Pommes-Frites werden knapp

Pommes-Frites werden knapp

Bei den Pflanzkartoffeln droht 2024 ein Engpass. Herrscht ein Mangel an Pflanzkartoffeln, dann können die beliebten Kohlehydratlieferanten auch nicht geerntet werden. Und weil Pflanzkartoffeln in ganz Europa knapp sind, wird auch der Import schwierig. Gemäss Swisspatat sind besonders Frites-Sorten betroffen.

Samstag, 10. Februar 2024

Muss das beliebte Schnitzel mit Pommes bald dem Schnitzel-Brot weichen? Tatsache ist: Nachdem die Kartoffelernten schon seit Jahren mager ausfallen, sind nun 2024 auch die Pflanzkartoffeln knapp, wie der Blick berichtet. Und gemäss der Branchenorganisation der Kartoffelproduzenten Swisspatat dürfte das wohl auch so bleiben. Laut einem Bericht der Bauernzeitung stehen dieses Jahr 30 Prozent weniger Pflanzkartoffeln zur Verfügung. Die Branchenorganisation warnt: «Es wird nicht die ganze Nachfrage befriedigt werden können».

Als Grund für den Mangel nennt Swisspatat die tiefen Erträge im Sommer 2023 und rückläufige Anbauflächen bei den Pflanzkartoffeln. Denn die Anbaubereitschaft sinke. Das stellt auch die Zeitung «Zürcher Bauer» fest. Bei den Annahmestellen haben grosse Mengen von Pflanzkartoffeln wergen Virusbefalls abgewiesen werden müssen. Grund sind fehlende Pflanzenschutzmittel. Diese Tatsache war neben schwierigen Anbaubedingungen schon 2023 verantwortlich für tiefe Ernten im Kartoffelanbau in der Schweiz. So sagte Ruedi Fischer, Präsident der Schweizer Kartoffelproduzenten, bereits im Mai 2023 gegenüber der Zeitung Schweizer Bauer: «Ich habe in 30 Jahren noch nie eine solche Situation erlebt.»


Auch in der EU fehlen Pflanzkartoffeln

Müssten einfach mehr Pflanzkartoffeln importiert werden? Die Branchenorganisation Swisspatat ist skeptisch. Mehr Importe von Pflanzkartoffeln sind kaum möglich. Denn auch in der EU sind die Pflanzkartoffeln knapp, wie ein Interview in deutschen Agrarzeitung TopAgrar zeigt. Bei Pflanzkartoffeln werden die Folgen des Mangels an Pflanzenschutzmitteln deutlich. Für die kommenden Ernten werden virusfreie Pflanzkartoffeln benötigt. Derzeit sind aber nur noch zwei Pyrethroide und ein Flonicamid gegen «Blattläuse als Virusvektoren» zugelassen – neben Paraffinöl.

Zu bedenken ist, dass auch der Öko-Kartoffelbau auf konventionell erzeugtes Pflanzgut angewiesen ist. Wegen der Aberkennung von virusbelasteten Pflanzgutpartien fehlen für die Saison 2024 rund 20 Prozent der in der EU benötigten Pflanzkartoffeln. Der Wirkstoff-Engpass zeigt sich im Übrigen nicht nur bei den Pflanzkartoffeln, sondern im Kartoffelanbau selber. Betroffen sind aber weitverbreitete Feldkulturen wie beispielsweise der Raps- und Obstanbau, wo kaum noch Insektizide zur Verfügung stehen.

Die Kartoffelernten fallen seit Jahren mager aus. Nicht nur in der Schweiz auch in Europa allgemein ist dies der Fall.
Die Kartoffelernten fallen seit Jahren mager aus. Nicht nur in der Schweiz auch in Europa allgemein ist dies der Fall.

Neue Pflanzenkrankheiten

Ein weiteres Problem sind neue Pflanzenkrankheiten. Ein Beispiel ist die Welkekrankheit, welche die Backfähigkeit von Chips-Kartoffeln beeinträchtigt. Aber es mangelt auch an der Motivation der Bauern, Kartoffeln anzubauen. Bereits Mitte 2023 sagte Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, gegenüber der Bauernzeitung: «Ich mache mir grosse Sorgen über die Anbaubereitschaft.» Ein Lichtblick sind robustere Sorten, die weniger anfällig für Pilzerkrankungen sind. Allerdings müssen sich neue Sorten zuerst einmal bewähren. Und sie müssen von den Abnehmern sowie den Konsumentinnen und Konsumenten akzeptiert werden.


Auch Bio betroffen

Gegen Pflanzenkrankheiten im Kartoffelanbau kämpft auch der biologische Landbau. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FibL warnt im Zürcher Bauern: Resistenzdurchbrüche gibt es immer, gerade die berüchtigte Kraut- und Knollenfäule wird sich immer durchsetzen. Um diesen Durchbruch hinauszuzögern, wird im Bio-Landbau ausschliesslich Kupfer empfohlen, wenn auch in reduzierter Dosis. Um dem Mangel an Pflanzkartoffeln auszugleichen, könnten Knollen geteilt werden. Dies wird von Fachleuten allerdings nicht empfohlen. Dann geteilte Kartoffel-Knollen können zu geschwächten Pflanzen führen. Zudem sind die Schnittstellen auch mögliche Eingangstore für Schadorganismen.

Abhilfe durch Genom-Editierung

Zielführender, zeitsparender und effizienter als die langwierige Züchtung resistenterer Kartoffeln auf konventionelle Art ist es, Resistenzgene aus Wildkartoffeln mittels Genom-Editierung einzufügen. Diese hat einen grossen Vorteil: Sie funktioniert mit bekannten Kartoffelsorten, die Konsumentinnen und Konsumenten sowie Lebensmittelverarbeiter bevorzugen. Eine Hürde gibt es allerdings: Damit dieser Ausweg möglich ist, müssen die minimalinvasiven Züchtungsformen in der Schweiz und Europa zuerst einmal zugelassen werden.

Auch Saatgutproduzenten klagen über schlechte Kartoffel-Ernte

Die mangelnden Pflanzkartoffeln waren auch ein Thema an der Delegiertenversammlung der Schweizer Saatgutproduzenten, Swisssem. Deren Präsident beklagte die schlechte Ernte von Pflanzkartoffeln im dritten Jahr in Folge. Er forderte angesichts der schwindenden Anbaubereitschaft eine seriöse Lagebeurteilung, auch wenn Wetter und Klima nicht beeinflusst werden könnten.

Auch beim Getreidesaatgut verzeichnet Swisssmem einen Rückgang von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr, beim Mais lägen die Erträge rund 15 Prozent unter den Erwartungen. Gemäss Schweizer Bauer referierte im Anschluss an die Delegiertenversammlung HAFL-Professor Hans Ramseier über die Geschichte der Pestizide. Angesichts des Staus in der Zulassung steht aber vor allem auch die Zukunft der Pflanzenschutzmittel in Frage.

Angesichts dieser Misere ist es umso wichtiger, dass ein Fokus auf die Zulassung moderner Züchtungsmethoden gerichtet wird. Diese können Pflanzenschutzmittel zwar nie ersetzen (denn die gegen alle Schädlinge und Krankheiten resistente Pflanze wird es nie geben), aber sie können helfen, weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Entsprechend wird Christian Ochsenbein, Direktor von Delley Samen und Pflanzen AG, vom Schweizer Bauer mit der Aussage an der DV zitiert, dass es «robuste, leistungsfähige und standortgerechte Sorten» brauche.

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