Honig: 2021 Schlechtestes Erntejahr seit Jahrzehnten
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Honig: 2021 Schlechtestes Erntejahr seit Jahrzehnten

Der kalte Frühling und der nasse Sommer des Jahres 2021 hatten massive Auswirkungen auf Bienen und die Honigproduktion. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erntemengen regelrecht zusammengebrochen. Schweizer Honig ist in den Lebensmittelläden Mangelware.

Freitag, 21. Januar 2022

Die Regale der Detailhändler, in denen eigentlich Schweizer Bienenhonig stehen sollte, sind derzeit leer. Das berichtet die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SRF. Grund dafür waren die miserablen Witterungsverhältnisse des Frühlings und Sommers 2021. Viele Bienenvölker konnten kaum ausfliegen und produzierten als Folge nicht einmal genügend Honig, um sich selbst ernähren zu können. Sie mussten von Imkern mit Zuckerwasser versorgt werden. Die Folge davon ist, dass im Frühjahr 2022 praktisch ausschliesslich importierter Honig erhältlich ist. Die Detailhändler und Imker hoffen auf einen guten Frühling und Sommer, damit sie im Herbst 2022 wieder genügend Schweizer Honig anbieten können.


Erträge drastisch gesunken

Wie die «BauernZeitung» bereits im Herbst 2021 auf Grundlage einer Medienmitteilung von Apisuisse schrieb, gab es 2020 in einigen Kantonen pro Bienenvolk noch stolze 40 Kilogramm Honig (Durchschnitt pro Bienenvolk 2020 bei 29,9 Kilogramm). Im Jahr 2021 ist die Menge gesamtschweizerisch auf 7,2 Kilo pro Bienenvolk gesunken. Wenn das Tessin nicht weitgehend vom schlechten Wetter verschont geblieben wäre, wären die Erntemengen noch niedriger ausfallen. Als Grund für die miserable Ernte sieht auch Apisuisse das Wettergeschehen vom Frühling bis zum Spätsommer.


Eisiger Frühling, nasser Sommer

Der Frühling begann kalt und an einigen Orten sogar eisig. Die Bienen konnten aufgrund des schlechten Wetters nicht ausfliegen. Das setzte sich den ganzen Mai bis zum Frühsommer fort. Im Juli und August sorgten Starkregen, Hagel und Überschwemmungen dafür, dass die Bestäubung von Wiesenblumen und Obstbäumen nicht auf Touren kamen. Imker mussten ihre Bienenvölker füttern, um sie vor dem Verhungern zu bewahren. Zu allem Übel fiel durch die Hagelzüge und den starken Regen auch die Waldtracht aus.


Auswirkungen auf Obstbestäubung

Von der verminderten Bienenaktivität waren auch die Obstbauern betroffen. Weil die Bienen – wie auch die weiteren Bestäuber: Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge – fast keine Gelegenheit hatten auszufliegen und zu bestäuben, fiel auch die Zwetschgen- und Kirschenernte mager aus. Die Befürchtungen von Apisuisse, dass es zu leeren Honigregalen kommen könnte, haben sich nun bewahrheitet. Zwar dürften einige Imker noch Vorräte aus dem Rekordjahr 2020 haben. Doch die Preise derselben werden aufgrund der Knappheit für Konsumentinnen und Konsumenten wohl steigen. Bereits im November 2021 berichtete «20 Minuten», dass Schweizer Honig in gewissen Filialen der Grossverteiler bereits nicht mehr erhältlich sei.

Gewusst?

Durch viele Medienberichte und Filme sind die Bienen und die Bienenhaltung in den letzten Jahren sehr populär geworden. Einerseits ist das erfreulich. Andererseits hat das auch dazu geführt, dass vermehrt Leute in die Imkerei einsteigen, welche nach kurzer Zeit dieses Hobby wieder aufgeben müssen, da sie die Voraussetzungen nicht erfüllen können. Denn Bienenhaltung erfordert Zeit und Fachwissen, zum Beispiel für den Umgang mit verschiedenen Bioziden zur Bekämpfung der Hauptfeindes des Schweizer Honigbiene, der Varroa-Milbe. Denn es gilt Bienenvergiftungen durch Fehlanwendung zu verhindern oder Rückstände im Honig durch nicht zugelassene Biozide. Mit bienen.ch bieten die Imkerorganisationen eine Plattform, auf der alle wichtigen Informationen zur Bienenhaltung an einem Ort gebündelt sind.

Jeder kann etwas für die Bestäuberinsekten tun

Um Insekten zu fördern, braucht es entsprechende Flächen mit genügend Nahrungsquellen. Hier leisten die Schweizer Landwirte einen wertvollen Beitrag. Sie haben in den vergangenen Jahren den durchschnittlichen Anteil der Biodiversitätsförderflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf über 18 Prozent erweitert. Dies stellt einen internationalen Spitzenwert dar. Hand aufs Herz: Wie gross ist der Anteil von Biodiversitätsflächen in Privatgärten? Diese Durchdringung wäre wichtig. Biodiversität lebt von Vernetzung. Denn auf diesen Flächen finden Insekten besonders viele wertvolle Pflanzen- und Blumenbestände. Und Kulturen wie Raps, die relativ viele Pestizide benötigen, sind beliebte Trachtpflanzen und bieten den Bienen Nahrung.

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