült. Statt Humus aufzubauen, wird er weggeschwemmt. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt ab. Zusätzliches Problem: Die immer wieder aufgebrochenen Erdschichten können weniger CO2 binden. Das wirkt sich negativ auf das Klima aus. Auf diese Tatsache weist auch der französische Landwirtschaftsminister Didier Guillaume im Figaro hin. Eine konservierende Bodenbearbeitung sei ohne den Einsatz von Glyphosat nicht möglich. Deshalb sollen Bauern in Frankreich trotz angestrebtem Verbot ab 2021 weiterhin Glyphosat einsetzen dürfen.


Der Wind hat gedreht

Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, stehen die Chancen gut, dass Glyphosat in der EU erneut zugelassen wird. Aufgrund eines knappen Entscheides aus dem Jahr 2017 hätte Dezember 2022 eigentlich das Ende für Glyphosat in der EU bedeuten sollen. Die Schweiz hätte automatisch nachgezogen. Doch der Widerstand gegen das erfolgreiche Herbizid bröckelt. In der Zwischenzeit hat sich die Evidenz verdichtet, dass von Glyphosat keine Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt ausgeht. So hat die Prüfungsbehörde vonseiten der EU einen Antrag von sieben Unternehmen für eine Wiederzulassung gutgeheissen. Die Behörde kam – wie unzählige Behörden anderer Länder auch – zum Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend sei und die Zulassungsbedingungen erfülle. Somit stehen die Chancen gut, dass Glyphosat auch Schweizer Landwirten weiterhin zur Verfügung steht. Davon profitieren Bauern und die Umwelt gleichermassen. Auch der Bundesrat kommt zum Schluss: «Die Glyphosatanwendung ist aus Sicht der Auswirkungen auf Klima, Bodenschutz und nicht erneuerbare Ressourcen vorteilhafter als die meisten Ersatzlösungen.»

Alternativen mit Nachteilen

Ein Expertenbericht des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Alternativen zum Glyphosateinsatz Nachteile haben. Mit den bestehenden Ersatzlösungen erhöht sich die Gefahr der Bodenerosion. Zudem verursachen die Alternativen höhere Produktionskosten. Auch die Kontrolle mehrjähriger Unkräuter ist mit diesen Verfahren schwieriger. Ausserdem weisen aktuelle mechanische Methoden im Vergleich zu den Glyphosatverfahren einen erhöhten Energieverbrauch und erhöhte Treibhausgasemissionen auf.

Gut zu wissen

In den letzten Jahren ist eine Debatte über eine mögliche krebserregende Wirkung von Glyphosat entstanden. Im Jahr 2015 veröffentlichte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Einschätzung zu Glyphosat: Die Substanz sei «wahrscheinlich krebserregend». Wahrscheinlich krebserregend sind nach der WHO auch der Genuss von heissen Getränken oder der Konsum von rotem Fleisch. In den zugelassenen Höchstkonzentrationen – das bestätigen heute die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien zur Substanz sowie die Behörden – geht von Glyphosat kein Gesundheitsrisiko aus.

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