Synthetisch bietet viele Vorteile
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Synthetisch bietet viele Vorteile

Häufig werden synthetische im Vergleich zu natürlich vorkommenden Pflanzenschutzmitteln automatisch als problematisch angesehen. Das ist aber ein Trugschluss. Der Herstellungsprozess alleine lässt keine Aussagen über die Giftigkeit zu.

Mittwoch, 16. September 2020

Das Wichtigste in Kürze:

  • Häufig wird der Begriff "synthetisch" als Gegensatz zu "natürlich" verwendet.
  • Das Natürliche gilt als gesund, das Synthetische als giftig.
  • Diese Formel greift viel zu kurz. Der Herstellungsprozess sagt nichts über die Toxizität eines Wirkstoffs aus.

Vielfach sind synthetische Pflanzenschutzmittel den direkt aus der Natur gewonnenen Mitteln überlegen. In der öffentlichen Wahrnehmung wird verkannt, dass synthetisch hergestellte Mittel – wie bei Medikamenten auch – einige unbestrittene und wichtige Vorteile aufweisen.

Die Möglichkeit, Wirkstoffe synthetisch herzustellen, wirkt sich auch positiv auf die Tierwelt und die Biodiversität aus. Denn damit lässt sich verhindern, dass nützliche Stoffe direkt einem Tier entnommen werden müssen. Das gilt beispielsweise für die im Biolandbau wichtigen Pheromone. Das sind Lockstoffe, mit denen Schadinsekten angelockt werden. Auf «natürliche» Weise müsste man den Wirkstoff aus Millionen von Faltern extrahieren. Gleiches gilt aber auch für andere nützliche Substanzen.

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, produziert der Malaienbär in seiner Gallenblase Ursodeoxycholsäure – ein Inhaltsstoff, der in Medikamenten gegen Gallensteinleiden enthalten ist. Er kann seit Jahrzehnten synthetisch hergestellt werden, ohne dass dafür einem Bären ein Katheter in die Gallenblase gesetzt werden müsste. Die Vorteile der synthetischen Produktion liegen auf der Hand. Trotzdem werden die Bären manchenorts immer noch auf sogenannten «Gallenfarmen» in engen Käfigen gehalten, um ihnen den Stoff «natürlich» entnehmen zu können.


Synthetische Pflanzenschutzmittel sind wirtschaftlich und ökologisch

Wurde eine Substanz entdeckt, welche die gewünschten Eigenschaften zur Bekämpfung von Schädlingen oder Krankheiten besitzt, kommt sofort die Frage nach deren Verfügbarkeit in der Natur auf. Vielfach sind die Substanzen nur mit grossem Aufwand aus der natürlichen Quelle isolierbar, vor allem in den notwendigen Mengen. Gleichzeitig kann die Synthetisierung aber auch die bedeutend nachhaltigere Produktionsart sein: Um zum Beispiel genügend von dem im Biolandbau zugelassenen Insektizid Pyrethrum zu gewinnen, werden Chrysanthemen in grossen Monokulturen und in konventionellem Landbau angepflanzt, vorwiegend in Afrika. Wird dasselbe Insektizid synthetisch hergestellt, kann die Umwelt massiv entlastet werden. Zu guter Letzt können bei der Synthese auch negative Eigenschaften von natürlichen Stoffen für Mensch und Natur eliminiert werden, welche sonst zu Recht eine Zulassung verhindern würden.


Synthetische Pflanzenschutzmittel sind stabil

Viele synthetische Mittel können ihre Wirkung über eine längere Zeit entfalten, weil sie stabile Eigenschaften besitzen und weniger lichtempfindlich sind. Zudem bleiben sie länger an den Pflanzen haften als viele ihrer natürlich vorkommenden Pendants, die sich bei Regen oder Sonne rasch abbauen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die notwendige Anzahl Traktordurchfahrten nimmt teilweise deutlich ab. Mit anderen Worten: So können Natur und Klima geschont werden.


Synthetische Pflanzenschutzmittel sind effizient und sparsam

Die Ausbringungsrate von Pflanzenschutzmitteln pro Hektar ist seit dem Jahr 1950 um 95 Prozent zurückgegangen. Heute kann eine massiv geringere Dosis angewandt werden, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig sind die modernen Stoffe deutlich sicherer. Die durchschnittliche Giftigkeit hat gemäss WHO seit den 1960er-Jahren um 40 Prozent abgenommen. Neu entwickelte Produkte weisen eine immer geringere Verweildauer im Boden auf. So betrug die durchschnittliche Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut wird, in den 1980er-Jahren noch 72 Tage. Diese Zeitspanne konnte für die moderneren Produkte auf 53 Tage reduziert werden.


Synthetische Pflanzenschutzmittel erhöhen Lebensmittelsicherheit und -produktion

Die weltweite Nahrungsmittelproduktion hat sich seit 1960 verdreifacht. Dies, ohne eine massive Ausweitung der Anbauflächen. Das weiterhin zu erwartende weltweite Bevölkerungswachstum bleibt eine grosse Herausforderung für die Nahrungsmittelproduktion. Gerade auch unter Berücksichtigung des Klimawandels sowie der abnehmenden Wasserreserven werden Pflanzenschutzmittel weiterhin einen wichtigen Beitrag leisten, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Das hat auch die UNO erkannt und das Jahr 2020 zum «Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit» erklärt. Ohne synthetisch hergestellte Mittel ist dies undenkbar.

Gut zu wissen

Die Mehrzahl der Pflanzenschutzmittel wird synthetisch hergestellt. Dies gilt auch für viele im Biolandbau zugelassenen Mittel. Doch der Herstellungsprozess alleine lässt noch keine Aussagen zu deren Gefährlichkeit zu. Auch der Umkehrschluss ist falsch: Pflanzenschutzmittel, welche direkt aus der Natur gewonnen werden, sind nicht automatisch unbedenklich. Eine Begriffserklärung rund um die synthetische Herstellung findet sich hier.

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