Tierfutter: Heimischer Raps statt importierte Soja
Wissen

Tierfutter: Heimischer Raps statt importierte Soja

Die Herkunft der Futtermittel in der Landwirtschaft ist in den politischen Fokus geraten: Bio Suisse will den Anteil an ausländischem Kraftfutter senken. Die eiweissreichen Pressrückstände von Raps würden sich mithilfe von «Genome Editing» ideal als Futtermittel für Nutztiere eignen. Anstelle von importierter Soja könnte einheimischer Raps an die Tiere verfüttert werden. Das ist ökologisch sinnvoll und stärkt die regionale Produktion.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 könnten die Pressrückstände von Raps künftig als Tierfutter verwendet werden.
  • Damit müsste weniger Tierfutter wie beispielsweise Soja aus dem Ausland importiert werden.
  • Aus ökologischer Perspektive ist dies sinnvoll.

Raps ist die wichtigste Pflanze Europas zur Herstellung von Öl. Bei der Ölproduktion entstehen Pressrückstände, die einen hohen Eiweissgehalt und eine günstige Zusammensetzung an Aminosäuren aufweisen. Das sind gute Voraussetzungen für die Verwendung als Futtermittel. Allerdings enthalten die Pflanzen auch grosse Mengen an Phytinsäure. Die antinutritiven Eigenschaften dieses Stoffes schränken die Verwendung der Pressrückstände als Futtermittel für Tiere ein. Mittels Genomeditierung könnte der Gehalt an Phytinsäure in Rapskörnern deutlich gesenkt und die Futtermittelqualität von Rapsschrot und Rapskuchen verbessert werden. Forscher der Universität Kiel konnten mit der Genschere CRISPR/Cas9 gezielt Veränderungen an denjenigen Genen herbeiführen, die an der Synthese der Phytinsäure beteiligt sind. Dadurch liess sich der Phytinsäuregehalt bei bestimmten Pflanzen um einen Drittel (27-35 Prozent) verringern.


Weniger Importe, mehr Regionales

Die Erschliessung von alternativen Eiweissquellen wie Raps stärkt die regionale Produktion und ist auch ökologisch sinnvoll. Der Anbau von Raps mit niedrigerem Gehalt an Phytinsäure, bietet lokalen Landwirten die Möglichkeit, zusätzliches Tierfutter von guter Qualität zu produzieren, ohne dabei die Eigenschaften der Pflanze für die Ölproduktion zu verändern. Auf der gleichen Fläche kann somit ein deutlich höherer Output erzielt werden. Eine solch nachhaltige Intensivierung bewirkt mehr Fläche für die Erhaltung der Biodiversität. Durch einheimisches Tierfutter reduziert sich zudem die Abhängigkeit von CO2-intensiven Futtermittelimporten wie beispielsweise brasilianische Soja.

Weniger Food Loss dank festeren Körnern

Mit neuen gentchnischen Verfahren wie der Genomeditierung können die Eigenschaften von Nutzpflanzen verbessert werden. Ein Beispiel beim Raps ist die Erhöhung der Schotenfestigkeit. Beim Dreschen kommt es häufig vor, dass reife Rapsschoten aufplatzen. Mit festeren Schoten kann dem Platzen vorgebeugt werden und es geht weniger Raps auf dem Feld verloren. Das berichtet der «Schweizer Bauer» in seiner Printausgabe vom 31. März 2021.

Ähnliche Artikel

«Future Food»: Von der Entwicklung in den Einkaufskorb
Wissen

«Future Food»: Von der Entwicklung in den Einkaufskorb

Proteine gehören zu den wichtigsten Bestandteilen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Der grösste Teil des von Menschen konsumierten Eiweiss stammt jedoch von Tieren und ist in der Herstellung äusserst ressourcenintensiv. Wie könnten Alternativen aussehen? Und was braucht es, damit alternative Proteinprodukte auch bei den Konsumenten im Einkaufskorb landen? Darüber sprachen drei Referentinnen und Referenten am Swiss-Food Talk.

Glyphosat bietet viele Vorteile
Wissen

Glyphosat bietet viele Vorteile

Glyphosat ist das bestuntersuchte Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt und dient Bauern dazu, Felder vor der Aussaat effizient und kostengünstig von unerwünschtem Pflanzenbewuchs zu befreien.

«Biologicals» – Biowirkstoffe aus der Forschung
Wissen

«Biologicals» – Biowirkstoffe aus der Forschung

Moderne Pflanzenschutzmittel müssen sicher, zielgerichtet und kurzlebig sein, also kurz nach Erreichen des Ziels abgebaut werden, ohne biologisch aktive Abbauprodukte zu hinterlassen.

Der grosse Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft
Wissen

Der grosse Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft

Biotechnologisch gezüchtete Pflanzen werden seit rund 25 Jahren in vielen Teilen der Erde angebaut. Mehrere Publikationen belegen den grossen Nutzen der Biotechnologie in der Landwirtschaft. Der Anbau der Pflanzen wirkt sich positiv auf die Umwelt, das Klima und die Erträge von Bauern aus.

Weitere Beiträge aus Wissen