«Züchtungsforschung wird eingefroren»
Das um vier Jahre verlängerte Moratorium würde auch die Weiterentwicklung der bisher vom Gentechnikgesetz ausgenommenen Mutationszüchtung betreffen. «Die Methoden, welche uns dann noch zur Verfügung stünden, sind definitiv ein Rückschritt in die Vergangenheit. Unsere Züchtungsforschung wird damit eingefroren», sagt Eva Reinhard, Leiterin Agroscope.
Publiziert: 11.10.2021, 08:53 Uhr | Aktualisiert: 26.10.2021, 10:17 Uhr
«Warum ein natürlich vorkommender Prozess plötzlich gefährlich werden soll und streng reguliert werden muss, nur weil er vom Menschen beschleunigt wird, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar», sagt auch Jan Lucht, Leiter Biotechnologie beim Wirtschaftsverband Scienceindustries gegenüber der Online-Ausgabe des Nebelspalters vom 7. Oktober. Die Unterstellung der Epibreed-Produkte unter das Gentechnikrecht sei «absurd».
Die Genschere ermöglicht Mutationen, die sich nicht von natürlich auftretenden Mutationen unterscheiden. Ihr Produkt ist in vielen Anwendungen identisch mit jenem herkömmlicher Züchtungsmethoden. Diese modernen Züchtungsmethoden sollen im Rahmen des bestehenden Gentechnikgesetzes reguliert werden. Der Bundesrat will keine gesetzliche Grundlage schaffen, gewisse genomeditierte Pflanzen von der Anwendung des GTG auszunehmen. Ganz im Gegenteil.
Auch Epibreed-Verfahren verboten
Das um vier Jahre verlängerte Moratorium würde zusätzlich sogar die Weiterentwicklung der bisher vom Gentechnikgesetz ausgenommenen herkömmlichen Mutationszüchtung betreffen. Das schreibt der Nebelspalter in seiner Onlineausgabe vom 7. Oktober. Darauf aufmerksam macht Eva Reinhard, Leiterin von Agroscope. Das Epibreed-Verfahren macht sich die Bewegung natürlich vorkommender Transposone zu nutze. Der Mechanismus entspringt der natürlichen Anpassung und der Evolution von Pflanzen. Im Verfahren wird die Anzahl Mutationen, nicht aber deren Art verändert. Das beschleunigt die Suche nach einer gewünschten Mutation. Der Prozess wird in der Pflanzenentwicklung seit vielen Jahrzehnten angewandt und untersteht bis heute nicht dem Gentechnikgesetz.
Der Bund will nun aber das Epibreed-Verfahren dem Gentechnikgesetz unterstellen. Reinhard sagt: «Die Methoden, welche uns dann noch zur Verfügung stünden, sind definitiv ein Rückschritt in die Vergangenheit. Unsere Züchtungsforschung wird damit eingefroren. Das ist schwer verständlich. Besonders jetzt, wo der Nutzen der neuen Züchtungsmethoden immer deutlicher wird.»
Sources
Pflanzenzüchtung für eine ressourceneffiziente Landwirtschaft
Klimawandel, Schädlinge, Bevölkerungswachstum und knapper werdende Ressourcen stellen die weltweite Landwirtschaft vor riesige Herausforderungen. Um ausreichend Nahrungsmittel möglichst umweltschonend herstellen zu können, braucht es immer robustere Pflanzensorten. Die Pflanzenzüchtung ist deshalb ein entscheidender Forschungsbereich für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Landwirtschaft. Ein Faktenblatt der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) stellt vier wichtige Züchtungsmethoden vor.
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