Konsum von Öko-Fleisch rückläufig
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Konsum von Öko-Fleisch rückläufig

Schweizerinnen und Schweizer greifen immer weniger zu Fleisch, das mit einem speziellen Label gekennzeichnet ist. Gleichzeitig nimmt der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch erstmals seit Langem wieder zu. Dies geht aus einer Analyse des Schweizer Tierschutzes (STS) hervor.

Montag, 27. Juni 2022

In der Corona-Pandemie ist der Absatz an Bio-Produkten in neue Höhen gestiegen. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten kauften so viele Biolebensmittel wie nie zuvor. Wie der «Tages-Anzeiger» in Bezug auf eine Labelstatistik des Schweizer Tierschutz schreibt, ist der Verkauf an Bio- und anderem Labelfleisch in den vergangenen Jahren jedoch gesunken. Konkret nahm der Anteil an Labelfleisch im Vergleich zu konventionellen Produkten bei Rindfleisch zwischen 2020 und 2021 von 36,6 Prozent auf 31,9 Prozent ab – das sind fast fünf Prozent. Ein ähnlicher Rückgang ist bei Schweinefleisch zu verzeichnen. Dort sank der Anteil an Tierwohlprodukten von 35 auf 30,5 Prozent im selben Zeitraum. Die Pouletproduktion mit einen Label verharrt bei acht Prozent – obwohl Schweizerinnen und Schweizer heute rund doppelt so viel Poulet konsumieren wie vor 40 Jahren.


Labelprodukte bis doppelt so teuer

Der Anteil an Labeltieren im Vergleich mit sämtlichen in der Schweiz geschlachteten Tieren betrug im Jahr 2021 zwölf Prozent. Das ist ein Minus von 0,2 Prozent gegenüber 2020. Gemäss Stefan Flückiger, Co-Leiter beim STS, haben wir es derzeit mit einer «Tierwohlkrise» zu tun. Die Dramatisierung geschieht wohl im Hinblick auf die Abstimmung über die Massentierhaltungsinitiative im kommenden Herbst. Vom Tierschutz wird somit unterstellt, dass Bauern, die auf die Labelproduktion verzichten, ihre Tiere nicht artgerecht halten. Diese Behauptung hält der Realität jedoch kaum Stand. Die Erklärung für den Rückgang beim Konsum von Labelfleisch sieht der Tierschutz vor allem bei den Preisen. Teilweise kostet ein Labelprodukt beinahe das Doppelte im Vergleich zu Fleisch aus konventioneller Produktion. Konsumentinnen und Konsumenten, so Flückiger, seien in der Corona-Pandemie preissensibler geworden. Eine ergänzende Erklärung liefert gemäss «Tages-Anzeiger» Ökonom Mathias Binswanger. Detailhändler wie Migros und Coop nutzen ihre Marktmacht aus und treiben die Preise für Premium-Kunden nach oben. Beim konventionellen Fleisch liefern sie sich jedoch einen erbitterten Preiskampf.

Preis als wichtigster Faktor

Der Wunsch nach tiergerechter Haltung ist bei Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten zwar weit verbreitet, doch die Welt ist nicht schwarz und weiss. Der Verzicht auf ein Label kann nicht mit Tierquälerei gleichgesetzt werden. Und der Preis spielt am Ende eine entscheidende Rolle. Wie auch eine Studie der Forschungsastalt Agroscope von 2020 zeigt, liegt ein grosser Hebel zur Steigerung des Absatzes von Öko-Fleisch beim Preis. Der Absatz von Biorind liesse sich gemäss der Untersuchung um 50 Prozent steigern, wenn der Preis dafür um 20 Prozent sinken würde. Der Absatz von Bioschwein liesse sich sogar um 60 Prozent steigern. Neben den Detailhändlern nimmt der STS auch die Gastrobranche in die Pflicht. Sie müsse für mehr Tierwohl auf der Speisekarte sorgen. Gemäss «Tages-Anzeiger» warnt die Branche allerdings vor zu einfachen Schlüssen. Konventionelles Fleisch oder Fleisch aus dem Ausland müsse nicht automatisch bedeuten, dass dem Tierwohl weniger Rechnung getragen würde.

Blindspot-Artikel

Eine umfassend nachhaltige Lebensmittelproduktion und eine gesunde Ernährung sind komplexe Themenfelder. Es braucht die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln. Doch unliebsame Fakten kommen in der öffentlichen Diskussion häufig zu kurz. Wir beleuchten, was gerne im Schatten bleibt. So kommen die Zielkonflikte zur Sprache.

Fleisch aus dem Labor?

Als Alternative zur Produktion von Fleisch auf dem Bauernhof könnte Fleisch schon bald aus dem Labor kommen. Vor allem in Israel arbeiten verschiedene Start-up Firmen daran, Fleisch aus Stammzellen im Labor zu züchten. Geschmack, Textur etc. überzeugen, das Problem liegt noch in der Skalierbarkeit: Es existieren meist erst Pilotanlagen, wie die NZZ schreibt. Erst wenn eine Produktion im grösseren Massstab möglich ist, sinken die Preise für Laborfleisch. Wichtig wird die Konsumenten-Akzeptanz sein, doch müssen wir uns alle daran gewöhnen, dass aufgrund der globalen Ressourcenknappheit Essen aus dem Bioreaktor nachhaltig sein kann. Klar ist: Innovative Technologien werden für eine umfassend nachhaltige Ernährung unumgänglich sein. Sie werden auch zu einer noch nachhaltigeren Tierhaltung beitragen – wenn man sie zulässt. Denn Tierhaltung wird in der Landwirtschaft immer eine Rolle spielen, wegen der Düngerproduktion und des Schliessen von Kreisläufen. Das gilt für die regenerative Landwirtschaft noch viel mehr als für die Bio-Landwirtschaft, der ohne Tiere der Dünger fehlt.

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