Insekten: Die Proteinquelle von morgen?
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Insekten: Die Proteinquelle von morgen?

Insekten gelten schon seit Längerem als das Super Food der Zukunft. Sie sind reich an Proteinen, benötigen weniger Land und Wasser, und haben eine bessere CO2-Bilanz als herkömmliches Fleisch. Wenn die Menschheit bis zum Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen gesund ernähren und gleichzeitig den Planeten schützen will, braucht sie alternative Proteinquellen. Mehlwürmer oder Käfer könnten schon bald auf unserem Speiseplan stehen. Doch die Insektennahrung hat hierzulande mit Startschwierigkeiten zu kämpfen.

Sonntag, 9. Januar 2022

Das Wichtigste in Kürze

  • Um im Laufe dieses Jahrhunderts zehn Milliarden Menschen nachhaltig ernähren zu können, brauchen wir alternative Proteinquellen.
  • Eine Möglichkeit ist die Zucht von Insekten wie Heuschrecken, Würmer oder Käfer.
  • Sie enthalten viel Protein und benötigen gleichzeitig weniger Land und Wasser. Auch ihre CO2-Bilanz ist besser als vom gewohnten tierischen Fleisch. Die Nachfrage nach den Insekten ist hierzulande allerdings noch gering.

«Um 9 Milliarden Menschen zu ernähren, muss die essbare Welt neu gedacht werden», schreibt der «Economist». Das Problem dieses Jahrhunderts ist die Produktion von genügend gesunder Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung. Doch aufgrund des Klimawandels und der ohnehin schon starken Belastung der Ökosysteme muss auf gleichbleibender Fläche mehr Ertrag erzielt werden. Fruchtbarer Boden wird immer mehr zur Mangelware. Über platzsparende Anbaualternativen wird rege diskutiert. Neben der Produktion von Mikroalgen oder Seegras gehört hier auch die Insektenzucht dazu.

Die Sendung Terra X des «ZDF» hat sich mit Insekten als zukünftigen Lebensmitteln auseinandergesetzt – und dabei selbst degustiert. (Video: ZDF)

Insekten in vielen Regionen bereits auf dem Speiseplan

Es mag besonders für Europäer ungewohnt klingen. Doch Insekten gehören bereits heute zum Speiseplan von geschätzt zwei Milliarden Menschen – so zum Beispiel in der mexikanischen, thailändischen oder südafrikanischen Küche. Und es gibt gute Gründe, auch in nördlicheren Hemisphären mehr Würmer, Heuschrecken oder Käfer zu essen. Insekten wandeln ihnen zugeführte Ressourcen wie Nährstoffe und Wasser viel effizienter in Proteine um als andere von Menschen verzehrten Tiere. Gewisse Insekten enthalten mehr Protein als Eier oder Fleisch. Die Insektenzucht benötigt viel weniger Land und Wasser – was die CO2-Bilanz gegenüber Rindern, Schweinen oder Hühnern deutlich verbessert. Als Nahrung können Lebensmittelabfälle verwendet werden, was den Food Waste reduziert.


Auch für die Tierzucht geeignet

Etwas weniger ambitioniert, aber dennoch hilfreich für den Klimaschutz, könnte die Verfütterung von insektenbasierter Nahrung in der Tierhaltung sein. Die Verwendung von landintensiven Futtermitteln wie Soja hat weitaus stärkere Auswirkungen auf das Klima. Zudem konkurrieren Futtermittel wie Soja mit menschlicher Nahrung. Das ist in Anbetracht des Bevölkerungswachstums und der knapper werdenden Landressourcen wenig sinnvoll. Gleiches gilt auch für die Fischzucht. Heute werden fast 20 Prozent der wild gefangenen Fische zu Fischmehl verarbeitet und in der Fischzucht als Futtermittel verwendet. Auch hier könnte insektenbasiertes Futter eine weitaus nachhaltigere Option darstellen.


Bei Konsumenten noch wenig nachgefragt

Noch dürfte es jedoch ein steiniger Weg sein, bis sich die Insekten als Snacks oder Fleischersatz hierzulande bei den Konsumenten durchsetzen. Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, hat die Migros ihre getrockneten Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken im November 2021 nach rund drei Jahren aus dem Sortiment genommen. Die unter der Marke «Mi-Bugs» verkauften essbaren Insekten waren ein Flop. «Das Potential von Insekten ist eher tief. Insekten gehören noch nicht wirklich auf den Schweizer Teller», sagt ein Sprecher des orangen Riesen gegenüber der «Sonntagszeitung». Nach der Zulassung von Insekten im Jahr 2017 erreichte der Umsatz 2019 seinen Höhepunkt. Mit 420'000 Franken pro Jahr jedoch auf einem bescheidenen Niveau. 2020 brachen die Einnahmen dann um einen Drittel ein. Viele dürften die Insektensnacks aus Neugierde probiert haben. Doch der Ekel vor Insekten führt nach wie vor zu einer ablehnenden Haltung. Sie gelten noch immer als Ungeziefer.

Die Anbieter von alternativen Fleischprodukten haben zudem auch mit höheren Kosten zu kämpfen. Die beiden Firmen Oatly und Beyond Meat müssen für Hafermilch oder Rapsöl deutlich höhere Preise zahlen. Das drückt auf die Gewinnmarge und die aufkommende Konkurrenz drückt auf die hohen Konsumentenpreise: Im Juni 2021 war Hafermilch noch mehr als doppelt so teuer wie Kuhmilch, im November 2021 senkte Coop die Hafermilchpreise. Die Konkurrenz im veganen Segment nimmt weiter zu. Auch Grosse wie Nestlé und Unilever sind ins Geschäft mit pflanzlichen Fleischalternativen eingestiegen – Nestlé bietet zum Beispiel eine erbsenbasierte Pflanzenmilch oder auch eine vegane Thunfischalternative an.


Preis entscheidend

Der Preis wird entscheidend sein, ob sich die Produkte im Markt etablieren können. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist er immer noch einer der wichtigsten Faktoren für den Kaufentscheid. Obwohl rein pflanzliche Produkte bei Konsumenten besser ankommen, sehen Vertreter der Insektennahrung ihre Produkte gegenüber den pflanzlichen Proteinquellen im Vorteil. Sie könnten vom menschlichen Körper besser aufgenommen werden. Zielgruppe der Insektensnacks waren jedoch von Anfang an Menschen, die aus ökologischen Gründen auch vermehrt pflanzliche Nahrung bevorzugen. Ausschliesslich vegan lebende Menschen sind für Detailhändler jedoch nach wie vor uninteressant. Sie machen nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung aus.

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