Neue Züchtungsmethoden können vieles, aber nicht alles
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Neue Züchtungsmethoden können vieles, aber nicht alles

Neue Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas werden die Landwirtschaft ressourceneffizienter und damit nachhaltiger machen. Sie ermöglichen die Züchtung von klimaresistenten Nutzpflanzen, die auch Schädlingen trotzen. Pflanzenschutzmittel können eingespart werden. Doch es wird sie weiterhin brauchen.

Dienstag, 21. Juni 2022

Die «Handelszeitung» widmet einen Beitrag neuen Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas. Im Gegensatz zu älteren Verfahren sind sie zielgenauer und effizienter. Bei älteren Verfahren wie der zufälligen Mutagenese wurde auf das Giesskannenprinzip gesetzt. Beatrice Manser von der Universität Zürich erklärt, dass die seit Jahrzehnten durchgeführte Mutagenese, bei der neue Pflanzensorten mittels radioaktiver Bestrahlung oder Chemikalien gezüchtet wurden, mit einer Schrotflinte zu vergleichen sei. Man versuche, in der Hoffnung auf die «richtige» genetische Mutation, möglichst viele Mutationen zu erzeugen. So seien bereits mehr als 2000 Pflanzensorten entstanden – viele für den Biolandbau.

Im Gegensatz dazu ist die Genschere CRISPR/Cas ein zielgenaues Instrument, mit dem das Erbgut einer Pflanze an genau der richtigen Stelle geschnitten werden kann – ohne dabei unzählige weitere Mutationen herbeizuführen. Pinzette statt Schrotflinte. Die Forschung mit CRISPR/Cas erlebt einen weltweiten Boom. Derzeit sind über 1000 Forschungsprojekte mit der Genschere am Laufen. Die meisten sind Grundlagenforschung. Doch es sind auch viele Projekte für konkrete Anwendungen auf dem Acker in der Pipeline. Dazu zählen etwa regenresistenter und mehltauresistenter Weizen, Weizen mit verbesserter Dürretoleranz oder Kraut- und Knollenfäule resistente Kartoffeln.


Pflanzenschutzmittel auch in Zukunft nötig

Durch die verbesserten Eigenschaften wird die künftige Landwirtschaft sparsamer mit Wasser, Land, Dünger oder Pflanzenschutzmittel umgehen können. Trotz den ausgezeichneten Zukunftsaussichten, die CRISPR ermöglicht: Sämtliche Probleme werden sich auch mit den neue Züchtungsmethoden nicht Lösen lassen: «Gentechnik kann nicht alles. Aber sie ist ein Tool in der Tool-Box in der Pflanzenzüchtung, das es erlaubt, die Eigenschaften von Sorten zu verbessern», sagt die Forscherin Teresa Koller vom Institut für Pflanzen und Mikrobiologie der Universität Zürich gegenüber der «Handelszeitung».

Die Hoffnung, dass schädlingsresistente Pflanzen den Einsatz von Pflanzenschutzmittel dereinst gänzlich überflüssig machen, ist wohl unrealistisch. Sie werden auch in Zukunft nötig sein. Die neuen Züchtungsmethoden sind ein Puzzleteil auf dem Weg zu einer ressourceneffizienteren Landwirtschaft. Doch um bis im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen ernähren zu können, braucht es innovative neue Technologien entlang der gesamten Lebensmittelkette – vom Acker über die Verarbeitung bis auf den Teller. Ein grosses Problem stellt beispielsweise der Food Waste bzw. Food Loss auf dem Feld dar. Um den Anteil der verdorbenen Ernte zu reduzieren, sind sämtliche Technologien ­– auch Pflanzenschutzmittel – nötig. In einem Green Sofa Beitrag auf swiss-food.ch beleuchtet Martin Wiederkehr, Geschäftsführer des Weinbau-Forschungsinstituts in Wädenswil, dieses Thema mit Bezug auf den Rebbau.

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