Zehn Gründe für den Einsatz von Pestiziden
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Zehn Gründe für den Einsatz von Pestiziden

Pflanzenschutzmittel und Biozide haben sich bewährt. Sie ermöglichen nicht nur eine regionale Produktion von Lebensmitteln, sondern begrenzen auch «Food Loss» und «Food Waste». Pestizide schützen Mensch, Tier und Pflanze vor Krankheiten und Schädlingen – vom Feld über die Verarbeitung bis ins Ladengestell.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Das Wichtigste in Kürze:

  • Pestizide schützen Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen.
  • Sie verhindern Ernteverluste und ermöglichen eine ressourceneffiziente Produktion von Nahrungsmitteln.
  • Dies hilft auch der Umwelt sowie dem Klima.

Ohne Pestizide ist die regionale Produktion gefährdet, die Importe steigen. Zu den Pestiziden gehören auch Biozide, die in der Tierhaltung und entlang der Verarbeitungskette Schädlinge bekämpfen oder als Reinigungs- und Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen. Der verantwortungsvolle Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden hat viele Vorteile.


1. Ohne Pestizide keine regionale Produktion

Die Produkte der Schweizer Landwirtschaft sind hochgeschätzt. Würden die Schweizer Bauern ihre Produkte nicht gegen Schädlinge und Krankheiten schützen, könnten sie das Bedürfnis nach regionalen Produkten nicht erfüllen. Die angebotene Menge würde stark sinken, die Abhängigkeit von Importen steigen. Zudem würde die Qualität der angebotenen Produkte leiden, die Lebensmittelsicherheit nimmt ab. Auch aus Umweltgründen entwickelt Pflanzenschutz einen beträchtlichen Nutzen: Lange Transportwege durch Importe werden vermieden. Auch vermindert professioneller Pflanzenschutz die Bodenerosion und senkt im Vergleich zur erzeugten Menge den CO2-Ausstoss. Eine nachhaltige, regionale Produktion braucht Pflanzenschutz. Mit laufenden Innovationen und mit der sorgfältigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können negative Auswirkungen auf die Umwelt verhindert werden.


2. Ohne Pestizide höhere Preise

Ohne Pflanzenschutz sinkt der Ertrag. Bei gleichbleibender Nachfrage steigt somit der Preis der regionalen Landwirtschaftsprodukte. Betroffen sind nicht nur Gemüse und Früchte, sondern auch andere Lebensmittel des täglichen Bedarfs – beispielsweise Brot und Teigwaren. Heute sind Bio-Produkte rund 50 Prozent teurer als Produkte aus integrierter Produktion. Die Konsumentinnen und Konsumenten können frei wählen. Das ist richtig so: Wer Bio will, soll Bio zahlen. Doch bei einem generellen Verbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist auch die Bio-Produktion betroffen. Denn auch in der Bio-Produktion werden synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Zudem können Bio-Pestizide Schwermetalle wie Kupfer enthalten, die sich im Boden nicht abbauen. Ohne Pflanzenschutzmittel verteuern sich alle Produkte. Besonders betroffen von den Preissteigerungen sind Familien mit tiefen Einkommen und der Mittelstand. Pflanzenschutzmittel garantieren ein regionales Angebot zu erschwinglichen Preisen für alle.


3. Ohne Pestizide mehr Klimaschäden

Der verantwortungsvolle Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat viele ökologische Vorteile. Es ist nicht im Interesse der Natur, wenn sich Schädlinge, Unkräuter und Pflanzenkrankheiten ungehindert ausbreiten. Unbestritten ist der Klimawandel eine der grössten umweltpolitischen globalen Herausforderungen. Wichtig zur Bekämpfung des Klimawandels ist die Reduktion des CO2-Ausstosses. Zwar können durch eine Extensivierung oder die Umstellung auf biologischen Landbau die Treibhausgasemissionen zum Teil reduziert werden. Doch die Sache hat einen Haken: Weniger Ertrag bedeutet mehr Fläche. So schneidet punkto CO2-Ausstoss biologischer Landbau schlechter ab als die konventionelle Landwirtschaft, wenn die Treibhausgasemissionen auf die produzierte Einheit, beispielsweise eine Tonne Weizen, bezogen werden. Ackerbau ohne Herbizide erfordert mehr mechanische Bearbeitung (höherer Energieverbrauch, mehr Erosion) und zudem gibt der bearbeitete Boden mehr CO2 frei. Weil der Ertrag von Bio im Schnitt um 25 Prozent geringer ausfällt, muss eine grössere Fläche bearbeitet werden, was wiederum den CO2-Ausstoss erhöht. So zeigen beispielsweise Untersuchungen aus Deutschland: Inklusive der indirekten Treibhausgasemissionen setzt der biologische Landbau etwa 147 kg CO2-Äquivalente je produzierter Getreideeinheit um. Der konventionelle Landbau hingegen kommt gerade mal auf etwa einen Viertel dieses Niveaus (34 kg CO2-Äquivalente). Diese Zusammenhänge verdeutlichen: Moderne Pflanzenschutzmittel leisten einen Beitrag gegen den Klimawandel.


4. Ohne Pestizide mehr Importe

Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen von einem Ertragsrückgang bis 40 Prozent aus, wenn kein moderner Pflanzenschutz betrieben wird. Diese Schätzungen gelten auch für die Schweiz. Bei Spezialkulturen wie Reben, Obst, Kartoffeln und Gemüse müsste mit Totalausfällen gerechnet werden. Pflanzenschutzmittel tragen nicht nur dazu bei, höhere Erträge zu erreichen, sie vermindern auch Ernteausfälle bei Vorverarbeitung, Transport und Lagerung, wo zusätzliche Verluste von bis zu 40 Prozent auftreten können. Ohne Pflanzenschutz meldet sich die Schweizer Landwirtschaft aus der Produktion ab. Die Abhängigkeit von ausländischen Nahrungs- und Futtermittelimporten steigt. Mit wirksamen Pflanzenschutzmitteln schaffen es unsere Landwirte, ihre Ernten zu schützen und regionale Lebensmittel in hoher Qualität anzubieten.


5. Ohne Pestizide mehr «Food Waste»

Konsumentinnen und Konsumenten wollen hochwertige Produkte aus der Region. Gemüse und Früchte sollen qualitativ einwandfrei sein. Denn das Auge kauft mit: Wenn die Lebensmittel schon im Laden einen tristen Eindruck machen, werden sie nicht gekauft. Auch sind einwandfreie Produkte besser haltbar. Nahrungsmittel mit Pilzbefall dürfen aus Gründen der Lebensmittelsicherheit weder verarbeitet noch verkauft werden. Unbehandelte Produkte verlieren Form, Farbe und Geschmack, werden in Kürze ungeniessbar und landen im Abfall. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert den unethischen «Food Waste». Pflanzenschutzmittel sind unerlässlich, damit Gemüse und Früchte gesund in den Laden kommen. Sie garantieren qualitativ hochwertige Lebensmittel.


6. Ohne Pestizide weniger Qualität

Wer will schon Äpfel mit Schorf, faule Kartoffeln, Beeren mit Würmern und Insekten und Schnecken im Salat? Konsumentinnen und Konsumenten wählen beim Kauf Produkte von einwandfreier Qualität. Sie sollen gesund und ohne Schädlinge in den Laden kommen. Dies ist nur mit gezieltem Pflanzenschutz möglich. Nur mit dem Einsatz von modernen Pflanzenschutzmitteln ist es möglich, das Qualitätsniveau unserer landwirtschaftlichen Produkte zu garantieren und zu halten. Ohne Pflanzenschutz sinkt die Qualität und Haltbarkeit der angebotenen Ware. Das gilt genauso für Bioprodukte. Auch Biobauern spritzen: Rund 40 Prozent der in der Schweiz verkauften Pflanzenschutzmittel sind für den Biolandbau zugelassen, Tendenz steigend. Pflanzenschutzmittel und Biozide garantieren qualitativ hochwertige regionale Lebensmittel.


7. Ohne Pestizide weniger sichere Lebensmittel

In Medien und Öffentlichkeit wird oft ein falsches Bild gemalt. Es ist von gefährlichen Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in den Lebensmitteln die Rede. Es werden Risiken beschworen. Tatsache ist: Pflanzenschutzmittel sind bei richtiger Anwendung sicher. Sie werden vor ihrem Einsatz auf Herz und Nieren geprüft. Ihre Auswirkungen auf Menschen und Umwelt werden sorgfältig eruiert. Grenzwerte werden mit grossen Margen festgelegt. Menschen müssten Lebensmittel in riesigen Mengen zu sich nehmen, um ihre Gesundheit zu gefährden. Mit heutigen Messmethoden lassen sich geringste Spuren nachweisen, die für die Gesundheit mit Sicherheit keine Relevanz haben. Ohne Pflanzenschutz kann das Erntegut potenziell gefährliche Kontaminationen enthalten. Beispiele sind Mykotoxine (Pilzgifte) oder das Miternten giftiger Unkräuter. Mit Pflanzenschutz kann verhindert werden, dass Baby-Tees krebserzeugende Unkräuter oder giftige Schwermetalle enthalten. Auch Biozide wie Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind für eine hygienische Lebensmittelverarbeitung unabdingbar. Der Einsatz von Bioziden im Lebensmittelsektor trägt wesentlich dazu bei, Verluste von bereits geernteten landwirtschaftlichen Gütern, Nahrungsmittelgrundstoffen, aber auch Futtermittel zu reduzieren und die Hygiene entlang der Verteilungsketten bis zum Verbraucher sicherzustellen. Biozide wirken dem vorzeitigen Verderben und der Kontamination mit unerwünschten Mikroorganismen und Krankheitserregern sowie Schädlingen entgegen. Sie dienen der Lebensmittelsicherheit. Ohne Biozide käme es auch zu einem erheblich grösseren Verlust an Lebensmitteln. Nicht zu vergessen sind hier sämtliche Wasserversorgungen der Schweiz: Ohne den zumindest periodischen Einsatz von Bioziden kann die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser in der Schweiz nicht jederzeit realisiert werden. Angesichts der Bedeutung der Biozide für die Lebensmittelsicherheit, wäre es fahrlässig, den Einsatz von Bioziden in der Verfassung zu verbieten.


8. Ohne Pestizide keine regionalen Spezialitäten

Die Schweiz verfügt über gute Böden. Doch manchmal kann die Witterung den Bauern einen Strich durch die Rechnung machen. Schädlinge vermehren sich explosiv, Unkräuter spriessen. Gerade bei Spezialkulturen wie Obst-, Gemüse- und Weinbau kann es je nach Jahr ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu Totalausfällen bei der Ernte kommen. Beispielsweise gäbe es ohne den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kaum Schweizer Wein. Tatsache ist: Sowohl im Biolandbau als auch im konventionellen Weinbau werden in unseren Breitengraden Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz wird es beim Rapsanbau schwierig, weshalb nur zwei Prozent des Rapsanbaus in der Schweiz auf biologischen Pflanzenschutz setzt. Insgesamt gilt: Wer regionale Produkte aus der Schweiz will, kann Pflanzenschutzmittel nicht völlig ablehnen. Denn ohne Pflanzenschutz in der Schweiz drohen massive Einbrüche in der regionalen Produktion.


9. Ohne Pestizide sinkt der Selbstversorgungsgrad weiter

Der Nettoselbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Produkten liegt in der Schweiz bei 51 Prozent. Durch eine starke Reduktion oder den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel gehen die Erträge der Schweizer Landwirtschaft massiv zurück. Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz sinkt. Bei Speisekartoffeln rechnet man mit einer Einbusse von 40 Prozent, bei Winterweizen mit einer Einbusse von 35 Prozent und bei Zuckerrüben liegt der Ertrag bei einem Verzicht auf konventionelle Pflanzenschutzmittel ebenfalls rund 40 Prozent tiefer. Die fehlenden Nahrungsmittel müssen importiert werden. Das heisst: In der Schweiz geht Wertschöpfung verloren. Zudem sind aus ökologischer Sicht importierte Lebensmittel fragwürdiger als regionale Produkte. Denn bei regionalen Produkten entfallen Transportwege.


10. Ohne Pestizide haben Schweizer Bauern keine Zukunft

Für den Landwirt sind Pflanzenschutzmittel eine grosse Unterstützung bei der Produktion von Lebensmitteln. Sie helfen ihm, eine gute Ernte zu erreichen. Dadurch steigt das landwirtschaftliche Einkommen. Die Bauern sehen eine Zukunft und der Bauernberuf bleibt für junge, motivierte Landwirte attraktiv. Sie können einen tatsächlichen Beitrag mit einer erfolgreichen, qualitativ hochstehenden Nahrungsmittelproduktion leisten. Ohne Pflanzenschutzmittel sinken die Einkommen der Bauern massiv. Zur Kasse gebeten werden letztlich auch Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, sowie Konsumentinnen und Konsumenten.

Grosse Herausforderungen

Die Herausforderungen für die Landwirte, auf nachhaltige Art und Weise genügend sichere und erschwingliche Nahrungsmittel zu produzieren, sind gross. Alain Gaume, Leiter Forschung Pflanzenschutz bei Agroscope gibt einen Überblick und skizziert Lösungsansätze.

Herausforderungen für den Pflanzenschutz durch Globalisierung und Klimawandel (Agroscope).

«So wenig wie möglich – so viel wie nötig»

Pestizide bergen bei unsachgemässer Anwendung Risiken. Sie müssen professionell eingesetzt werden, sonst können Gewässer und Böden belastet werden. Die professionelle Anwendung steht unter dem Motto «so wenig wie möglich, so viel wie nötig». In der Öffentlichkeit dominiert jedoch ein simples Schwarz-Weiss-Denken: Bio ist gut, chemische Pflanzenschutzmittel sind schlecht. Die Wirklichkeit ist komplexer. Verantwortungsvoller Pflanzenschutz lässt sich nicht in einfache Schemen pressen. Die Kupferprodukte, die Biobauern gegen die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln einsetzen, sind synthetisch hergestellt und enthalten Schwermetalle, die sich im Boden anreichern und giftig sind für Regenwürmer. Sie haben zudem das Potenzial, Gewässer zu gefährden. Doch auch die konventionelle Alternative Cyazofamid kann Gewässer gefährden. Allerdings baut sich das konventionelle Pflanzenschutzmittel im Gegensatz zum biologischen Mittel ab. Letztlich gibt es keine einfachen Antworten. Die regionale Produktion von Lebensmitteln braucht auch in Zukunft Schutz. Unabdingbar ist die sorgfältige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Tatsache ist: Es handelt sich um Produkte intensiver Forschung, die einen strengen Zulassungsprozess durchlaufen haben. Biozide und Pflanzenschutzmittel sind unverzichtbar.

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