Weizenproduktion: Hitzewelle in Indien verschärft weltweite Versorgungslage
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Weizenproduktion: Hitzewelle in Indien verschärft weltweite Versorgungslage

Südasien wird derzeit von einer aussergewöhnlichen Hitzewelle heimgesucht. Sie bedroht die Ernten vieler Bauern. Indien hat deshalb einen Exportstopp für Weizen verhängt. Das Land ist der zweitgrösste Weizenproduzent der Welt. Die durch den Ukraine-Krieg angespannte Situation auf den Agrarmärkten dürfte sich damit noch verschärfen.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Indien befindet sich im Griff einer beispiellosen Hitzewelle. Gemäss der «SonntagsZeitung» erlebte das Land den heissesten März seit 122 Jahren – also seit Aufzeichnungsbeginn. Und die Temperaturen sind hoch geblieben. In vielen Bundesstaaten Indiens werden täglich 45 Grad Celsius und mehr erreicht. Aussergewöhnlich ist der frühe Zeitpunkt. Normalerweise werden die höchsten Temperaturen erst im Laufe des Mais oder Junis erreicht. Hinzu kommt die extreme Trockenheit. In den nordwestlichen Landesteilen fiel 72 Prozent weniger Regen als üblich. Und an der Grenze zu Pakistan gab es sogar 89 Prozent weniger Niederschlag.


50 Prozent der indischen Bevölkerung als Landwirte betroffen

Ein Grund für die unüblich hohen Temperaturen ist das Wetterphänomen La Niña. Wie der Atmosphärenwissenschaftler Raghu Murtugudde von der Universität von Maryland gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt, verhindert es die Zufuhr von Feuchtigkeit sowie den Vormonsunregen. Doch auch der Klimawandel trägt seinen Teil zur Hitzewelle bei. Zwischen 1960 und 2009 hat sich die Durchschnittstemperatur in Indien um ein halbes Grad Celsius erhöht. Dies fördert die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hitzewellen. Am gravierendsten ist die Situation für die Bäuerinnen und Bauern. Mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Vielerorts wird das Wasser knapp. In den Bundesstaaten Uttar Pradesh, Haryana und Punjab wird von erheblichen Einbussen bei der Weizenernte berichtet.


Versorgungslage mit Weizen aufgrund des Ukraine-Kriegs bereits angespannt

Das Problem bringt die freie Journalistin Natalie Mayroth gegenüber «SRF» auf den Punkt: «Wenn es schneller heiss ist, dann sind Früchte, die früher reif werden, kleiner. Die Landwirte müssen auch schauen, dass ihnen das Getreide nicht verdorrt.» Auch die «NZZ» schreibt, es gebe erste Hinweise, dass die Bauern in Nordindien rund die Hälfte ihrer Ernten einbüssen werden. Dies führt dazu, dass Indien als weltweit zweitgrösster Weizenproduzent weniger Getreide exportieren kann. Aufgrund des Krieges zwischen Russland und der Ukraine ist die Lage auf den Weltmärkten bereits angespannt. Denn auch diese beiden Länder – sie gehören zu den grössten Weizenproduzenten – werden dieses Jahr deutlich weniger Weizen exportieren können. Die Lebensmittelpreise drohen massiv anzusteigen. Verschiedene Länder importierten in der Vergangenheit fast ihren gesamten Bedarf an Weizen aus Russland oder der Ukraine. Den ärmsten Schichten vieler Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens droht daher Hunger. Auch Indien ist nun von Ernteausfällen betroffen und fällt als Alternative für Importe von Weizen aus.


Indien stoppt Weizenexporte

Wie die deutsche «agrarzeitung» schreibt, ist die Situation so angespannt, dass die indische Regierung einen Exportstopp für Weizen beschlossen hat. Allerdings hält Indien an den bisherigen Exportvereinbarungen fest. Exporte sind auch weiterhin in Länder möglich, die damit ihre Lebensmittelsicherheit sicherstellen. Für Staaten wie zum Beispiel Ägypten sind diese Ausnahmeregelungen überlebenswichtig. Das Land bestellte umgehend 500'000 Tonnen Weizen aus Indien. Trotz der Ausnahmeregelungen führte die Ankündigung des Exportstopps zu einem weiteren Preisschock auf den Agrarmärkten. Wie «20 Minuten» berichtet, ist der Preis für eine Tonne Weizen zwischenzeitlich auf fast 440 Euro gestiegen. Mitte Februar, kurz vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, betrug der Preis noch rund 250 Euro pro Tonne.

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