«Wer hat Angst vor den bösen GVO?»
Auf dem Weg in die Zukunft brauchen wir ehrliche Informationen für Politik, Medien und Gesellschaft. Aber auch eine ehrliche Agrarpolitik, die Landwirtschaft, Umwelt, Raumplanung, Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft kohärent aufeinander abstimmt.
Dienstag, 2. November 2021
Modernes Genome Editing ist kein Teufelszeug, sondern die logische Fortsetzung der Mutation und Mutagenese in der Pflanzenzucht. Pflanzengenetiker verändern das Erbgut mit der «Genschere» CRISPR/Cas so präzise, dass man auch von «Gen-Chirurgie» spricht. Ohne artenfremdes Genmaterial hinzuzufügen (= transgen-frei).
CRISPR/Cas unterscheidet sich in den Zielen und im Ergebnis nicht von der traditionellen Pflanzenzucht: Sie verändert ein Gen-«Schnipsel» und macht damit Nutzpflanzen ertragreicher und resistenter gegen Krankheitserreger und Schädlinge. Und das ist nötig: Denn die heutigen – auf hohen Ertrag gezüchteten – Nutzpflanzen sind genetisch verarmt.
Mit CRISPR/Cas werden Nutzpflanzen gezüchtet mit den Vorteilen der robusten
(und oft auch schmackhafteren) Wildpflanzen und den Vorteilen von
Kulturpflanzen, die Schädlingen trotzen, Pestizide einsparen und dabei mehr
Ertrag liefern. Es wird Zeit, dass wir unsere Angst vor den «bösen GVO»
überwinden und die Chance nutzen, die sie bieten.
Jürg Vollmer ist Chefredaktor der Zeitschrift «Die Grüne».
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Ausgabe 10/2021.
Ähnliche Artikel
Legionellen, Japankäfer und Marktturbulenzen: Die vielen Gesichter des trockenen Hitzesommers 2026
Hitze und Trockenheit sind längst nicht mehr nur unangenehm – sie werden zur Bedrohung, und zwar an ganz unterschiedlichen Stellen: bei der Kühlung, in den Stallungen, auf dem Feld und mittlerweile auch im Portemonnaie. Der Sommer 2026 zeigt das exemplarisch.
Präzision statt Verbote: Was das Projekt «Pflopf» zeigt
Ein sechsjähriges Forschungsprojekt in drei Kantonen zeigt: Mit Präzisionstechnologie lässt sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um ein Viertel senken, ohne auf Ertrag und Qualität zu verzichten.
Unerwünschte Einwanderer: Warum Pestizide bei invasiven Arten unverzichtbar sind
Sie sind klein, reisefreudig und äusserst hartnäckig: Invasive Arten breiten sich in der Schweiz zunehmend aus. Ob Japankäfer, Asiatische Hornisse, Tigermücke oder neu entdeckte Ameisenarten – die ungebetenen Gäste bedrohen nicht nur unsere einheimische Natur, sondern auch Landwirtschaft und Siedlungsgebiete. Es braucht dringend Pestizide – also Biozide und Pflanzenschutzmittel – , um die Schädlinge wirksam zu bekämpfen.