Zwiebeln schneiden ohne Tränen
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Zwiebeln schneiden ohne Tränen

In Grossbritannien kommen Zwiebeln auf den Markt, die beim Schneiden keine Tränen mehr verursachen sollen. Die unter dem Namen «Sunions» vertriebenen Zwiebeln sind deutlich milder als die bisher bekannten Sorten. Sie sind nur ein Beispiel von Züchtungen mit Vorteilen für Konsumentinnen und Konsumenten.

Mittwoch, 9. Februar 2022

Die Züchtung neuer Pflanzensorten ist für die Landwirtschaft eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Aufgrund des Klimawandels verschlechtern sich die Anbaubedingungen vielerorts. Es braucht deshalb anpassungs- und widerstandsfähigere Sorten für eine ressourceneffiziente Landwirtschaft. Doch die Pflanzenzüchtung sorgt ab und zu auch für Abhilfe bei den kleineren Problemen des Alltags. Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, sind in den USA und nun auch in Grossbritannien Zwiebeln auf dem Markt, die Köchinnen und Köche beim Schneiden nicht mehr zu Tränen rühren. Die «Sunions», von Bayer gezüchtet und heute im Besitz von BASF, sind milder und ärmer an jenen Reizstoffen, welche die typischen feuchten Augen beim Zwiebelschneiden verursachen. Die durch Kreuzzüchtung entstandene Sorte muss jedoch aus den USA importiert werden, da sie bis anhin nur dort angebaut wird. Gemäss dem Unternehmen ist die augenschonende Varietät das Ergebnis von mehr als drei Jahrzehnten konventioneller Züchtungsarbeit und wird im Laufe der Lagerung im Gegensatz zu herkömmlichen Sorten milder und süsser.


Sorten mit Konsumenten-Nutzen werden immer wichtiger

Die Sunion-Zwiebel folgt einem klaren Trend: Insbesondere Gemüse und Früchte noch mehr auf die Bedürfnisse der Konsumenten auszurichten und sie damit für die Landwirte noch vermarktbarer zu machen. Was Konsumenten heute wollen, ist frisches Obst und Gemüse, das zu ihrem geschäftigen und gesundheitsbewussten Lebensstil passt. Zum Beispiel Erbsen zum Snacken wie die neue Zuckererbse «Snak Hero», eine wohlschmeckende Alternative zu traditioneller Zwischenverpflegung. Die nahrhaften grünen Schoten haben, egal ob sie roh oder gekocht gegessen werden, eine frische, knackige Konsistenz. Sie sind eine ausgezeichnete Wahl für die Lunchbox oder den Rucksack von Kindern und Erwachsenen, die viel unterwegs sind.

Oder Zuckermais, der sich nicht nur durch seine Süsse auszeichnet, sondern gesundheitsbewusste Verbraucher auch durch seinen hohen Gehalt an Kalium und Magnesium überzeugt. Und wer kennt nicht das traurige Bild, das das obligate Salatblatt im Hamburger abgibt – schlapp und welk. Die neue Blattsalatsorte «Burger Leaf» ist wie geschaffen für runde Sandwichbrötchen. Die runde Form der Salatblätter und ihre dauerhaft knackige Textur auch beim Kontakt mit warmen Speisen machen sie zur idealen Zutat für Hamburger und andere warme Sandwiches. Da die runden Blätter nicht eigens auf die Form der Brötchen zugeschnitten werden müssen, fällt zudem weniger Abfall an. Der Burger Leaf-Salat trägt damit zur Verhinderung von Food Waste bei – genauso wie die Blumenkohlsorte iStem mit essbaren Kopfblättern und Stiel sowie der Brokkoli EasyBroq, eine Brokkoli-Art mit langem, zartem und daher ebenfalls essbaren Stiel. Durch die langen Stiele ist er auch für den Landwirt einfacher zu ernten. Dies sind nur ein paar Beispiele aus der aktuellen Sortenzüchtung mit explizitem Verbrauchernutzen.


Schneller zu neuen gewünschten Eigenschaften dank moderner Züchtung

Um landwirtschaftliche Erzeugnisse künftig nachhaltiger, gesünder und klimafreundlicher machen zu können, kommen neuen Züchtungsmethoden eine entscheidende Rolle zu. Die Genom-Editierung hat das Potenzial, neue Sorten mit verbesserten Eigenschaften für Landwirte und Konsumenten effizient und zeitnah zur Verfügung stellen zu können oder bewährte und beliebte Sorten gezielt mit spezifischen Eigenschaften auszugestalten – ohne die bewährten Eigenschaften zu verlieren. So sind zum Beispiel Resistenzgene in den Wildtypen der Kartoffeln enthalten. Aber durch die Einkreuzung werden mit den herkömmlichen ungezielten Züchtungsmethoden auch viele unerwünschte Gene hinein gezüchtet. Das macht viele langwierige Rückkreuzungsschritte notwendig und kann 10 – 20 Jahre dauern. Doch diese Zeit fehlt angesichts der Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft gegenübersieht.

Beispiele für verbesserte Anbaueigenschaften mittels moderner Züchtung sind dürretoleranter Mais, gegen die Kraut- und Knollenfäule resistente Kartoffeln oder gegen Schorf resistente Äpfel. Und bezüglich Konsumentennutzen ist ein besonderes Augenmerk auf «Functional Food» gerichtet, um auch Menschen mit weniger Zugang zu ausgewogener Ernährung zu unterstützen. Dabei werden Lebensmittel mithilfe der Genom-Editierung mit zusätzlichen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, ungesättigten Fettsäuren oder Bakterienkulturen angereichert. Aktuelle Beispiele dafür sind etwa Tomaten mit hohem Aminosäuregehalt oder Salat mit mehr Vitamins B und C sowie Beta-Carotin. So führen denn nicht zufälligerweise verbesserte agronomische Eigenschaften und Qualitätsmerkmale die Liste von 140 genomeditierten Nutzpflanzen an.

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