Kampf gegen die Genom-Editierung mit Waffen von gestern

Kampf gegen die Genom-Editierung mit Waffen von gestern

Der Ständerat möchte die Genom-Editierung erlauben, sofern mit der Technik kein artfremdes Erbgut in neue Pflanzensorten eingefügt wird. Der Entscheid löst in gentechskeptischen Kreisen Bestürzung aus. Wer sich ihre Argumente anschaut stellt fest: Die Gentechgegner kämpfen mit Waffen von gestern.

Mittwoch, 8. Dezember 2021

Keine Freude am Entscheid des Ständerats haben gemäss «BauernZeitung» die Grünen. Der Ständerat, so die Partei in einer Medienmitteilung, stelle mit dem Entscheid «eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale der Schweizer Landwirtschaft, die Gentechfreiheit, aufs Spiel». Neue gentechnische Methoden steckten noch in den Kinderschuhen. Es gäbe keine marktreifen Produkte und auch keine Risikoforschung. Neben den Grünen lehnen auch die Kleinbauernvereinigung sowie die Allianz Gentechfrei den Kurs des Ständerats ab. Auch sie betonen die «unverantwortbaren Risiken», welche von neuen Züchtungsmethoden ausgehen. Auch im Magazin «Umwelt» des Bundesamts für Umwelt (BAFU) steht geschrieben: «Ausserdem sind die Risiken dieser Technologie (Genom-Editierung, Anm. Red.) noch nicht hinreichend bekannt.»

Hemmungslos mischt sich auch das Hilfswerk Swissaid mit einer Medienmitteilung unter die tagespolitischen Akteure. Obwohl klar ist, dass nur landwirtschaftliche Produktivität und Innovation eine Welt mit bald 10 Milliarden Menschen ernähren kann, sperrt sich Swissaid gegen die Realität und stellt neue gentechnische Methoden als Bedrohung für die Biodiversität dar. Dies bar jeder wissenschaftlichen Grundlage. Aus der Sicht der eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit (EFBS) gibt es aus wissenschaftlicher Warte nämlich keinen Grund, die neuen Züchtungsmethoden zu verbieten.


Kein höheres Risiko als bei herkömmlichen Pflanzen

Die Rede von noch unbekannten Risiken und die Negierung von Chancen ist ein beliebtes Mittel, um neue Technologien zu verhindern. Beinahe gebetsmühlenartig betonen die Gegnerinnen und Gegner der Genom-Editierung die angeblich noch zu lückenhafte Forschung bezüglich Risikoabschätzung. Dabei besteht gerade bei der Beurteilung von Risiken durch die Genom-Editierung ein überwältigender wissenschaftlicher Konsens. Von genomeditierten Pflanzen geht kein höheres Risiko als von herkömmlich gezüchteten Pflanzen aus. Deshalb haben sich Forscherinnen und Forscher von verschiedenen Schweizer Universitäten und Hochschulen für eine Lockerung des Gentech-Moratoriums ausgesprochen. Diesen wissenschaftlichen Konsens gilt es zu akzeptieren. Gerade in grünen Kreisen beruft man sich gerne auf den wissenschaftlichen Konsens bezüglich des Klimawandels. Dass dieselben Kreise die Stimmen aus der Wissenschaft bezüglich der Zulassung der Genom-Editierung nun ignorieren, ist entlarvend. Der «Tages-Anzeiger» bezeichnet diese Haltung als «bizarr». Ideologie und die Wiederholung alter Geschichten sind offenbar wichtiger als die Lösung konkreter Problemstellungen.

Interview mit Prof. Wilhelm Gruissem
Im Interview mit Reto Brennwald erklärt Prof. Wilhelm Gruissem von der ETH, warum es wissenschaftlich unhaltbar ist zu behaupten, die Datenlage sei unklar – und zwar für die klassische Gentechnik wie für die Genom-Editierung.

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