Die Anti-Food Waste-Banane

Die Anti-Food Waste-Banane

Die britische Biotechfirma Tropic hat mit der Genschere CRISPR/Cas eine Banane entwickelt, die nicht mehr braun wird. In den USA ist sie bereits auf dem Markt, in England hat sie die entscheidende Zulassungshürde genommen. Dieselbe Technik könnte auch helfen, die beliebteste Banane der Welt vor dem Aussterben zu retten.

Publiziert: 07.10.2026, 13:29 Uhr

Darum geht es

  • Die britische Biotechfirma Tropic hat mit CRISPR/Cas eine Banane gezüchtet, die auch aufgeschnitten tagelang gelb bleibt.

  • In den USA ist die braunwerdfreie Banane bereits erhältlich; in England gilt sie offiziell als Präzisionszüchtung.

  • Bananen gehören zu den Lieblingsfrüchten der Schweiz: 2025 wurden hierzulande 79 Millionen Kilo verkauft.

  • Rund ein Drittel der verkauften Bananen landet im Abfall – unter anderem, weil sie schnell braun und unansehnlich werden.

  • Dieselbe Präzisionszüchtung könnte künftig auch dazu beitragen, die beliebteste Bananensorte der Welt vor dem Aussterben zu retten.

Die Banane gehört zu den Lieblingsfrüchten der Schweiz. 2025 wurden hierzulande 79 Millionen Kilo verkauft, wie die «NZZ» berichtet. Doch rund ein Drittel davon landet im Abfall – unter anderem weil die Frucht schnell braun und unansehnlich wird.

Die Forschenden von Tropic haben mit der Genschere jene Gene ausgeschaltet, die für die Braunfärbung sorgen. Das Resultat: Die Banane bleibt auch aufgeschnitten mehrere Tage gelb – ein direkter Beitrag gegen Food Waste also. In England gilt sie nun offiziell als «Präzisionszüchtung» und kann damit auf den Markt kommen. Der Unterschied zur klassischen Gentechnik: Im Erbgut bleibt keine artfremde DNA zurück.

Pilzkrankheiten bedroht Bananenplantagen

Food Waste-Verhinderung ist ein hehres Ziel. Noch ernster ist eine andere Bedrohung: Ein Pilz namens Tropical Race 4 (TR4) breitet sich seit den 1990er-Jahren in den Bananenplantagen der Welt aus. Er dringt über die Wurzeln ein, die Pflanze stirbt innert weniger Monate ab. Ein wirksames Gegenmittel gegen diesen Food Loss gibt es nicht.

Das gab es schon einmal. Lange war die Sorte Gros Michel – genannt «Big Mike» – die Banane schlechthin. Dann raffte eine frühere Variante des Pilzes die Plantagen dahin. Um 1960 war Schluss. Die Rettung kam mit der Cavendish, die gegen den damaligen Erreger immun war. Sie ist bis heute die klassische Supermarktbanane.


Anfälligkeit der Cavendish-Klone für Pflanzenkrankheiten

Nun ist aber auch die Cavendish in Gefahr. Ihr Problem: Sie lässt sich nicht klassisch züchten. Die Cavendish ist kernlos, dafür aber unfruchtbar. Sie wird nur über Ableger vermehrt. Alle Cavendish-Pflanzen weltweit sind deshalb genetisch identische Klone – und alle gleich anfällig für TR4.

Hier kommt die Genschere ins Spiel. Mit CRISPR lassen sich Resistenzgene aus Wildbananen direkt in die Cavendish einbauen. Australische Forscher haben bereits gezeigt, dass das funktioniert. Auch der niederländische Pflanzenpathologe Gert Kema, früher an der Universität Wageningen tätig, sieht in der Genschere ein wichtiges Werkzeug, um robuste Nachfolgesorten schneller zu entwickeln. Die grösste Hürde ortet er nicht im Labor, sondern bei skeptischen Konsumenten.


Die EU handelt, die Schweiz schläft

Warum neue Züchtungsmethoden so wichtig sind, erklärt Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), in einem Gastbeitrag in der «Agrarzeitung». Von der ersten Kreuzung bis zur fertigen Sorte vergehen oft viele Jahre. Was heute im Zuchtgarten entschieden wird, bestimmt also, welche Sorten den Bauern in zehn oder zwanzig Jahren zur Verfügung stehen. Mit den neuen Züchtungsmethoden lassen sich Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Krankheiten machen. Die Weichen dafür, so Schäfer, müssen jetzt gestellt werden.

Wie Gentechnik Landwirten die Existenz sicherte

Auf Hawaii ging in den 1990er Jahren die Papaya-Ernte aufgrund eines Virus um mehr als die Hälfte zurück. Nur durch jahrelange Forschung und die erfolgreiche «Impfung» der Papaya durch modifizierte Gene konnte die Papaya-Produktion auf Hawaii gerettet werden. Wissenschaftliche Studien haben zudem gezeigt, dass durch Verzehr und Anbau der virusresistenten Regenbogen-Papaya keine Schäden auftraten. Die genmodifizierte Papaya ist sowohl für den Menschen als auch für die Umwelt sicher. Unterdessen sind gentechnisch veränderte Papaya-Sorten in zahlreichen Ländern zugelassen.

swiss food lud zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Genom-Editierung «Zwischen Protest und Potenzial» ein. Das Video dazu finden Sie hier. Wenn man sich ein Bild des weltweiten Widerstands gegen grüne Gentechnik machen will, der Grund für die immer noch bestehende Skepsis ist, kann sich den Dokumentarfilm «Food Evolution» ansehen. Die Regenbogen-Papaya ist Teil der Geschichte.

Gerade in Zeiten von Klimawandel und schwindenden Erträgen können neue Züchtungstechnologien die Ernährungssicherheit revolutionieren. Das hat auch die EU erkannt. Inzwischen hat das EU-Parlament Geschichte geschrieben und den Weg für die präzise Pflanzenzüchtung, deren Resultate sich nicht von herkömmlichen Pflanzen unterscheiden lassen (sogenannte NGT-1) freigemacht. Das Ziel: robustere Pflanzen, die Hitze und Krankheiten trotzen – ohne dass artfremde DNA eingefügt wird.

Und die Schweiz? Sie schläft noch immer. Hierzulande hat bisher kein einziges genomeditiertes Lebensmittel eine Zulassung erhalten. Während präzisionsgezüchtete Bananen in den USA längst im Regal liegen und England nachzieht, droht die Schweiz den Anschluss zu verlieren.

Was die neuen Züchtungsmethoden jetzt schon können – und wo Chancen für die Schweiz liegen

Mit der Genschere CRISPR/Cas lässt sich das Erbgut von Pflanzen gezielt verändern, ohne artfremde DNA einzufügen. Forschende können damit einzelne Gene ausschalten oder ihre Aktivität steuern. Das beschleunigt die Züchtung: Bei einer Wildtomate führte das Ausschalten von sechs Genen schon nach einer Generation zu besserem Wuchs und mehr Blüten. Auch Hybridsaatgut lässt sich einfacher herstellen. Zudem genügt oft die Veränderung eines einzigen Gens, damit eine Pflanze gegen Viren, Bakterien oder Pilze resistent wird. So könnten deutlich weniger Pflanzenschutzmittel nötig sein. Mehr dazu

Robuste Sorten, auch für die Schweiz

Mit der Genschere lassen sich auch beliebte, bestehende Sorten robuster machen. Für die Schweiz interessant sind zum Beispiel:

  • Weizen, der bei Dauerregen nicht vorzeitig keimt

  • Äpfel wie «Gala» oder «Golden Delicious» mit Resistenz gegen Feuerbrand

  • Kartoffeln, die besser gegen Kraut- und Knollenfäule gewappnet sind

  • Tomaten mit stabileren Zweigen, damit weniger Früchte am Boden verfaulen

Weitere Beispiele

Zulassungen weltweit

In den USA sind unter anderem Soja, Raps und Senfgrün zugelassen. Japan verkauft bereits eine geneditierte Tomate und drei Fischarten. China hat Ende 2024 fünf Sorten von Weizen, Mais, Soja und Reis zugelassen, Indien 2025 zwei klimaresiliente Reissorten. Grossflächig angebaut wird aber noch keine.

Und die Schweiz?

Das Parlament hat den Bundesrat beauftragt, eine risikobasierte Regelung für neue Züchtungsmethoden auszuarbeiten. Ursprünglich war die Vorlage für Anfang 2026 geplant. Nun soll sie erst im zweiten Halbjahr 2027 kommen.

Schlagworte: Banane · CRISPR/Cas · Genschere · Präzisionszüchtung · Cavendish · Tropical Race 4 · Food Waste · Gentechnik

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Warum wird die neu entwickelte Banane nicht mehr braun?

Forschende der Firma Tropic haben mithilfe der Genschere CRISPR/Cas gezielt jene Gene ausgeschaltet, die für die Braunfärbung verantwortlich sind. Dadurch bleibt die Banane auch aufgeschnitten mehrere Tage gelb.

Wie unterscheidet sich die Präzisionszüchtung von klassischer Gentechnik?

Bei der Präzisionszüchtung mittels Genschere wird das körpereigene Erbgut gezielt angepasst, ohne dass artfremde DNA in der Pflanze zurückbleibt.

Warum droht der heutigen Supermarktbanane das Aussterben?

Die heute dominierende Sorte Cavendish wird asexuell über Ableger vermehrt. Alle Pflanzen sind genetisch identische Klone und besitzen somit keine Abwehrkräfte gegen den um sich greifenden Pilz Tropical Race 4 (TR4).

Wie hilft die Genschere gegen die Bananenkrankheit TR4?

Mithilfe von CRISPR/Cas lassen sich Resistenzgene aus natürlichen Wildbananen direkt in das Erbgut der Cavendish-Banane einfügen, um sie gegen den Pilz immun zu machen.

Wie viel Food Waste entsteht in der Schweiz durch Bananen?

2025 wurden in der Schweiz 79 Millionen Kilo Bananen verkauft. Rund ein Drittel der Früchte landet im Abfall, oft weil sie schnell braun und unansehnlich werden.

Wo ist die nicht-bräunende Banane bereits zugelassen?

In den USA ist die gentechnisch angepasste Banane bereits auf dem Markt erhältlich. In England hat sie die entscheidenden Zulassungshürden als Präzisionszüchtung genommen.

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