«Tausende Kinder könnten sterben»

«Tausende Kinder könnten sterben»

Das Verbot von Golden Rice schlägt nach wie vor hohe Wellen. Immer mehr Wissenschaftler melden sich zu Wort und prangen den Entscheid an. Von «alarmierend» zu «Katastrophe» bis zu «sterbenden Kinder» ist die Rede.

Donnerstag, 20. Juni 2024

Das Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen wie Golden Rice auf den Philippinen, welche den Anbau als erstes Land genehmigt hat, löste einen regelrechten Sturm der Entrüstung aus. Wissenschaftler warnten vor katastrophalen Folgen: «Tausende Kinder könnten sterben.»

Dass der Anbau von Golden Rice gestoppt werden soll, lässt aufhorchen. Schliesslich wurde dieser zur Bekämpfung von Vitamin-A-Mangel entwickelt, der in vielen Teilen der Welt eine der Hauptursachen für Behinderungen und Todesfälle bei Kindern ist. Insbesondere in Entwicklungsländern herrscht ein enormer Vitamin-A-Mangel. Schätzungen zufolge sterben jährlich mehr als 100’000 Kinder pro Jahr.


Golden Rice als Lebensretter

Während für Greenpeace, welche das Verbot erwirkt hatte, die Unbedenklichkeit von Golden Rice also nicht erwiesen ist, ist Golden Rice für viele andere also ein Lebensretter.

Die Kritik am Verbot bricht auch jetzt nicht ab: «Die Entscheidung des Gerichts ist eine Katastrophe», sagte Professor Matin Qaim von der Universität Bonn und Mitglied des Golden Rice Humanitarian Board. «Sie widerspricht völlig den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die keinen Beweis für ein Risiko im Zusammenhang mit Goldenem Reis gefunden haben, und wird dazu führen, dass Tausende und Abertausende von Kindern sterben werden.»

In die gleiche Kerbe schlägt Adrian Dubock, ein weiteres Vorstandsmitglied: «Die Situation ist äusserst alarmierend.» Golden Rice sei nie aus Profitgründen angebaut worden. «Es wurde getan, um Leben zu retten.»


«Keinen einzigen Fall von negativen Folgen»

Neben der Wissenschaft stellt sich auch die philippinische Regierung gegen den Entscheid. Diese hat das Verbot bereits angefochten und wird damit vermutlich auch Erfolg haben. Folgenlos wird das Golden Rice-Verbot vermutlich aber nicht bleiben. Länder wie Indien und Bangladesch, in denen Vitamin-A-Mangel ebenfalls ein grosses Thema ist, hatten den Anbau von Golden Rice in Erwägung gezogen, werden das Projekt nun vermutlich aber wieder über Bord werfen.

Eine Entwicklung, die in Anbetracht dessen, dass Golden Rice in Ländern wie Amerika, Australien und Neuseeland als sicher eingestuft wurde, besonders bedauernswert ist.

Da zahlreiche Wissenschaftler neben Golden Rice auch andere transgene Nutzpflanzen bedroht sehen, haben bereits 2016 über 150 Nobelpreisträger einen offenen Brief unterzeichnet, in dem Greenpeace für seine Kampagnen gegen Golden Rice und andere gentechnisch veränderte Pflanzen angegriffen wurde. Darin hiess es, dass Greenpeace «die Risiken, Vorteile und Auswirkungen» gentechnisch veränderter Nahrungspflanzen falsch dargestellt habe und es «keinen einzigen bestätigten Fall von negativen gesundheitlichen Folgen für Menschen oder Tiere» gäbe.

Das Golden Rice-Verbot wird vermutlich wieder aufgehoben. Nichtsdestotrotz wird eine innovative Technologie weiter verzögert, die erwiesenermassen das Potential hat, das Leben Tausender Kinder zu retten und grosses Leid zu verhindern. Anti-Gentech-Kampagne vor Kinderleben – das mutet zynisch an.

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