Genome-Editing: Vereinigtes Königreich auf dem Weg zur Spitze

Genome-Editing: Vereinigtes Königreich auf dem Weg zur Spitze

Das britische Parlament beabsichtigt ein Gesetz zu verabschieden, das neue Züchtungstechnologien wie die Genom-Editierung neu regelt. Die neue Gesetzgebung ebnet für die Landwirte den Weg zum Anbau und für Grossbritannien den Weg an die Spitze der Agrar- und Lebensmittelforschung.

Publiziert: 08.11.2022, 10:23 Uhr

Das Onlineportal «AgroPages» berichtet über die Anpassung der Regulierung neuer Züchtungstechnologien in Grossbritannien. Die Einführung einer verhältnismässigeren und auf wissenschaftlicher Grundlage basierenden Regulierung im Bereich der Präzisionszüchtung stellt eine grosse Chance für die Landwirtschaft dar. Durch neue Züchtungstechnologien wie die Genom-Editierung können Kulturpflanzen gezüchtet werden, die robuster gegenüber Wetterextremen und Schädlingen sind und deshalb weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Bereits heute sind britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit führend in der Forschung für Präzisionszüchtung. Der geplante Gesetzesentwurf wird die Position des Vereinigten Königreichs weiter stärken und die Attraktivität für Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen.


«Wichtige Zeit für die Landwirtschaft»

Durch den Gesetzesentwurf können Pflanzen, die mithilfe von Genome-Editing gezüchtet wurden, auf den Markt gebracht werden. Gemeint sind dabei Pflanzen, bei denen die herbeigeführten Veränderungen im Erbgut auch auf natürliche Weise oder durch herkömmliche Züchtungsmethoden hätten entstehen können. Ausgenommen sind Pflanzen, zu denen artfremdes Erbgut hinzugefügt wurde. Der wissenschaftliche Chefberater des britischen Umwelt-, Lebensmittel- und Landwirtschaftsministeriums (Defra), Gideon Henderson, sagt gegenüber «AgroPages»: «Dies ist eine wichtige Zeit für die Agrarwissenschaft. Die Möglichkeit, den genetischen Code von Organismen durch Genom-Editierung präzise und gezielt zu verändern, und zwar auf eine Art und Weise, die die traditionelle Züchtung nachahmt, ermöglicht die Entwicklung neuer Pflanzensorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge und gesünder für den Verzehr sind und im Zuge des Klimawandels besser mit Trockenheit und Hitze zurechtkommen.»


Hitzeresistenter Weizen

Die Genom-Editierung macht im Grunde genommen nichts anderes, als auch die Natur machen könnte. Seit Jahrtausenden selektionieren Menschen Nutzpflanzen mit gewünschten Eigenschaften und züchten sie weiter. Mit den neuen Züchtungsmethoden kann dieser Prozess jedoch deutlich beschleunigt und effizienter gestaltet werden. Der Zeitaufwand zur Züchtung von Sorten mit erwünschten Eigenschaften kann minimiert werden. Das ist gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels ein enormer Vorteil, da die Zeit drängt. Durch die Gesetzesänderung ergibt sich etwa die Chance, eine Weizensorte zu züchten, die robuster gegenüber den sich ändernden klimatischen Bedingungen ist. So haben Forschende am John Innes Centre in Norwich mithilfe der Genom-Editierung ein Schlüsselgen bei Weizen identifiziert, mit dem Eigenschaften wie Hitzeresistenz bei gleichbleibend hohem Ertrag eingeführt werden können.

Beitrag gegen Food Waste

Die Genom-Editierung kann auch einen Beitrag gegen Food Waste leisten, indem die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird. Das britische Biotechunternehmen Tropic hat mithilfe von Genom-Editierung eine Banane gezüchtet, die nicht braun wird. Weil die Frucht normalerweise schnell verdirbt, könnte so die Menge der verschwendeten Bananen verringert werden.

Ähnliche Artikel

Die Anti-Food Waste-Banane
Medien

Die Anti-Food Waste-Banane

Die britische Biotechfirma Tropic hat mit der Genschere CRISPR/Cas eine Banane entwickelt, die nicht mehr braun wird. In den USA ist sie bereits auf dem Markt, in England hat sie die entscheidende Zulassungshürde genommen. Dieselbe Technik könnte auch helfen, die beliebteste Banane der Welt vor dem Aussterben zu retten.

Tigermücke: Bund setzt auf Massnahmenplan – doch Insektizide bleiben tabu
Medien

Tigermücke: Bund setzt auf Massnahmenplan – doch Insektizide bleiben tabu

Invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke breiten sich in der Schweiz zunehmend aus. Der Bund schlägt Alarm und will der Mücke mit einem nationalen Massnahmenplan den Garaus machen. Das wirksamste Mittel bleibt aber aussen vor: Insektizide.

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht
Medien

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht

Hitze, Dürre und Hagel haben den Schweizer Bauern 2026 schwer zugesetzt. Im NZZ-Interview warnt Adrian Aebi, Chef des grössten Schweizer Ernteversicherers: «Machen wir so weiter, blutet die Landwirtschaft aus». Für die Zukunft braucht es vor allem robuste Sorten, die Hitze und Trockenheit aushalten.

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand
Medien

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand

Der Hitzesommer 2026 hat der Schweizer Kartoffel so stark zugesetzt wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Branche fordert deshalb raschere Fortschritte bei resistenten Sorten – und Zugang zu neuen Züchtungstechnologien, wie sie die EU bereits schrittweise erlaubt. Der Bundesrat lässt sich mit der entsprechenden Gesetzesvorlage derweil Zeit bis 2027.

Weitere Beiträge aus Medien