Warum Verbraucher genomeditierte Lebensmittel auf dem Teller akzeptieren
Die Akzeptanz von genomeditieren Lebensmitteln steigt, wenn ihr konkreter Nutzen für Verbraucher nachvollziehbar ist. Studien zeigen: Sichtbare Vorteile für Gesundheit, Umwelt oder Versorgungssicherheit sind entscheidend für die Zustimmung.
Freitag, 27. Februar 2026
Die Akzeptanz von genomeditierten Lebensmitteln steigt, wenn der konkrete Nutzen für Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehbar ist. Eine Untersuchung des Center for Food Integrity (CFI) in Zusammenarbeit mit FMI – The Food Industry Association von Ende 2025 zeigt, dass Konsumentinnen und Konsumenten Technologien wie die Genom-Editierung dann positiv bewerten, wenn sie klare Vorteile für Gesundheit, Umwelt oder Versorgungssicherheit erkennen.
Im Mittelpunkt steht dabei ein Perspektivenwechsel: Statt die wissenschaftliche Methode zu erklären, rückt der konkrete Mehrwert in den Vordergrund. Hoch-GABA-Tomaten, die den Blutdruck senken können, oder Schweine, bei denen der Antibiotikaeinsatz durch Genom-Editierung reduziert wird, verdeutlichen diesen Ansatz.
Solche Anwendungen zeigen, dass Genom-Editierung nicht als abstrakte Hochtechnologie wahrgenommen wird, sondern als Werkzeug, um Lebensmittel robuster, gesünder oder nachhaltiger zu machen. Laut CFI ist genau diese Nutzenorientierung entscheidend, um Akzeptanz aufzubauen.
Die Untersuchung macht zudem deutlich, dass Konsumentinnen und Konsumenten Genom-Editierung nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext globaler Herausforderungen. Klimabedingte Ernteausfälle, steigende Produktionskosten oder Lebensmittelverschwendung beeinflussen die Wahrnehmung neuer Züchtungsmethoden. Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen Krankheiten oder Trockenheit sind, oder Früchte mit längerer Haltbarkeit werden deshalb eher als Teil der Lösung wahrgenommen. Entsprechend sehen die Studienautorinnen und -autoren insbesondere bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Blattgemüse oder Früchten grosses Potenzial für eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.
Diese internationalen Erkenntnisse spiegeln sich auch in der Schweiz wider. Zwei Umfragen von gfs.bern, die für swiss-food.ch durchgeführt wurden, zeigen, dass die Schweizer Bevölkerung offen für Genom-Editierung ist, wenn konkrete Vorteile sichtbar werden. Mehr als 80 % der Befragten unterstützen Pflanzen, die Dank Genomeditgierung gegen Krankheiten resistent sind oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren. Auch Klimaresilienz, längere Haltbarkeit von Lebensmitteln und die Sicherung regionaler Produktion werden positiv bewertet.
Die Umfragen verdeutlichen: Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten reagieren besonders positiv, wenn die Technologie konkrete Probleme löst, statt Technik um der Technik willen einzusetzen.
Zusammenfassend zeigt sich: Die Akzeptanz genom-editierter Lebensmittel wächst dort, wo ihr Mehrwert sichtbar wird. Für Unternehmen, Forschung und Landwirtschaft bedeutet dies, dass nicht die technische Machbarkeit im Vordergrund stehen sollte, sondern die Frage, welchen Beitrag Genom-Editierung zu einer sicheren, nachhaltigen und zukunftsfähigen Ernährung leisten kann. Wird dieser Nutzen verständlich vermittelt, findet die Technologie sowohl international als auch in der Schweiz eine breite Zustimmung.
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