Schädlinge bedrohen zunehmend Obst-, Beeren- und Weinernte

Schädlinge bedrohen zunehmend Obst-, Beeren- und Weinernte

Der Obst-, Beeren- und Weinbau wird zunehmend durch Schädlinge wie den Japankäfer, die Fleckenminiermotte und die Mittelmeerfruchtfliege bedroht. Die Produzenten schlagen Alarm – doch es fehlt an Pflanzenschutzmitteln, die den Schädlingen den Garaus machen können.

Mittwoch, 14. Februar 2024

Obst- und Beerenproduzenten sind durch die grosse Anzahl an Schädlingen stark gefordert. Sowohl alte als auch neue Schädlinge machen den Landwirten zu schaffen, wie mehreren Artikeln der Schweizer Zeitschrift für Obst und Weinbau zu entnehmen ist. Ihr Obst oder ihre Beeren sind nämlich beliebtes Ziel der kleinen Parasiten, die ziemlich grossen Schaden anrichten können.

Mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmittel könnten die Schäden, welche die Viecher anrichten, verhindert werden. Das Problem? Pflanzenschutzmittel fehlen an allen Ecken und Enden.


Obstverband forderte Notfallzulassungen

Dass die Ausbreitung der Schädlinge fatale Folgen auf die Ernte von Obst- und Beerenproduzenten haben und nur Pflanzenschutzmittel ihnen den Garaus machen können, zeigt das Beispiel der marmorierten Baumwanze.

Der Schädling, der 2004 in die Schweiz eingeschleppt worden war, hatte sich über die Jahre derart ausgebreitet, dass der Bund 2020 auf Antrag des Obstverbandes temporär Notfallzulassungen von verschiedenen Pflanzenschutzmitteln aussprechen musste, um den Schädling zu bekämpfen. Unter anderem die «Bauern Zeitung» berichtete darüber. Inzwischen kann die Marmorierte Baumwanze dank ihrem natürlichen Gegenspieler, der Asiatischen Schlupfwespe, die das Bundesamt für Umwelt (BAFU) als Neozoen zugelassen hat, gut in Schach gehalten werden. Es ist zu hoffen, dass der nun festgestellte Nutzen der Wespe bei der Bekämpfung von Baumwanzen auch langfristig ein Erfolg ohne unerwünschte Nebenwirkungen bleibt.

Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die Forschung in der Land- und Ernährungswirtschaft, hat damals die entsprechende Bewilligung für den Freilandversuch zur Bekämpfung der Wanze erhalten. Der Schuss hätte jedoch auch nach hinten losgehen können. Nützlinge, die nicht hier heimisch sind, können nämlich genauso grosse Schäden anrichten, wie Schädlinge, die hierzulande zu Hause sind. Der asiatische Marienkäfer, der ursprünglich zur Bekämpfung von Blattläusen eingeführt wurde, ist ein Paradebeispiel dafür. Der Eindringling macht Wein ungeniessbar und bedroht den heimischen Marienkäfer. Damit gehört der asiatische Maienkäfer zu den invasiven Arten, die gemäss UNO-Weltrat für biologische Vielfalt eine grosse Mitverantwortung am Artensterben tragen.


Fleckenminiermotte und Mittelmeerfruchtfliege auf dem Vormarsch

Während sich die Obst- und Beerenproduzenten vor Kurzem noch Sorgen um die marmorierte Baumwanze machten, ist inzwischen jedoch der Japankäfer auf dem Vormarsch. Er wurde in der Schweiz erstmals im Juli 2023 entdeckt und breitet sich seither zunehmend aus. Den Schädling sollte man alles andere als auf die leichte Schulter nehmen: Er kann nämlich über 400 Wirtspflanzen befallen. Unter anderem wegen der starken Ausbreitung von Schädlingen wie dem Japankäfer, gegen die keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, wurde eine Notfallzulassung fällig. Diese häufen sich in letzter Zeit.

Ebenfalls problematisch sind die Fleckenminiermotte und die Mittelmeerfruchtfliege. Die Fleckenminiermotte kann dabei bei einem starken Befall zur Entlaubung von ganzen Obstbäumen führen – und das noch vor der Ernte: «Die Motte kann zwei bis drei Generationen pro Jahr bilden, wobei die Eiablage auf der Blattunterseite erfolgt und die Larve sich im Blatt entwickelt», sagte David Szalatnay von der Fachstelle Obst am Strickhof in Zürich an der diesjährigen Pflanzenschutztagung des Zürcher Obstverbands. Auch die Fleckenminiermotte kann gezielt und nützlingsschonend mit Pflanzenschutz bekämpft werden.

Die Mittelmeerfruchtfliege ist ein weiterer Schädling, der die Landwirte zunehmend auf Trab hält. Diese legt dabei ihre Eier unter die Haut der reifenden Früchte ab. Besonders problematisch sei, dass die Eiablage während der Ernte oft übersehen werde. Speziell an den Larven der Fruchtfliegen ist dabei, dass sie bis zu 16 Zentimeter weit springen können. Da die Mittelmeerfruchtfliege ein wichtiger Schädling in jenen Ländern ist, in denen Zitrusfrüchte angebaut werden, hält sich der Nützling in der Schweiz hartnäckig und taucht hierzulande immer wieder auf. Auch in diesem Fall gibt es in der Schweiz kein Pflanzenschutzmittel, das zur Bekämpfung der Mittelmeerfruchtfliege zugelassen ist.

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