Versorgungssicherheit gewinnt an Bedeutung

Versorgungssicherheit gewinnt an Bedeutung

Schweizerinnen und Schweizer sind mit der inländischen Landwirtschaft zufrieden. An Bedeutung gewonnen hat jedoch die Versorgungssicherheit. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, welche das Bundesamt für Landwirtschaft zusammen mit dem Agrarbericht 2022 veröffentlicht hat.

Publiziert: 30.11.2022, 09:49 Uhr | Aktualisiert: 03.02.2023, 13:58 Uhr

Der jährlich erscheinende Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) beleuchtet die aktuellen Entwicklungen in der Schweizer Landwirtschaft. Periodisch wird er von einer Umfrage begleitet. Das Forschungsinstitut gfs-zürich eruiert darin im Auftrag des BLW die Stimmung der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft. Grundsätzlich geniessen Landwirtinnen und Landwirte bei den Befragten ein gutes Image. Im Vergleich zu vergangenen Befragungen zeigen sich jedoch Verschiebungen bei den Prioritäten. Die Produktion von Lebensmitteln gehört zu den drei wichtigsten Anliegen der Befragten. Auch wird die Versorgung in der Krise gegenüber der letzten Befragung von 2018 deutlich höher gewichtet. Als Erklärung drängt sich auf: Dies hat sowohl mit der Coronapandemie als auch mit dem Krieg in der Ukraine zu tun.


Selbstversorgungsgrad rückläufig

Der Selbstversorgungsgrad beträgt aktuell 56 Prozent (49 Prozent netto) und ist damit leicht rückläufig. Jedoch variiert der Selbstversorgungsgrad je nach Produkten. Bei Milchprodukten erreicht die Schweiz einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent. Bei pflanzlichen Ölen und Fetten können jedoch nur 24 Prozent des Bedarfs durch die inländische Produktion abgedeckt werden. Das BLW erklärt die leicht rückläufige Produktivität damit, dass die Bevölkerung stärker gewachsen ist als die Nahrungsmittelproduktion. Zudem hat der nasse Sommer 2021 die Getreideernte stark beeinträchtigt. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Bauernbetriebe insgesamt weiter ab. Eine Zunahme ist bei den biologisch bewirtschafteten Betrieben zu verzeichnen. Und auch die landwirtschaftliche Nutzfläche hat im vergangenen Jahr abgenommen. Siedlungs- und Infrastrukturbauten nehmen immer mehr Platz in Anspruch.


Versorgungssicherheit erfordert Technologie

Der jüngste Agrarbericht zeigt ein altbekanntes Dilemma: Die Landwirtschaft muss mit weniger mehr produzieren. Die Bevölkerung erwartet einerseits eine tiergerechte und nachhaltige Produktion und gleichzeitig Versorgungssicherheit. Eine grössere Versorgungssicherheit – insbesondere in Krisenzeiten – bedingt eine Steigerung der inländischen Produktivität. Um diese so nachhaltig und effizient wie möglich und auf den bestehenden Landwirtschaftsflächen zu gestalten, sind neue Technologien vonnöten. Was der Agrarbericht nicht erwähnt, ist die wichtige Rolle von neuen Züchtungsmethoden wie etwa CRISPR/Cas. Oder die Zulassung neuer und umweltschonenderer Pflanzenschutzmittel. Viele innovative Produkte befinden sich seit Jahren in der Warteschleife der Behörden. Wenn der Bund den Wunsch der Bevölkerung nach grösserer Versorgungssicherheit ernst nimmt, kommt er um die Zulassung von innovativen Technologien nicht herum.

Ähnliche Artikel

Die Anti-Food Waste-Banane
Medien

Die Anti-Food Waste-Banane

Die britische Biotechfirma Tropic hat mit der Genschere CRISPR/Cas eine Banane entwickelt, die nicht mehr braun wird. In den USA ist sie bereits auf dem Markt, in England hat sie die entscheidende Zulassungshürde genommen. Dieselbe Technik könnte auch helfen, die beliebteste Banane der Welt vor dem Aussterben zu retten.

Tigermücke: Bund setzt auf Massnahmenplan – doch Insektizide bleiben tabu
Medien

Tigermücke: Bund setzt auf Massnahmenplan – doch Insektizide bleiben tabu

Invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke breiten sich in der Schweiz zunehmend aus. Der Bund schlägt Alarm und will der Mücke mit einem nationalen Massnahmenplan den Garaus machen. Das wirksamste Mittel bleibt aber aussen vor: Insektizide.

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht
Medien

Rekordhitze 2026: Warum die Landwirtschaft robuste Sorten braucht

Hitze, Dürre und Hagel haben den Schweizer Bauern 2026 schwer zugesetzt. Im NZZ-Interview warnt Adrian Aebi, Chef des grössten Schweizer Ernteversicherers: «Machen wir so weiter, blutet die Landwirtschaft aus». Für die Zukunft braucht es vor allem robuste Sorten, die Hitze und Trockenheit aushalten.

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand
Medien

Kartoffelernte auf Rekordtief, und beim Bund herrscht Stillstand

Der Hitzesommer 2026 hat der Schweizer Kartoffel so stark zugesetzt wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Branche fordert deshalb raschere Fortschritte bei resistenten Sorten – und Zugang zu neuen Züchtungstechnologien, wie sie die EU bereits schrittweise erlaubt. Der Bundesrat lässt sich mit der entsprechenden Gesetzesvorlage derweil Zeit bis 2027.

Weitere Beiträge aus Medien