Tigermücke: Bund setzt auf Massnahmenplan – doch Insektizide bleiben tabu

Invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke breiten sich in der Schweiz zunehmend aus. Der Bund schlägt Alarm und will der Mücke mit einem nationalen Massnahmenplan den Garaus machen. Das wirksamste Mittel bleibt aber aussen vor: Insektizide.

Publiziert: 02.10.2026, 12:36 Uhr

Darum geht es

  • Die Asiatische Tigermücke breitet sich in der Schweiz rasant aus – besonders stark in Basel, Genf und im Tessin sowie inzwischen auch im südlichen Graubünden und im Wallis.
  • Die Mücke sticht auch tagsüber und kann Tropenkrankheiten wie das Dengue-Virus übertragen, das bereits in einer Basler Tigermücke nachgewiesen wurde.
  • Der Bund setzt auf einen nationalen Massnahmenplan mit Fallen, Aufklärung und der Mithilfe der Bevölkerung (z. B. Leeren von Giesskannen), um die Ausbreitung zu verlangsamen.
  • Bei der Brutstättenbekämpfung in privaten Gärten stösst die Prävention schnell an ihre Grenzen.
  • Die wirksame Bekämpfung der Mückenplage in Städten und Dörfern ist ohne Schädlingsbekämpfungsmittel (Biozide) und beschleunigte Zulassungsverfahren nicht machbar.

Invasive Arten breiten sich seit Längerem in der Schweiz aus. Eine davon ist die Asiatische Tigermücke. Die aus Südostasien stammende Mücke gilt als besonders aggressiv und sticht anders als heimische Mücken auch tagsüber. Zudem kann sie Tropenkrankheiten wie das Dengue-Virus übertragen.

Insbesondere in Basel gehen vermehrt Meldungen zur Tigermücken-Plage ein. In Schrebergärten vermehrt sich die Mücke so stark, dass Vereine erste Mitglieder verlieren, wie SRF berichtet. In einer Basler Tigermücke wurde sogar das Dengue-Virus nachgewiesen.

Doch auch Genf und das Tessin sind enorm betroffen. Laut Bundesrat ist die Mücke in diesen drei Kantonen flächendeckend verbreitet. Inzwischen ist sie gemäss BAG auch im südlichen Graubünden und im Wallis heimisch geworden. Beschleunigt haben die Ausbreitung unter anderem die warmen Temperaturen. In Genf breitet sich die Tigermücke dieses Jahr so stark aus wie nie zuvor – auch wegen der Hitzewelle im Sommer.

Der Bund setzt auf einen Massnahmenplan

Um eine weitere Vermehrung zu verhindern, greift der Bund laut «SRF» zu einem nationalen Massnahmenplan. Damit soll der Asiatischen Tigermücke der Garaus gemacht werden. Konkret will der Bund vor allem eines erreichen: Tropenkrankheiten, die sich innerhalb der Schweiz übertragen, sollen möglichst lange ausbleiben.

Im Fokus stehen Gebiete, in denen sich das Insekt noch nicht festgesetzt hat. Dort sollen Behörden, Ärzte und Bevölkerung frühzeitig sensibilisiert werden. Ein Beispiel ist der Kanton Uri: Fachleute stellen dort Fallen auf, etwa beim Bahnhof Erstfeld nahe der Gotthard-Autobahn. Denn die Mücke reist gerne als blinder Passagier in Autos und Lastwagen mit.

Hat sich die Tigermücke einmal eingenistet, soll sie bekämpft werden. Ganz aufhalten lässt sie sich allerdings nicht. Die komplette Ausbreitung zu verhindern, sei utopisch, sagt Ökologin Klaudia Erndle gegenüber «SRF». Ziel sei es, die Ausbreitung zu verlangsamen.

Giesskannen leeren gegen die Plage

Eine wichtige Rolle spielt die Bevölkerung. Sie soll vor allem stehendes Wasser vermeiden. Denn die Tigermücke legt ihre Eier am liebsten in kleine Wasseransammlungen wie Regentonnen, Blumenuntersetzer oder Giesskannen. Dort entwickeln sich die Larven.

Wer solche Gefässe regelmässig leert, hilft also mit. Doch das hat Grenzen: Die meisten Brutstätten liegen in privaten Gärten. Auf Privatgrundstücken kann die Bekämpfung laut SRF schnell aussichtslos werden.

Ohne Biozide geht es nicht

Die Tigermücke breitet sich rasant aus. Gleichzeitig scheut man sich, Insektizide einzusetzen. Dabei handelt es sich um Stoffe, die Insekten abtöten. In der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und im Gartenbau werden sie als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dort bekämpfen sie Schädlinge wie Blattläuse, Käfer oder Raupen und verhindern so Ertrags- und Qualitätsschäden. Der Massnahmenplan setzt auf Fallen, Aufklärung und die Mithilfe der Bevölkerung. Das ist richtig, aber es reicht bei Weitem nicht.

Schon heute funktioniert die Bekämpfung nicht ohne Wirkstoffe: Selbst die Fallen in Uri töten die Larven mit einem Larvizid. Um die Mücken in Städten und Dörfern wirksam zu stoppen, bleibt der gezielte Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Bioziden) unverzichtbar.

Damit solche Mittel rechtzeitig zur Verfügung stehen, braucht es zudem schnellere Zulassungsverfahren. Denn invasive Arten warten nicht, bis die Behörden entschieden haben.

Warum gilt die Asiatische Tigermücke in der Schweiz als besonders gefährlich?

Die Tigermücke sticht auch tagsüber sehr aggressiv und kann schwere Tropenkrankheiten wie das Dengue-Virus übertragen, welches bereits in einer Mücke in Basel nachgewiesen wurde.

Welche Schweizer Kantone sind besonders stark vom Befall betroffen?

Flächendeckend verbreitet ist die Mücke in den Kantonen Basel, Genf und Tessin. Zudem hat sie sich gemäss BAG im südlichen Graubünden und im Wallis festgesetzt.

Was beinhaltet der nationale Massnahmenplan des Bundes?

Der Plan setzt auf die Sensibilisierung von Behörden, Ärzten und Bevölkerung, das Aufstellen von Fallen an Verkehrsknotenpunkten sowie Massnahmen zur Brutstättenvermeidung.

Welche Rolle spielt die Bevölkerung bei der Bekämpfung?

Einwohnerinnen und Einwohner sollen regelmässig stehendes Wasser in Giesskannen, Regentonnen oder Blumenuntersetzern leeren, um den Larven die Fortpflanzungsgrundlage zu entziehen.

Warum stösst die biologische und mechanische Bekämpfung an Grenzen?

Die meisten Brutstätten befinden sich in privaten Gärten. Da der Zugang dort eingeschränkt ist, wird die rein mechanische Bekämpfung auf Privatgrundstücken schnell aussichtslos.

Warum fordert die Branche den Einsatz von Bioziden und Pflanzenschutzmitteln?

Um die Mückenpopulationen in Städten wirksam einzudämmen, braucht es den gezielten Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Zudem sind schnellere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel erforderlich, um rasch reagieren zu können.

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