«Pflanzenschutz ist eine zivilisationstragende Technologie»
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«Pflanzenschutz ist eine zivilisationstragende Technologie»

Synthetische Pflanzenschutzmittel ermöglichten gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Übergang vom Zeitalter der periodischen Hungersnöte zum Zeitalter der Ernährungssicherheit. Für Professor Andreas von Tiedemann von der Universität Göttingen ist deshalb klar: Pflanzenschutzmittel gehören zu den Grundpfeilern einer modernen Gesellschaft.

Freitag, 15. Januar 2021

Im Jahr 1885 wurde in Frankreich zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus zum ersten Mal Kupferkalkbrühe eingesetzt. Es handelte sich dabei um den ersten Einsatz von chemischem Pflanzenschutz und stellte einen Wendepunkt in der Landwirtschaft dar. Von nun an war es möglich, aktiv gegen Schaderreger und Pflanzenkrankheiten vorzugehen.


Beispiellose Produktivitätssteigerung

Sortenverbesserungen, Mineraldüngung, neue Anbau- und Erntetechniken sowie der chemische Pflanzenschutz waren im 20. Jahrhundert die Grundpfeiler für die beispiellose Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft. Seit den 1950er-Jahren konnte eine Vervierfachung der Maisernten, eine Verdreifachung der Reisernte, sowie eine Verdoppelung von Soja und Weizen (pro Flächeneinheit) erreicht werden. Damit war es möglich, eine stark wachsende Weltbevölkerung mit der praktisch gleichen Anbaufläche zu ernähren. Zu Beginn der 1950er-Jahre lebten rund 2,7 Milliarden Menschen auf der Erde, heute liegt ihre Zahl bereits bei über 7,5 Milliarden. Über 60 Prozent der Menschen leben heute in Städten und sind im 2. oder 3. Sektor tätig. Die produktive Landwirtschaft mit ihrem effizienten Ressourceneinsatz ermöglichte somit auch die Industrialisierung und danach die Dienstleistungsgesellschaft.

Professor von Tiedemann: «Pflanzenschutz ist eine zivilisationstragende Technologie, vergleichbar mit der Medizin und den Technologien für Mobilität, Energie und Kommunikation.» (Video: BOKU)

Zwar steigern Pflanzenschutzmittel die Erträge nicht direkt – sie spielen aber bei der Erhaltung der Ernten eine zentrale Rolle. Ohne Pflanzenschutz würden bei den wichtigsten Nutzpflanzen ungefähr zwei Drittel der Ernte verloren gehen. Mit Pflanzenschutz ist es nur noch etwa ein Drittel. Pestizide verringern die Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Ernährungssicherung. Zudem steigert der Pflanzenschutz die Ressourceneffizienz für Wasser-, Nährstoff-, Energie- und Flächenverbrauch.


Pflanzenschutz sichert ein Grundbedürfnis

Auch unsere Versorgung mit Obst wäre ohne Pflanzenschutz stark schwankend. Zudem könnten sich ärmere Schichten nicht mehr regelmässig frische Früchte und Gemüse leisten. Kartoffeln beispielsweise wären nur noch in klimatisch günstigen Jahren verfügbar. Auf Wein, Bier und Kaffee müsste fast komplett verzichtet werden. Zitrusfrüchte oder Bananen könnten kaum mehr produziert werden.

Der Zugang zu Nahrung ist ein Grundbedürfnis und gemäss den Vereinten Nationen ein Menschenrecht. Indem der Pflanzenschutz Erträge sichert, leistet er einen Beitrag zur Ernährungssicherheit. Für von Tiedemann ist klar: «Moderner Pflanzenschutz ist erforderlich zur Sicherung eines Grundbedürfnisses der Menschheit und damit eine zivilisationstragende Technologie, vergleichbar mit der Medizin und den Technologien für Mobilität, Energie und Kommunikation.»

Pestizide für öffentliche Gesundheit fundamental
Im Gegensatz zu den unwissenschaftlichen Behauptungen in Presse und Politik sind Pestizide - wie Impfstoffe, Antibiotika und Wasseraufbereitung - lebenswichtige Hilfsmittel, die uns eine verbesserte Lebensqualität, Nahrungsmittelsicherheit und einen beispiellosen Anstieg der Lebenserwartung von 30 Jahren beschert haben. Zu diesem Schluss kommt S. Eliza Dunn in ihrem Beitrag hier.

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