«Hierzulande Bio, in den Philippinen verboten»
Auf den Philippinen hat Greenpeace das Verbot von Bt-Auberginen und Golden Rice erwirkt. Unfassbar: Das gleiche Bakterium, das die Umweltorganisation dort als gefährlich diffamiert, wird in der Schweiz als Bio gepriesen.
Publiziert: 20.06.2024, 10:00 Uhr | Aktualisiert: 03.07.2024, 08:46 Uhr
Dass der Oberste Gerichtshof in den Philippinen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen Golden Rice und Bt-Aubergine (Bacillus thuringiensis) verboten hat, schlug hohe Wellen. Insbesondere bei der Regierung und in Wissenschaftskreisen sorgte der Beschluss für Kritik. Schliesslich vermag Golden Rice Leben und Sehkraft von Tausenden von Kindern zu retten und die so wichtige Mangelernährung zu bekämpfen. Golden Rice sei nie aus Profitgründen angebaut worden. «Es wurde getan, um Leben zu retten», wird Adrian Dubock, Mitglied des Golden Rice Humanitarian Board im «Guardian» zitiert.
Das Verbot von Bt-Auberginen, das durch Klage von Greenpeace erwirkt wurde, lässt umso mehr aufhorchen, wenn man sich die Funktion von Bacillus thuringiensis anschaut. Es handelt sich nämlich um ein wertvolles Bodenbakterium, das seit mehreren Jahrzehnten zur Bekämpfung von verschiedenen Insektenlarven und Käfern eingesetzt wird. So produziert das Bakterium sogenannte Bt-Proteine, die für einige Schadinsekten giftig sind. Damit schützt sich die Pflanze selbst vor Schädlingen. Die Technik ist dabei präzis – es werden nur Schädlinge bekämpft, die sich direkt an der Pflanze zu schaffen machen.
Insbesondere in Entwicklungsländern wie beispielsweise Bangladesch machen Landwirte Gebrauch von Bt-Auberginen. Dadurch müssen sie weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen und können ihre Erträge schützen. Zumindest auf den Philippinen ist das jetzt Geschichte.
Hierzulande bekämpft Bacillus thuringiensis den Kartoffelkäfer
Kaum zu glauben: Was von Greenpeace und Co. derart erbittert bekämpft wird, hat hierzulande sogar den «Bio-Heiligenschein»: Bacillus thuringiensis ist nämlich der Wirkstoff in einem vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) empfohlenen Biocontrol zur Bekämpfung des berüchtigten Kartoffelkäfers.
Berüchtigt, weil vor nicht allzu langer Zeit ganze Heerscharen von Kindern diese Krabbeltiere in mühsamer Handarbeit von den Kartoffelstauden und Nachtschattengewächsen gelesen haben. Viele ältere Menschen können sich noch an diese Kinderarbeit erinnern.
Das FibL preist den Wirkstoff gegen den Kartoffelkäfer als «selektiv und nicht bienengefährlich». Der Wirkstoff ist gar auf der sogenannten «Hilfsstoffliste» des FibL für 2024 gelistet und für Kartoffeln, Auberginen und viele weitere Kulturen zugelassen.
Und kantonale Behörden setzen Bt als Larvizide gegen die lästigen invasiven Tigermücken ein. «Nau» schreibt dazu: «Das eingesetzte biologische Insektizid auf Basis B.t.i. wirkt spezifisch gegen Stechmückenlarven und ist unbedenklich für andere Insektenarten, Menschen oder die Umwelt.»
Was hierzulande gepriesen wird, soll am anderen Ende der Welt eingesetzt, gefährlich sein? Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Höchste Zeit, dass Greenpeace umdenkt.
Sources
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