Vegi-Produkte haben schlechten Ruf bei Konsumenten
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Vegi-Produkte haben schlechten Ruf bei Konsumenten

Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind der Ansicht, dass Vegi-Produkte ungesünder und umweltschädlicher sind als Fleisch. Das zeigt eine Untersuchung der ETH-Zürich. Die ablehnende Haltung schlägt sich auch beim Einkauf nieder. Vegi-Produkte sind nach wie vor Nischen-Produkte.

Freitag, 14. Januar 2022

Im Jahr 2020 kamen mehr als 150 neue Vegi-Produkte auf den Schweizer Markt. Doch ihr Marktanteil lag gerade mal bei 2,3 Prozent. «foodaktuell» berichtet über die Gründe für die Zurückhaltung bei Konsumentinnen und Konsumenten. So haben Forschende des Instituts für Umweltentscheidungen der ETH-Zürich mehr als 500 Personen proteinreiche Lebensmittel wie Fleisch, Käse oder Fleischersatzprodukte bewerten lassen. Die Ergebnisse der Studie werden im Fachmagazin «Food Quality and Preference» veröffentlicht. Laut den Studienautoren um Christina Hartmann bewerteten die Teilnehmenden Fleischersatzprodukte als weniger umweltfreundlich als Fleisch. Dies, obwohl die Produkte gemäss Ökobilanzen meist besser abschneiden als Fleisch.


Unnatürlich und ungesund?

Die Befragten halten Fleischersatzprodukte auch nicht für gesünder. Die Nährwertprofile von tierischen Produkten bewerteten sie als vorteilhafter für die Gesundheit als Tofu, Falafel oder Sojahackfleisch – obwohl die Werte vergleichbar sind. Zudem ist auch die Wahrnehmung bezüglich der Natürlichkeit unterschiedlich. Fleischersatzprodukte wurden als weniger natürlich im Vergleich zu Fleisch, Käse oder Fisch betrachtet. Gemäss Hartmann ein typisches Muster: «Verarbeitete Produkte, die in der Tat weniger natürlich sind, werden gleichzeitig auch für weniger gesund gehalten. Obwohl das nicht unbedingt so sein muss.»


Nutzen von Kennzeichnungen zweifelhaft

Der Kennzeichnung von Lebensmitteln mittels Ampelsystem – wie beispielsweise dem Nutri-Score – steht Hartmann kritisch gegenüber. Bereits jetzt existiere eine fast unüberschaubare Anzahl an Labels, besonders im Nachhaltigkeitsbereich. Die Ausdehnung auf gesundheitliche Aspekte könnte den Einkauf noch unübersichtlicher machen: «Es ist zu bezweifeln, dass alle Konsumenten, über alle Bildungsschichten hinweg, die Kennzeichnung verstehen», sagt Hartmann gegenüber «foodaktuell». Personen, die sich für Umwelt und Gesundheit interessieren, würden sich schon anderweitig informieren. Uninteressierte würde man wohl auch mit einem Label nicht für die Themen begeistern können. Das Fazit der Studienautoren: Die negative Sichtweise der Konsumenten auf Fleischersatzprodukte bleibt eine grosse Herausforderung für Industrie, öffentliche Gesundheit und mehr Nachhaltigkeit bei der Ernährung.

Preis vor (unklaren) Nachhaltigkeitslabeln

Die Label-Verwirrung bestätigt eine repräsentative Umfrage der Swiss Retail Federation, des Verbands der Detailhandelsunternehmen, über das Einkaufsverhalten von Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten: Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, ein Label zu kennen, aber nicht genau zu wissen, wofür es steht. Nur für einen Viertel der Befragten ist das Nachhaltigkeitslabel eines Produktes zudem wichtiger als sein Preis. 38 Prozent gaben an, dass ihr Kaufentscheid ein Zusammenspiel aus Label und Preis sei. 37 Prozent sagten, dass ihnen der Preis wichtiger als ein Nachhaltigkeitslabel sei. Es wäre interessant zu erfahren, ob mehr Transparenz über die Kriterien für sogenannte Nachhaltigkeitslabel das Kaufverhalten beeinflusst.

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