Wenn Bio-Produkte giftig sind

Wenn Bio-Produkte giftig sind

Reflexartig schreckt das Publikum vor Pestiziden zurück. Doch natürliche Gifte sind für Menschen sehr oft viel gefährlicher. Paradoxerweise können gerade Pflanzenschutzmittel die Gesundheit von Menschen schützen. Wird bei der Bekämpfung von Schimmelpilzen im Weizen auf Pestizide verzichtet, kann der Konsum für Mensch und Tier tödlich sein. Besonders in Afrika ist das ein grosses Problem.

Donnerstag, 20. Februar 2020

Das Wichtigste in Kürze:

  • Pestizide werden in der öffentlichen Debatte gerne als giftig dargestellt.
  • Tatsache ist: Gerade der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel kann Folgen für die Gesundheit haben.
  • Ohne Pflanzenschutz können beispielweise krebserregende Schimmelpilzgifte über die Nahrung aufgenommen werden.

Gewisse natürliche Schimmelpilze sind für Mensch und Tier tödlich. In Nutzpflanzen wie Weizen, Reis und Mais werden relativ oft sogenannte «Aflatoxine» gefunden. Sie können ganze Ernten zerstören, wenn auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wird. «Science 2.0» beleuchtet am Beispiel von Afrika ein Paradox: Dass Bio-Anbau – entgegen von unserem spontanen Gefühl – eine Gefahr für die Menschen darstellen kann.


So giftig wie ein Skorpion

Aflatoxin ist ein Abfallprodukt – ein sogenannter «Metabolit» – von Schimmelpilzen. Die Giftigkeit von Alfatoxin ist vergleichbar mit Quecksilberchlorid, Cyanwasserstoff und Chlorotoxin. Chlorotoxin ist das Gift des Skorpionstichs – das illustriert die Gefahr. Die Ausbreitung von Aflatoxin wird durch nasses Wetter, Insektenschäden und falsche Lagerung gefördert. So kann zum Beispiel das Volksheilmittel und Gewürz Kurkuma ohne Pestizide eine hohe Dosis natürlicher Gifte enthalten. Auch Mais, Weizen, Reis und Ölsaaten wie Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse sowie Gewürze wie Chilischoten, Koriander oder Ingwer sind davor nicht sicher.


Gefahr für Afrika

In westlichen Ländern nahm die Nachfrage nach Bio-Produkten in den letzten Jahren laufend zu. Der Autor kritisiert in seinem Beitrag, dass Afrika unter Druck gesetzt wird, auf die einzigen Gegenmittel zu verzichten, die gegen Aflatoxine wirken: Pestizide und genmanipulierte Pflanzen. Dafür zahle die lokale Bevölkerung einen hohen Preis. In Drittweltländern fehle es an Ressourcen, die Aflatoxinwerte laufend zu kontrollieren. So kommen laut einer Studie aus dem Jahr 2017 mehr als fünf Milliarden Afrikaner und Südasiaten mit unkontrollierten Konzentrationen von Aflatoxin in Kontakt. Folglich sind in ganz Afrika mehr Menschen einer potenziell tödlichen Aflatoxindosis ausgesetzt als den tödlichen Krankheiten Malaria und Tuberkulose. Jährlich sterben mehr als 26’000 Afrikaner südlich der Sahara an Leberkrebs wegen dem Aflatoxingehalt von Nutzpflanzen.

Der Autor bezeichnet die Haltung von Pestizid-Gegnern als Paradox: Sie wollen Bio-Produkte, doch genau diese bergen eine viel grössere Gefahr als die Pestizide selbst. Der Verzicht auf Pestizide im Fall von Aflatoxin gefährde mehr Menschen als ihr Einsatz.

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