«Züchtungsforschung wird eingefroren»

«Züchtungsforschung wird eingefroren»

Das um vier Jahre verlängerte Moratorium würde auch die Weiterentwicklung der bisher vom Gentechnikgesetz ausgenommenen Mutationszüchtung betreffen. «Die Methoden, welche uns dann noch zur Verfügung stünden, sind definitiv ein Rückschritt in die Vergangenheit. Unsere Züchtungsforschung wird damit eingefroren», sagt Eva Reinhard, Leiterin Agroscope.

Montag, 11. Oktober 2021

«Warum ein natürlich vorkommender Prozess plötzlich gefährlich werden soll und streng reguliert werden muss, nur weil er vom Menschen beschleunigt wird, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar», sagt auch Jan Lucht, Leiter Biotechnologie beim Wirtschaftsverband Scienceindustries gegenüber der Online-Ausgabe des Nebelspalters vom 7. Oktober. Die Unterstellung der Epibreed-Produkte unter das Gentechnikrecht sei «absurd».

Die Genschere ermöglicht Mutationen, die sich nicht von natürlich auftretenden Mutationen unterscheiden. Ihr Produkt ist in vielen Anwendungen identisch mit jenem herkömmlicher Züchtungsmethoden. Diese modernen Züchtungsmethoden sollen im Rahmen des bestehenden Gentechnikgesetzes reguliert werden. Der Bundesrat will keine gesetzliche Grundlage schaffen, gewisse genomeditierte Pflanzen von der Anwendung des GTG auszunehmen. Ganz im Gegenteil.


Auch Epibreed-Verfahren verboten

Das um vier Jahre verlängerte Moratorium würde zusätzlich sogar die Weiterentwicklung der bisher vom Gentechnikgesetz ausgenommenen herkömmlichen Mutationszüchtung betreffen. Das schreibt der Nebelspalter in seiner Onlineausgabe vom 7. Oktober. Darauf aufmerksam macht Eva Reinhard, Leiterin von Agroscope. Das Epibreed-Verfahren macht sich die Bewegung natürlich vorkommender Transposone zu nutze. Der Mechanismus entspringt der natürlichen Anpassung und der Evolution von Pflanzen. Im Verfahren wird die Anzahl Mutationen, nicht aber deren Art verändert. Das beschleunigt die Suche nach einer gewünschten Mutation. Der Prozess wird in der Pflanzenentwicklung seit vielen Jahrzehnten angewandt und untersteht bis heute nicht dem Gentechnikgesetz.

Der Bund will nun aber das Epibreed-Verfahren dem Gentechnikgesetz unterstellen. Reinhard sagt: «Die Methoden, welche uns dann noch zur Verfügung stünden, sind definitiv ein Rückschritt in die Vergangenheit. Unsere Züchtungsforschung wird damit eingefroren. Das ist schwer verständlich. Besonders jetzt, wo der Nutzen der neuen Züchtungsmethoden immer deutlicher wird.»

Pflanzenzüchtung für eine ressourceneffiziente Landwirtschaft
Klimawandel, Schädlinge, Bevölkerungswachstum und knapper werdende Ressourcen stellen die weltweite Landwirtschaft vor riesige Herausforderungen. Um ausreichend Nahrungsmittel möglichst umweltschonend herstellen zu können, braucht es immer robustere Pflanzensorten. Die Pflanzenzüchtung ist deshalb ein entscheidender Forschungsbereich für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Landwirtschaft. Ein Faktenblatt der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) stellt vier wichtige Züchtungsmethoden vor.

Ähnliche Artikel

Pflanzenschutzmittel fehlen – und bald auch die ersten Gemüsesorten
Medien

Pflanzenschutzmittel fehlen – und bald auch die ersten Gemüsesorten

Die Gemüseproduzenten haben derzeit zu kämpfen. Grund dafür sind die fehlenden Pflanzenschutzmittel. Es werde zunehmend schwieriger, verkaufsfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Einige Landwirte kommen gar derart an ihre Grenzen, dass sie die Produktion gewisser Gemüsesorten einstellen mussten.

Schädlinge bedrohen zunehmend Obst-, Beeren- und Weinernte
Medien

Schädlinge bedrohen zunehmend Obst-, Beeren- und Weinernte

Der Obst-, Beeren- und Weinbau wird zunehmend durch Schädlinge wie den Japankäfer, die Fleckenminiermotte und die Mittelmeerfruchtfliege bedroht. Die Produzenten schlagen Alarm – doch es fehlt an Pflanzenschutzmitteln, die den Schädlingen den Garaus machen können.

Bio-Bauer fordert Genom-Editierung für den Obstbau
Medien

Bio-Bauer fordert Genom-Editierung für den Obstbau

Die hohe Zahl an Pflanzenschutzbehandlungen fordert Bio-Bauern stark. Einer davon ist Apfelbauer Marco Messerli aus Kirchdorf BE. Ganze 48-mal musste er anfällige Apfelsorten mit biologischen Pflanzenschutzmitteln behandeln. Zu viel, findet er und fordert jetzt die Zulassung von neuen Züchtungsmethoden. Experten geben dem Bauern Recht.

Pommes-Frites werden knapp
Medien

Pommes-Frites werden knapp

Bei den Pflanzkartoffeln droht 2024 ein Engpass. Herrscht ein Mangel an Pflanzkartoffeln, dann können die beliebten Kohlehydratlieferanten auch nicht geerntet werden. Und weil Pflanzkartoffeln in ganz Europa knapp sind, wird auch der Import schwierig. Gemäss Swisspatat sind besonders Frites-Sorten betroffen.

Weitere Beiträge aus Medien