Warum Vertrauen in die Wissenschaft so wichtig ist

Warum Vertrauen in die Wissenschaft so wichtig ist

Es ist essenziell, dass die Gesellschaft Vertrauen in die Forschung hat. Nur so kann sie ihr maximales Potenzial ausschöpfen und schliesslich gesellschaftliche Herausforderungen wie den Klimawandel oder eine Pandemie meistern. Aber es gibt auch kritische Stimmen: Ein Teil der Schweizer Bevölkerung hat wenig oder kein Vertrauen in die Wissenschaft. Wie die Forschung das Vertrauen der Menschen gewinnen kann, darüber haben vier Experten an einer «NZZ Live»-Podiumsdiskussion debattiert.

Montag, 26. Februar 2024

Spätestens die Coronapandemie hat aufgezeigt, wie essenziell die Wissenschaft für unsere Gesellschaft ist. Stecken wir in einer Krise, sind wir auf sie angewiesen. Damit wir aber vollumfänglich von den Erkenntnissen der Forschenden profitieren können, ist es wichtig, dass die Menschen Vertrauen in die Wissenschaft haben.

Genau diesem Thema hat sich die «NZZ Live»-Podiumsdiskussion vom 7. Februar angenommen. Organisiert wurde die Veranstaltung mit dem Titel «Vertrauen wir der Wissenschaft?» von der «NZZ» und dem weltweit tätigen Life-Science-Unternehmen Bayer. Vier Experten haben unter der Leitung von «NZZ»-Wissenschaftsredaktorin Eveline Geiser über die Wichtigkeit von Transparenz bei Forschungsergebnissen, die Rolle der Wissenschaft für die Gesellschaft und die Möglichkeiten zur Stärkung des Vertrauens in die Wissenschaft debattiert.

Anwesend waren Gian Casutt, Leiter Kommunikation ETH-Rat, Monika Lessl, Leiterin Corporate R&D and Social Innovation bei Bayer, Mike Schäfer, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Zürich, sowie Simone Schürle, Ingenieurin im Fachbereich Biomedizintechnik an der ETH Zürich. «Das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die Wissenschaft ist schon relativ hoch und in der Pandemie sogar noch gestiegen», sagte Mike Schäfer. So hätten laut dem Wissenschaftsbarometer Schweiz 2020 rund zwei Drittel der Befragten angegeben, der Wissenschaft stark oder sehr stark zu vertrauen.

Anfang Februar diskutierten an einer «NZZ Live»-Podiumsdiskussion vier Experten über das Thema Vertrauen in der Wissenschaft.
Anfang Februar diskutierten an einer «NZZ Live»-Podiumsdiskussion vier Experten über das Thema Vertrauen in der Wissenschaft.

Experten zufolge schwindet seit der Pandemie das Vertrauen in die Wissenschaft jedoch wieder. Dies könne die öffentlichen Investitionen in die Forschung und schliesslich den Ruf der Schweiz als erfolgreiche Wissenschafts- und Innovationsnation gefährden. Dabei war für Monika Lessl die Pandemiezeit ein Paradebeispiel dafür, wie Wissenschaft funktioniert. «Empfehlungen wurden aufgrund neuer Erkenntnisse laufend angepasst.» Als Grund für das schwindende Vertrauen sehen die Experten den wissenschaftsbezogenen Populismus und die Verbreitung von Falschinformationen. Andere wiederum würden laut Bericht der «NZZ» die Unabhängigkeit der Forschung hinterfragen, da sie teilweise von Dritten finanziert wird. Wiederum andere sorgen sich um die Konsequenzen von Gen- und Zellveränderungen.

Insgesamt waren sich die Experten an der Podiumsdiskussion einig: Die Wissenschaft ist auf das Vertrauen der Gesellschaft angewiesen. Casutt meinte, die Kommunikation müsse die Wissenschaft und ihre Arbeit erklären. Auch für Monika Lessl ist klar, dass das Vertrauen nicht einfach so gegeben ist, sondern immer wieder aufs Neue gewonnen werden muss. «Hier braucht es einen stetigen Austausch zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft», betonte Lessl.

Bayer habe deshalb nun eine öffentlich zugängliche Datenbank geschaffen, in der man nachschauen könne, mit welchen Hochschulen der Konzern zusammenarbeitet und an was sie gerade forschen. So soll Transparenz – und schliesslich Vertrauen geschaffen werden.

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