Tomaten mit hohem Aminosäuregehalt
In Japan sind seit Kurzem genomeditierte Tomaten auf dem Markt. Dabei handelt es sich um ein Novum. Die Früchte wurden mit der Präzisionszüchtung CRISPR/Cas9 so verändert, dass sie verbesserte Eigenschaften wie beispielsweise eine höhere Aminosäureproduktion aufweisen.
Montag, 4. Oktober 2021
Die Firma Sanatech Seed hat in Japan eine rote sizilianische Tomatensorte auf den Markt gebracht. Wie «RTS» berichtet, handelt es sich dabei um das erste zum Verkauf zugelassene Lebensmittel, das mit CRISPR/Cas9 gezüchtet wurde. Die neuen sehr gesunden Tomaten weisen einen besonders hohen Gehalt der Aminosäure GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) auf. Dieser Neurotransmitter spielt für viele Funktionen des zentralen Nervensystems eine entscheidende Rolle. So soll er beispielsweise auch zu einem gesteigerten Wohlbefinden, weniger Stress, niedrigerem Blutdruck und besserer Schlafqualität beitragen.
Feines Skalpell statt brachialer Hammer
Bei CRISPR/Cas9 handelt es sich um Präzisionszüchtung, mit der das Erbgut einer Pflanze so präzis wie nie zuvor geschnitten werden kann. Die beiden Entdeckerinnen der Methode wurden 2020 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Schon Jahrzehnte zugelassen ist die klassische Mutagenese, die auch in der Biozüchtung eingesetzt wird. Sie greift durch radioaktive oder chemische Behandlung ungezielt ins Erbgut ein. Die erzeugten Pflanzen haben nichts «Unnatürliches» drin. Das gilt auch für Anwendungen der Präzisionszüchtung. Ihr Vorteil: Sie greift gezielt ins Erbgut ein. Während die klassische Mutagenese der ungezielte Hammer ist, ist CRISPR das Skalpell. Und ihr Produkt lässt sich nicht von herkömmlicher Züchtung oder naturidentischen Mutationen unterscheiden. Aus diesem Grund werden in vielen Ländern – so auch in Japan – genomeditierte Pflanzen nicht als GVO (genetisch veränderte Organismen) eingestuft.
Nährstoffreicher Salat
Neben Tomaten arbeiten Forschende mithilfe der Genom-Editierung auch an Salaten, die mehr wertvolle Nährstoffe produzieren. Salate produzieren unter anderem Vitamin C, Beta-Carotin und Vitamin B – dies jedoch in sehr geringen Mengen. Eine israelische Forscherin nutzt die Genschere CRISPR/Cas, damit Salate mehr von den wertvollen Inhaltsstoffen produzieren – zum Nutzen der Konsumentinnen und Konsumenten. Sie ist zuversichtlich, dass ihr Produkt bald für den Markt bereit sein wird.
Ähnliche Artikel
Rückstand ist nicht gleich Rückstand
Schmerzmittel wie Voltaren sind für uns ein Segen – doch in unseren Flüssen können sie Fischen schaden. Würde es sich um Pflanzenschutzmittel handeln, käme sofort der Ruf nach Verboten. Es wird offensichtlich mit ungleichen Ellen gemessen.
ARTE-Dokumentation: Gentechnik in der Biolandwirtschaft?
Die ARTE-Dokumentation «Gentechnik in der Biolandwirtschaft?» beleuchtet zentrale Streitfragen der modernen Landwirtschaft: Ist der generelle Ausschluss neuer Züchtungstechnologien noch zeitgemäss? Lässt sich der Widerstand der Biolandwirtschaft wissenschaftlich begründen?
Das grosse Leiden der Landwirte
Feuerbrand, Japankäfer oder die Goldgelbe Vergilbung – auch im Wallis sehen sich die Bauern den Gefahren, welche die Natur bereithält, zunehmend hilflos gegenüber. Vor allem fehle ihnen immer öfter die Mittel, um ihre Kulturen wirksam zu schützen. Umso wichtiger ist es, dass der Bundesrat beim Festlegen von Grenzwerten eine pragmatische Güterabwägung in den Vordergrund stellt.
Tomaten auf den Augen
Die eingereichte «Lebensmittelschutz-Initiative» fordert «gentechnikfreie Lebensmittel». Abgesehen von dieser illusorischen Forderung: Eine Annahme bedeutet mehr Bürokratie, mehr Handelshemmnisse, weniger Innovation. Der Bauernverband bezeichnet das Begehren als «unnötig» – und warnt vor einem Rückschritt für das Ziel einer noch nachhaltigeren Landwirtschaft.