Mehr Honigbienen in Europa

Mehr Honigbienen in Europa

Immer wieder werden Pestizide sehr pauschal für eine Abnahme bei den Bienenvölkern verantwortlich gemacht. Doch die Ursachen für Verluste an Biodiversität sind komplexer. Sie können nicht auf einen einzelnen Faktor zurückgeführt werden. Die Zahlen zeigen sogar: In Europa nimmt die Anzahl an Honigbienenvölkern zu.

Publiziert: 18.11.2021, 13:47 Uhr | Aktualisiert: 18.11.2021, 22:56 Uhr

Insgesamt leben in der Schweiz ungefähr 165’000 Bienenvölker. Der Bienengesundheitsdienst meldet für das Jahr 2020 fünf(!) Vorkommnisse, bei denen Bienen mit Pestiziden vergiftet wurden. Das heisst: Pestizide können bei unsachgemässer Anwendung eine Gefahr für Bienen darstellen. Doch insgesamt ist es verfehlt und unseriös, alleine Pestizide für den Verlust an Biodiversität verantwortlich zu machen. Die Ursachen für den Rückgang bei Landinsekten ist vielfältig. So tragen die intensive Bautätigkeit, Flächenversiegelungen sowie Lichtverschmutzung ebenfalls zu einem Verlust an Biodiversität bei.

Grundsätzlich gilt: Pflanzenschutzmittel und Biozide sind sicher, solange sie gemäss Vorschriften und Anwendungshinweisen eingesetzt werden. Was die fünf oben erwähnten Fälle von Bienenvergiftungen angeht, war genau dies häufig nicht gegeben. Sämtliche Vergiftungen hätten wohl verhindert werden können, wenn die Anwender sorgfältiger mit den Mitteln umgegangen wären. In einigen Fällen haben Imker durch falsch angewendete Biozide den Tod ihrer Bienen selbst verursacht.


Kein Rückgang bei Honigbienen

Dass die Ursachen für den Rückgang bei wilden Bestäubern vielfältig sind, bestätigt auch die Medienmitteilung der Universität Bern, die über eine neue Stiftungsdozentur für Wildbienengesundheit informiert. Darin heisst es: «Um dem Rückgang wilder Bestäuber entgegenzuwirken, ist ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Faktoren unverzichtbar. Zu diesen Schlüsselfaktoren für die Wildbienen-Gesundheit gehören Krankheiten, Umweltverschmutzung, Ernährung und Genetik.» Im Gegensatz zu den Wildbienen ist bei den Honigbienen eine Zunahme der Völker zu beobachten. Ein «Bienensterben» lässt sich auf Grundlage von Zahlen der FAO bei Honigbienen nicht belegen.

Um Insekten zu fördern, braucht es entsprechende Flächen mit genügend Nahrungsquellen. Hier leisten die Schweizer Landwirte einen wertvollen Beitrag. Sie haben in den vergangenen Jahren den durchschnittlichen Anteil der Biodiversitätsförderflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf über 18 % erweitert. Dies stellt einen internationalen Spitzenwert dar. Hand auf’s Herz: Wie gross ist der Anteil von Biodiversitätsflächen in Privatgärten? Diese Durchdringung wäre wichtig. Biodiversität lebt von Vernetzung. Denn auf diesen Flächen finden Insekten besonders viele wertvolle Pflanzen- und Blumenbestände. Und Kulturen wie Raps, die relativ viele Pestizide benötigen, sind beliebte Trachtpflanzen und bieten den Bienen Nahrung.

Ursachen kennen, um Massnahmen zu treffen
Wie Agroscope in einer Mitteilung schreibt, wurde die Biodiversität in der Landwirtschaft erstmals systematisch erfasst. Im «ALL-EMA»-Bericht zum Zustand der Biodiversität in der Schweizer Landwirtschaft wurden die Ergebnisse aus dem ersten, fünfjährigen Erhebungszyklus zusammengefasst. Einige davon flossen bereits als Massnahmen zur Verbesserung der Qualität von Biodiversitätsförderflächen in die Weiterentwicklung der Agrarpolitik ein, indem die Anforderungen für die Biodiversitätsförderflächen verbessert werden sollen. Inzwischen wurde mit der Zweiterhebung begonnen, um die zeitliche Entwicklung beurteilen zu können. Künftig werden die «ALL-EMA»-Forschenden stärker auf die Ursachen für den Rückgang der Biodiversität fokussieren. Damit können die aktuellen Massnahmen zur Förderung der Arten- und der Lebensraumvielfalt besser beurteilt werden. Dies wiederum ermöglicht es, effektivere und effizientere Massnahmen zur Biodiversitätsförderung zu ergreifen. Auch hier: Die Landwirtschaft wird genau vermessen. Wie aber sieht es mit den Siedlungsgebieten aus?

Sind Pestizide schuld am Insektensterben?
Der Mythos, dass die Honigbienen sterben und Pestizide am Insektensterben schuld seien, hält sich hartnäckig. Wir haben hier ein paar Fakten zusammengestellt.

Ähnliche Artikel

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht
Medien

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht

Hitze, Dürre und Hagel haben den Schweizer Bauern 2026 schwer zugesetzt. Im NZZ-Interview warnt Adrian Aebi, Chef des grössten Schweizer Ernteversicherers: «Machen wir so weiter, blutet die Landwirtschaft aus». Für die Zukunft braucht es vor allem robuste Sorten, die Hitze und Trockenheit aushalten.

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand
Medien

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand

Der Hitzesommer 2026 hat der Schweizer Kartoffel so stark zugesetzt wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Branche fordert deshalb raschere Fortschritte bei resistenten Sorten – und Zugang zu neuen Züchtungstechnologien, wie sie die EU bereits schrittweise erlaubt. Der Bundesrat lässt sich mit der entsprechenden Gesetzesvorlage derweil Zeit bis 2027.

Legionellen, Japankäfer und Marktturbulenzen: Die vielen Gesichter des trockenen Hitzesommers 2026
Medien

Legionellen, Japankäfer und Marktturbulenzen: Die vielen Gesichter des trockenen Hitzesommers 2026

Hitze und Trockenheit sind längst nicht mehr nur unangenehm – sie werden zur Bedrohung, und zwar an ganz unterschiedlichen Stellen: bei der Kühlung, in den Stallungen, auf dem Feld und mittlerweile auch im Portemonnaie. Der Sommer 2026 zeigt das exemplarisch.

Unerwünschte Einwanderer: Warum Pestizide bei invasiven Arten unverzichtbar sind
Medien

Unerwünschte Einwanderer: Warum Pestizide bei invasiven Arten unverzichtbar sind

Sie sind klein, reisefreudig und äusserst hartnäckig: Invasive Arten breiten sich in der Schweiz zunehmend aus. Ob Japankäfer, Asiatische Hornisse, Tigermücke oder neu entdeckte Ameisenarten – die ungebetenen Gäste bedrohen nicht nur unsere einheimische Natur, sondern auch Landwirtschaft und Siedlungsgebiete. Es braucht dringend Pestizide – also Biozide und Pflanzenschutzmittel – , um die Schädlinge wirksam zu bekämpfen.

Weitere Beiträge aus Medien