Wie ein Start-up seine Erfindungen schützt
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Wie ein Start-up seine Erfindungen schützt

Das Thema Fleischersatz ist auch in der Schweiz in aller Munde. Ganz vorne dabei unter den Herstellern ist das Schweizer Start-up Planted. Der Erfolg basiert auch auf dem konsequenten Schutz des geistigen Eigentums.

Montag, 8. August 2022

Konsumenten machen sich verstärkt Gedanken um Fleischalternativen. Sie möchten aus ethischen Gründen und/oder Umweltbedenken den Konsum einschränken oder komplett verzichten. Als Alternative bieten zahlreiche Hersteller Fleischersatz an. Die veganen Produkte des ETH-Spin-off Planted basieren auf Erbsen und sollen dem Original besonders nahekommen. Offenbar erfolgreich: Das Start-up gewinnt einen Preis nach dem anderen und expandiert in andere Länder. 2021 wurde Planted zum Schweizer Start-up des Jahres gewählt.


Schutz der Erfindungen mit System

Von der ersten Idee bis zum marktreifen Produkt haben alle bei Planted viel Zeit, Geld und Herzblut investiert. Planted hat schnell erkannt, dass ein Baustein des Erfolgs der systematische Schutz der Produktinnovationen ist. «Geistiges Eigentum hatte von Anfang an eine hohe Priorität. Daran hat sich nichts geändert», sagt Judith Wemmer, Leiterin Produktentwicklung und IP-Verantwortliche bei Planted. Wer innovativ ist, ist eben nicht nur bei den Konsumenten begehrt, sondern macht auch Mitbewerber auf sich aufmerksam. Marken, Patente und andere Schutzmöglichkeiten halten Trittbrettfahrer auf Distanz – man behält die Kontrolle über seine Innovationen.

Letztlich geht es auch um wirtschaftliche Fakten. «Potenzielle Investoren wollen wissen, ob ein Start-up Schutzrechte besitzt», weiss Judith Wemmer aus Erfahrung. Geldgeber sehen in geschützten Innovationen einen wichtigen Vermögenswert. «Unsere IP-Strategie soll uns vor allem ermöglichen, dass wir weiterhin innovative Produkte produzieren und auf den Markt bringen können. Das steht an erster Stelle, um unsere Vision zu erreichen: Wir möchten Lebensmittel anbieten, die in allen Dimensionen besser sind als tierisches Fleisch».

Der Hauptsitz von Planted befindet sich in Kemptthal. Dort, wo einst der Maggie-Gründer seine Fabriken errichtete. Bild: Planted
Der Hauptsitz von Planted befindet sich in Kemptthal. Dort, wo einst der Maggie-Gründer seine Fabriken errichtete. Bild: Planted

«Nutzen Sie die Begleitete Patentrecherche»

Auf dem Weg zum Schutz ist die Beschaffung von Informationen ein zentraler Bestandteil. Wissen ist Macht, erst recht in der Wirtschaftswelt. Judith Wemmer nutzt regelmässig die Begleitete Patentrecherche des IGE. «Bei Projekten möchten wir schnell erfahren, wer im Markt dasselbe tut und auf welchen Gebieten bestimmte Technologien bereits im Einsatz sind», sagt sie. Die Antworten finde man in den Datenbanken der Patentschriften. Sie erfährt, wie sich eine Technologie im Markt weiterentwickelt und ob eine geplante Erfindung neu und somit patentierbar ist. «Nutzen Sie die Begleitete Patentrecherche. Sie hat uns stets wertvolle Erkenntnisse geliefert», sagt Judith Wemmer. Der nächste Recherchetermin ist bereits geplant. «Planted bleibt dran», sagt Patentexpertin Sibilla Delorenzi, spezialisiert auf Lebensmitteltechnologien. Sie unterstützt Judith Wemmer seit der ersten Recherche. Es sei (noch) nicht selbstverständlich, dass sich ein Start-up so früh mit dem Schutz des geistigen Eigentums auseinandersetze. Planted sei hier ein Vorbild.


Patente und Geheimnisse

Wo dies möglich ist und in die Strategie passt, meldet Planted Erfindungen zum Patentschutz an. Ein weiteres Element sind Geschäftsgeheimnisse (Trade Secret): Bei traditionellen Produktionsverfahren, speziell in der Lebensmittelindustrie, sind die Details des Verfahrens oft ein gut gewahrtes Geschäftsgeheimnis. So hat zum Beispiel auch Coca-Cola die Rezeptur für sein Getränk geschützt. Die Schutzstrategie umfasst schliesslich auch die Marke Planted. Damit hebt man sich von den Mitbewerbern ab und hält Trittbrettfahrer auf Distanz. Das Branding ist das Gütesiegel, wofür das Unternehmen steht. Wer dies hegt und pflegt, schafft einen enormen Wert.


Fazit

Marken, Patente, Trade Secret und die laufende Recherche in der Patentliteratur: Planted hat eine Schutzstrategie entwickelt, die auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten ist. Ein Satz widerspiegelt auch die Lust, welche Judith Wemmer am Thema geistiges Eigentum hat: «Ich liebe das Thema Patente», sagt die IP-Managerin voller Überzeugung.

Erstveröffentlichung

Dieser Artikel erschien als Erstveröffentlichung am 4. Mai 2022 auf der Website des Instituts für Geistiges Eigentum unter dem Titel: "Mit Strategie zum Erfolg: Wie ein Schweizer Startup seine Erfindungen schützt".

Land der Erfinder

Patente spielen beim Schutz von Erfindungen eine entscheidende Rolle. Und was Erfindungen angeht, ist die Schweiz einsame Spitze. In keinem Land werden pro Kopf mehr Patente angemeldet. Der Schweizer Erfindergeist hat Tradition. Seit dem 19. Jahrhundert gehen viele weltbekannte Produkte auf das Konto von Erfindern oder Firmen, die in der Schweiz forschten. Dazu zählen etwa: Die Alufolie, Zellophan, Würfelzucker, Sackmesser, Klett- und Reissverschluss, Nescafé, Merfen oder Cortison, um nur einige zu nennen. In der Schweiz ist das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) für die Erteilung von Patenten zuständig. Interessanter Fakt: Von 1902 bis 1909 arbeitete der Physiknobelpreisträger Albert Einstein am IGE, wo er gemäss eigenen Angaben seine «schönsten Gedanken ausgebrütet» hat. In dieser Zeit entwickelte er seine spezielle Relativitätstheorie.

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