Zwetschgenernte fällt ins Wasser
In vielen Regionen der Schweiz werden dieses Jahr deutlich weniger Zwetschgen geerntet. Grund dafür sind der kalte Frühling sowie der verhagelte Sommer.
Publiziert: 15.09.2021, 15:15 Uhr
Im August beginnt für viele Obstbauern die Zwetschgenernte. Doch 2021 wird sicher kein rosiges Jahr. Wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt, erwartet der Schweizer Obstverband gerade mal eine halb so grosse Erntemenge wie letztes Jahr. Schuld daran ist vor allem die schlechte Witterung. Während und nach der Blütezeit herrschten im Frühling teilweise eisige Temperaturen. Und im Sommer richteten massive Hagelschläge grosse Schäden an den Zwetschgenkulturen an. Viele Früchte sind beschädigt und können nicht mehr als Tafelfrüchte verkauft werden. Sie können lediglich noch als Brennfrüchte gebraucht werden. Besonders drastisch ist die Situation in den Kantonen Basel-Land, Solothurn und Aargau. Dort sinkt die Erntemenge gemäss Einschätzung des Obstverbandes auf gerade mal 182 Tonnen. Ein Jahr zuvor erntete man 1128 Tonnen.
Schlechtes Erntejahr 2021
Das Jahr 2021 hinterlässt in praktisch allen Kulturen Spuren in Form von Ernteverlusten und Totalausfällen. Besonders betroffen sind Weinbau und Obstbau, wo starke Hagelschläge einen Grossteil der Früchte zerstörten. Hinzu kam jedoch auch Staunässe auf den Feldern und der starke Druck von Pflanzenkrankheiten. Mehltau sowie Kraut- und Knollenfäule konnten sich aufgrund der feuchtnassen Bedingungen besonders gut ausbreiten. Um die Kartoffeln einigermassen vor der Kraut- und Knollenfäule zu schützen, waren Bauern auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen. Ohne diese Mittel wäre es wohl auch im Kartoffelbau zu Totalausfällen gekommen. Vor 150 Jahren zerstörte die Pilzkrankheit ganze Jahresernten und führte zu schrecklichen Hungersnöten, die in Irland eine Million Todesopfer (bei damals 8 Millionen Einwohnern) forderte und eine Massenemigration auslöste. Der nasse Sommer 2021 hätte in früheren Generationen – wo keine wirksamen Pflanzenschutzmittel vorhanden und Importe nicht möglich waren – wohl ebenfalls zu einer Hungersnot geführt.Dies just in dem Sommer, in dem zwei Volksinitiativen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbieten oder den Nichteinsatz und damit den Food Waste auf dem Acker finanziell belohnen wollten. Eine aktuelle Untersuchung von Agroscope bestätigt einmal mehr: Ein Totalverzicht auf Pflanzenschutzmittel würde Ernteausfälle von bis zu 47 Prozent mit sich bringen. Das hiesse: Mehr Importe, dort wo Importe möglich sind. Wo kein Ersatz beschafft werden kann, kommt Zweitklassware in die Regale oder sie bleiben leer. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet Verknappung auch höhere Preise.
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