Das grosse Leiden der Landwirte

Das grosse Leiden der Landwirte

Feuerbrand, Japankäfer oder die Goldgelbe Vergilbung – auch im Wallis sehen sich die Bauern den Gefahren, welche die Natur bereithält, zunehmend hilflos gegenüber. Vor allem fehlen ihnen immer öfter die Mittel, um ihre Kulturen wirksam zu schützen. Umso wichtiger ist es, dass der zuständige Bundesrat bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eine pragmatische Güterabwägung in den Vordergrund stellt.

Donnerstag, 26. Februar 2026

In einem Artikel von 24 Heures sagt es Georg Bregy, stellvertretender Leiter des Landwirtschaftsdienstes des Kantons Wallis, deutsch und deutlich: «Der Druck durch Schadorganismen nimmt zu, und die Unsicherheiten sind beträchtlich. Uns fehlen die Ressourcen, um sie zu bekämpfen.»


Hilflos im Kampf gegen verheerende Krankheiten

Einer, der eine solche Schlacht gegen eine Krankheit verloren hat, ist beispielsweise der Bauer Joël Bessard. Auf seinem Grundstück in der Region Charrat (VS) waren mehrere Birnbäume von Feuerbrand befallen – einer hochansteckenden Krankheit, die Bäume und Pflanzen befällt und ihre Blüten welken lässt. Die Diagnose wurde an einem Freitag gestellt. Die Konsequenz folgte umgehend: Bereits am Montag mussten die Bäume gefällt werden. Der Fall Bessard ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie schwierig es für die Bauern geworden ist, ihre Kulturen zu schützen.

Dabei gäbe es Abhilfe: In jahrelanger Arbeit und unter grössten Auflagen haben die Forscher von ETH und Agroscope feuerbrandresistente Apfelbäume gezüchtet. Doch die Schweiz kennt seit 20 Jahren ein Gentechverbot. Apfelzüchter setzen sich daher schon länger für die Aufhebung des Gentechverbots ein, auch um dem Feuerbrand Herr zu werden..

Die aktuelle Lage sei heikel, betont auch Bregy: Neben dem Feuerbrand richtet die Goldgelbe Vergilbung in Weinbergen verheerende Schäden an. Bis 2025 hat sich die befallene Fläche um fast 38 Prozent vergrössert und umfasst nun 1'320 Hektaren beziehungsweise rund 15'000 Parzellen.Die Krankheit wird von einer Zikade übertragen, zu deren Bekämpfung auch im Biolandbau Insektizide eingesetzt werden. Zum Zug kommt die Schwestersubstanz zu den synthetisch hergestellten und daher oft skandalisierten Pyrethroiden: Pyrethrin, das aus in Monokulturen angebauten Chrysanthemen extrahiert wird.


Der Japankäfer bedroht nicht nur Fussballrasen

Doch Krankheiten sind nicht die einzige Gefahr, die auf den Feldern lauert. Zunehmend bereitet den Bauern auch tierischer Befall Sorgen – etwa durch den Japankäfer. Dieser befällt nicht nur Reben und Obstbäume, sondern auch Beerenkulturen, Mais, Sojabohnen und rund 400 weitere Pflanzenarten. Gemäss Agroscope könnte dieser Schädling künftig Ernteausfälle in Höhe von mehreren Dutzend oder gar mehreren Hundert Millionen Franken verursachen, wie 24 Heures schreibt.

Und das Problem dürfte sich weiter verschärfen: Wegen der zunehmend milden Winter spitzt sich die Situation zu. Laut Danilo Bächler, Leiter Pflanzenschutz am Bildungszentrum Wallierhof, schlüpfen aufgrund der wärmeren Temperaturen mehr Insektengenerationen pro Jahr. Zudem steige das Risiko invasiver Arten und von durch Insekten übertragenen Pflanzenkrankheiten, wie die Schweiz am Wochenende berichtet. Fehlen längere Frostperioden, kann der Schädlingsbefall früher einsetzen.


Güterabwägung zwischen Schutz der Nahrungsproduktion und der Umwelt unerlässlich

Diese Entwicklungen sind keine guten Nachrichten für die Bauern – zumal ihnen immer weniger wirksame Gegenmittel zur Verfügung stehen. Umso wichtiger ist es, dass auch die zuständigen Ämter eine pragmatische Herangehensweise verfolgen, die auch die Realität der landwirtschaftlichen Betriebe berücksichtigt. So wurden kürzlich vier Pflanzenschutzmittel vorläufig nicht mit spezifischen Grenzwerten versehen, weil den Bauern schlich die wirksamen Alternativen fehlen.

Letztlich führt kein Weg an einer sorgfältigen Güterabwägung vorbei, welche sämtliche involvierten Interessen einbezieht – wie auch das UVEK im Zusammenhang mit der Kritik am Vorgehen von Bundesrat Rösti festhält. In diese Abwägung fliessen wissenschaftliche, praktische und politische Überlegungen ein. Dies liegt tatsächlich im Interesse der Bauern – aber auch im Interesse aller, die zum Beispiel lokal produzierten Raps statt Palmöl fordern.

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