Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht

Hitze, Dürre und Hagel haben den Schweizer Bauern 2026 schwer zugesetzt. Im NZZ-Interview warnt Adrian Aebi, Chef des grössten Schweizer Ernteversicherers: «Machen wir so weiter, blutet die Landwirtschaft aus». Für die Zukunft braucht es vor allem robuste Sorten, die Hitze und Trockenheit aushalten.

Publiziert: 30.09.2026, 11:07 Uhr | Aktualisiert: 30.09.2026, 21:44 Uhr

Darum geht es

  • Hitze, Dürre und Hagel haben den Schweizer Bauern 2026 schwere Ertragseinbussen beschert.

  • Adrian Aebi, Chef des grössten Schweizer Ernteversicherers (Schweizer Hagel), warnt in einem NZZ-Interview vor den Folgen der Trockenheit und fordert hitzeresistente sowie trockenheitstolerante Sorten für die Zukunft.

  • Bei Frühlingskulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais betrugen die Einbussen zum Teil bis zu 30 Prozent.

  • Das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission hat seine Ertragsprognosen für sämtliche Sommerkulturen in der EU deutlich nach unten korrigiert – teils bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

  • Weil die Schweiz bei Ernteausfällen die Importmenge erhöht, bleiben die Ladenpreise trotz höherer Produktionskosten tief, während sich Getreideengpässe erst im Folgejahr an der Kasse zeigen.

«Dann ging es im Juni mit der ersten Hitzewelle los, und es hörte einfach nie mehr auf», sagt Adrian Aebi, CEO der Schweizerischen Hagelversicherungs-Gesellschaft SH Group (Schweizer Hagel), im Interview mit der NZZ. Die Hitze war für die Bauern eine enorme Belastung – und brachte grosse Ertragseinbussen.

Besonders hart traf es Kulturen, die im Frühling gesät werden, etwa Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais. «Bei diesen Kulturen betrugen die Ertragseinbussen zum Teil bis zu 30 Prozent. Das ist enorm viel», so Aebi. Ende August richtete zudem ein schwerer Hagelzug grosse Schäden an.


Druck in ganz Europa: EU korrigiert Ertragsprognosen nach unten

Die Schweiz steht damit nicht allein da. Wie aktuelle Zahlen der EU zeigen, hat sich die Lage in diesem Sommer besonders zugespitzt. Das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission hat seine Ertragsprognosen für sämtliche Sommerkulturen in der EU deutlich nach unten korrigiert. Je nach Kultur liegen die erwarteten Erträge inzwischen bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die Bauern haben höhere Kosten und gleichzeitig tiefere Erträge. Aebi fordert deshalb höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte. Doch die Preise steigen nicht von selbst. Wird ein Produkt knapp, erhöht die Schweiz die Importmenge – und die Preise bleiben tief. Im Laden merken die Konsumentinnen und Konsumenten von der Dürre deshalb kaum etwas.

Dazu kommt eine zeitliche Verzögerung. «Was die Preise in diesem Jahr bestimmt, sind die Ereignisse des letzten Jahres», sagt Ökonom Tomas Dvorak von Oxford Economics gegenüber SRF. Die diesjährige, rund zehn Prozent kleinere Getreideernte in Europa dürfte sich deshalb erst 2027 an der Kasse zeigen.

Für Aebi ist das ein grundsätzliches Problem: Wenn die Produzenten immer höhere Kosten und Risiken tragen, dies sich aber kaum in den Preisen zeigt, funktioniere das System auf Dauer nicht. «Machen wir so weiter, blutet die Landwirtschaft aus.» Nach Väterchen Staat zu rufen, hält Aebi für falsch. Gefordert seien vor allem der Detailhandel und letztlich die Konsumenten. Alle Beteiligten müssten sich an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen suchen.


Trockenheitstolerante Sorten nötig

Dass Landwirtschaft auch mit wenig Regen möglich ist, zeigt Israel – allerdings mit grossem Aufwand. Auch in der Schweiz braucht es Anpassungen: trockenheitstolerantere Sorten, bessere Böden und eine konsequentere Bodenbedeckung. Zudem muss die Bewässerung ausgebaut und effizienter werden, etwa mit Rückhaltebecken und sparsameren Technologien.

Umso wichtiger sind Pflanzen, die mit Hitze und wenig Wasser zurechtkommen. Gestresste Pflanzen sind zudem anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Dies ist insbesondere der Fall, wenn immer weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen.

Es braucht deshalb robuste Sorten, die Hitze, Trockenheit, Krankheiten und invasive Schädlinge besser aushalten. Damit die Pflanzenzüchtung mit dem Klimawandel Schritt halten kann, bieten sich innovative Methoden wie die Präzisionszüchtung mittels Genom-Editierung an. Sie ist gezielter und schneller als die klassische Züchtung.

Faire Preise und eine kluge Wassernutzung sind wichtig. Doch ohne robuste, hitze- und trockenheitsresistente Sorten wird die Landwirtschaft über kurz oder lang an ihre Grenzen stossen. Die Herausforderungen von heute lassen sich nicht mit den Methoden von gestern lösen. Eine nachhaltige Landwirtschaft ist auf innovative Züchtungsmethoden angewiesen – und diese sollten nicht unnötig ausgebremst werden.

Innovation gegen Hitzestress

Forschende Agrarunternehmen arbeiten an Lösungen gegen Hitze und Trockenheit. Einige Beispiele:

Die Schweiz bremst allerdings, wenn es um die Zulassung neuer Instrumente geht: Die Methode TEgenesis® des Start-ups Epibreed wurde als Gentechnik eingestuft – obwohl sie nur vorübergehend einen natürlichen Anpassungsmechanismus der Pflanze aktiviert.

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swiss-food.ch ist eine Informationsplattform der forschenden Lebensmittel- und Agrartechnologiebranche und bündelt faktenbasierte Inhalte zu Ernährung, Landwirtschaft, Pflanzenschutz und Biotechnologie. Die Beiträge werden redaktionell aufbereitet, die verwendeten Quellen sind im Text verlinkt. Getragen wird die Plattform durch Syngenta und Bayer.

Schlagworte: Dürre · Landwirtschaft · Ertragseinbussen · Trockenheit · Ernteversicherung · Sommerkulturen · Importmenge · Klimawandel

Was fordert Adrian Aebi im NZZ-Interview für die Landwirtschaft?

Adrian Aebi, CEO von Schweizer Hagel, fordert angesichts enormer Ertragsausfälle höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte sowie die Zusammentragung aller Akteure (Detailhandel, Konsumenten) an einen Tisch, um gemeinsam Lösungen für künftig nötige, hitzeresistente Sorten zu finden.

Warum leidet die Landwirtschaft 2026 unter Ertragsausfällen?

Hitze, Dürre und schwere Hagelzüge im späten August haben den Schweizer Bauern und Bauern in ganz Europa stark zugesetzt.

Welche Kulturen sind besonders betroffen?

Besonders hart trifft es im Frühling gesäte Kulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais mit Ertragseinbussen von teilweise bis zu 30 Prozent.

Warum steigen die Preise für Konsumenten trotz Dürre kaum an?

Sobald Schweizer Produkte knapp werden, wird die Importmenge erhöht, um die Preise tief zu halten. Konsumenten spüren die Produktionsausfälle im Laden deshalb kaum.

Wann machen sich Ernteausfälle an den Ladenkassen bemerkbar?

Aufgrund von Marktverzögerungen wirken sich Ernteausfälle erst im Folgejahr aus; eine kleinere Getreideernte von 2026 zeigt sich voraussichtlich erst 2027 an der Kasse.

Welche langfristigen Anpassungen sind notwendig?

Neben gemeinsamen Marktlösungen braucht die Landwirtschaft künftig vor allem trockenheitstolerantere und robustere Sorten, um extremen Wetterbedingungen standzuhalten.

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