Lagergemüse wird zur Mangelware

Lagergemüse wird zur Mangelware

Die aussergewöhnlich schlechten Witterungsverhältnisse führten in der Schweizer Landwirtschaft zu massiven Ernteausfällen. Im Sommer fehlte zeitweise rund die Hälfte des Gemüses. Die Auswirkungen des Regensommers 2021 werden noch längere Zeit spürbar bleiben. Einheimisches Lagergemüse dürfte bis im kommenden Frühling Mangelware sein.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Der nasse und kühle Sommer traf die gesamte Landwirtschaft hart. Wie der «Schweizer Bauer» berichtet, hatten Gemüsebauern jedoch besonders grosse Ausfälle zu verzeichnen. Beim Freilandgemüse hatten diverse Produzenten aufgrund schweren Hagels Teil- oder gar Totalausfälle zu beklagen. Durch die grossen Regenmengen standen viele Kulturen zudem über längere Zeit im Wasser und verfaulten. Markus Waber, stellvertretender Direktor des Verbands der Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) sagt gegenüber dem «Schweizer Bauer»: «Einige Gemüsearten traf es schlimmer als andere – beispielsweise war die Situation bei den Salaten aussergewöhnlich.» Normalerwiese, so Waber, müsste im Sommer keine Salate importiert werden. Das war in diesem Jahr anders. Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft mussten im Juli 680 Tonnen Eisbergsalat importiert werden. Im Jahr zuvor waren es gerade mal 300 Kilogramm.


Bis zu 50 Prozent der Waren fehlte
Zeitweise fehlten gemäss Waber in diesem Sommer bis zu 50 Prozent der Ware. Neben Salaten war auch anderes Freilandgemüse betroffen. Bei Broccoli, Blumenkohl, Zucchetti und Fenchel fehlten zeitweise 30 bis 40 Prozent der Produkte. Auch dort kam es zu aussergewöhnlich hohen Importen. «Über das ganze Gemüsesortiment fehlten im Hochsommer schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der üblichen Mengen», sagt Waber im «Schweizer Bauer». Doch die Auswirkungen des Sommers 2021 werden wohl noch länger spürbar bleiben. Lagergemüse wie Zwiebeln oder Karotten konnten erst viel später als üblich angesät werden. Dadurch sinkt die zu erwartende Erntemenge und die Karotten werden vermutlich kleiner sein als sonst. Denn sie hatten für das Wachstum weniger Zeit. Voraussichtlich werden bis in den Frühling Importe nötig sein, um die Nachfrage nach Lagergemüse decken zu können.


Es braucht neue Pflanzenschutzmittel
Aufgrund des Klimawandels werden Wetterextreme in Zukunft häufiger auftreten. Landwirtinnen und Landwirte müssen sich auf dieses Szenario vorbereiten. Was sie brauchen, ist ein voller Werkzeugkasten. Und dazu gehören auch Pflanzenschutzmittel. Mit Ihrer Hilfe konnten vielerorts Totalausfälle – insbesondere wegen Pilzkrankheiten – verhindert werden. Laut «NZZ» konnten Totalausfälle bei Zwetschgen und Kirschen nur dank Pestiziden verhindert werden. «Ohne den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wäre vor allem bei Kirschen und Zwetschgen wohl ein Totalausfall entstanden», sagt Edi Holliger vom Schweizerischen Obstverband der Zeitung. Gleichzeitig werden immer mehr Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen und ersatzlos gestrichen. Viele Schweizer Landwirte können ihre Kulturen nicht mehr zuverlässig vor Schädlingen und Pflanzenkrankheiten schützen. Neue und umweltverträglichere Mittel stecken im Zulassungsprozess fest. Wenn nicht bald Abhilfe kommt, werden die Importe in Zukunft deutlich zunehmen.

Ausfälle auch bei Chabis
Nebst dem Lagergemüse ist auch Freilandgemüse wie Weisskohl knapp. Die Hersteller von Sauerkraut müssen aufgrund der Ernteausfälle Weisskohl wohl aus dem Ausland importieren.

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