Verkaufsstopps wegen PFAS: Müssen wir uns Sorgen machen?

Verkaufsstopps wegen PFAS: Müssen wir uns Sorgen machen?

Nach spektakulären Verkaufsverboten für Fisch und Fleisch wegen PFAS-Belastungen stellen sich Konsumentinnen und Konsumenten die Frage: Wie gefährlich sind die Stoffe wirklich – und was landet noch bedenkenlos im Einkaufschörbli?

Montag, 22. Dezember 2025

Die Meldungen waren spektakulär: Der Kanton Zug erliess Mitte November einen sofortigen Verkaufsstopp für Egli und Hecht aus dem Zugersee. Für die lokale Fischerei und vor allem für die ansässige Gastronomie am See, die gerne ihre Egli-Chnusperli anbot, war dies ein herber Schlag. Zuvor hatte bereits die Regierung in St. Gallen den Verkauf von Fleisch mit zu hoher PFAS-Belastung verboten. Viele Konsumentinnen und Konsumenten fragten sich: Was können wir überhaupt noch essen?

Eine Untersuchung des Verbandes der Kantonschemikerinnen und -chemiker (VKCS) gibt eine relevante Entwarnung, wie der Tagesanzeiger schreibt: “Bei einer Untersuchung von 900 in der Schweiz verkauften Lebensmitteln wurden nur 0,8 Prozent der Proben beanstandet, weil sie die gesetzlichen Höchstwerte für PFAS überschritten.” Im Fokus standen Lebensmittel tierischen Ursprungs: 401 Fleisch-, 282 Eier- und 206 Fischproben. Dabei wiesen fünf Rindfleischproben sowie je eine Probe von Ei und Fisch erhöhte PFAS-Werte auf. Bei 276 Milchprodukten wurden lediglich zwei Milchproben und ein Joghurt beanstandet.

Die Zahlen zeigen, dass die Fischer das Verkaufsverbot durch die Zuger Regierung nicht zu Unrecht kritisieren. Und dass gerade der Fall des Zugersees nicht auf die gesamte Schweiz übertragen werden kann. Die Untersuchung des VKCS ist denn auch repräsentativ: Die Proben wurden im Detailhandel in der gesamten Schweiz genommen, gewichtet nach der jeweiligen Bevölkerungszahl. Entsprechend sagt VKCS-Präsidentin Alda Breitenmoser: “Konsumentinnen und Konsumenten müssen beim Einkauf in der Schweiz nicht befürchten, dass sie zu stark mit PFAS belastete Lebensmittel im Warenkorb haben.”

Offen bleibt jedoch, ob die belasteten Produkte aus der Schweiz oder aus dem Ausland stammen. Rund 70 Prozent der geprüften Lebensmittel stammen aus der Schweiz und Liechtenstein, der Rest war Importware. Klar ist bereits: In der Schweiz läuft eine breite Diskussion über den Umgang mit PFAS. Dabei gilt wie sonst auch: Eine Regulierung von Stoffen, die für viele Anwendungen kaum alternativlos sind, muss risikobasiert erfolgen. Ein pauschales Verbot wäre falsch, wie auch Chemie-Experte Dominique Werner von Scienceindustries ausführt. Der Bundesrat teilt diese Auffassung: Er hat am 19. Dezember 2025 beschlossen, einen Aktionsplan zu PFAS zu lancieren, der vor allem darauf abzielt, die laufenden Massnahmen zu bündeln und die Koordination mit allen betroffenen Kreisen sowie die Information zu verbessern.

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