Zu wenig Chabis für Sauerkraut
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Zu wenig Chabis für Sauerkraut

Nach Hagel und Nässe fehlt den Sauerkraut-Herstellern der einheimische Weisskohl. Einzelne Produzenten sprechen von Ausfällen zwischen 35 und 40 Prozent, wie «Watson» berichtet. Wie gross der Ernteausfall insgesamt sein wird, lässt sich noch nicht abschliessend sagen, da die Ernte noch im Gang ist. Aber jetzt schon steht fest: dieses Jahr ist für viele Gemüsebauern «en Chabis».

Dienstag, 19. Oktober 2021

Nein, es ist «kein Kohl», aber «en Chabis»: Die Berner Platte oder das Schüüfeli müssen dieses Jahr wohl vielerorts ohne Schweizer Sauerkraut auskommen. Der Hagelsturm von Ende Juni hat insbesondere im Berner Seeland grossen Schaden angerichtet. Nach dem Hagel kam die Nässe, die dazu führte, dass der Kohl auf den Feldern verfaulte und nicht nachgesät werden konnte. Schweizer Weisskohl ist daher rar. Hersteller erwarten, Weisskohl aus dem Ausland einkaufen zu müssen.

Ein Unternehmen aus dem Berner Seeland rechnet mit 35 – 40 Prozent Ernteausfall. Es stellt seit über hundert Jahren Sauerkraut her. Dass die Kabisernte dieses Jahr schlechter ausfällt als in anderen Jahren, bestätigt auch Markus Waber, stellvertretender Direktor des Verbands Schweizer Gemüseproduzuenten (VSGP) gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA : «Einige Gebiete erwischte es ziemlich stark mit Hagel.» Wie gross der effektive Ernteausfall sein wird, lässt sich noch nicht abschliessend sagen, da die Ernte teilweise noch im Gang ist.

Schlechtes Erntejahr 2021
Das Jahr 2021 hinterlässt in praktisch allen Kulturen Spuren in Form von Ernteverlusten und Totalausfällen. Besonders betroffen sind Weinbau und Obstbau, wo starke Hagelschläge einen Grossteil der Früchte zerstörten. Hinzu kam jedoch auch Staunässe auf den Feldern und der starke Druck von Pflanzenkrankheiten. Mehltau sowie Kraut- und Knollenfäule konnten sich aufgrund der feuchtnassen Bedingungen besonders gut ausbreiten. Um die Kartoffeln einigermassen vor der Kraut- und Knollenfäule zu schützen, waren Bauern auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen. Ohne diese Mittel wäre es wohl auch im Kartoffelbau zu Totalausfällen gekommen. Vor 150 Jahren zerstörte die Pilzkrankheit ganze Jahresernten und führte zu schrecklichen Hungersnöten, die in Irland eine Million Todesopfer (bei damals 8 Millionen Einwohnern) forderte und eine Massenemigration auslöste. Der nasse Sommer 2021 hätte in früheren Generationen – wo keine wirksamen Pflanzenschutzmittel vorhanden und Importe nicht möglich waren – wohl ebenfalls zu einer Hungersnot geführt. Dies just in dem Sommer, in dem zwei Volksinitiativen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbieten oder den Nicht-Einsatz und damit den Food Waste auf dem Acker finanziell belohnen wollten. Eine aktuelle Untersuchung von Agroscope bestätigt einmal mehr: Ein Totalverzicht auf Pflanzenschutzmittel würde Ernteausfälle von bis zu 47 Prozent mit sich bringen. Das hiesse: Mehr Importe, dort wo Importe möglich sind. Wo kein Ersatz beschafft werden kann, kommt Zweitklass-Ware in die Regale oder sie bleiben leer. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet Verknappung auch höhere Preise.

Auch Lagergemüse wird knapp
Nicht nur bei Chabis gab es diesen Sommer grosse Ernteausfälle. Aufgrund des schlechten Wetters verzögerte sich auch der Anbau von Lagergemüse wie Karotten oder Zwiebeln. Bis im nächsten Frühling wird einheimisches Lagergemüse deshalb wohl ein rares Gut sein.

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