Deklassierter Weizen und Obst mit Befall

Deklassierter Weizen und Obst mit Befall

Die schlechte Witterung sorgte diesen Sommer bei diversen Pflanzenkulturen für magere Ernten. Besonders betroffen ist der Weizen. Je nach Region musste bis zu 90 Prozent der Ernte deklassiert werden. Doch auch Obst und Gemüseproduzenten sind betroffen. Zu wenig Sonnenschein, Dauerregen und massive Hagelstürme führten teilweise zu Totalausfällen. Nur ein goldener Herbst könnte noch etwas Linderung bringen.

Mittwoch, 15. September 2021

Es sind keine schönen Tage für die Silochefs der Schweiz. Kaum einer kann sich an ein vergleichbar schlechtes Weizenjahr erinnern. In der Innerschweiz wurde ein beträchtlicher Teil der Ernte durch Hagelschläge zerstört. Aber auch dort, wo es keinen Hagel gab, sind die Erträge gering. Wie die «BauernZeitung» schreibt, liegen die Erträge dort im Schnitt bei 50 bis 60 dt/ha. Im Vergleich zu anderen Jahren haben die Sammelstellen rund ein Drittel weniger Weizen angenommen. Je nach Region mussten sogar bis zu 90 Prozent der Ernte aufgrund mangelnder Qualität deklassiert werden. Das heisst, dass der Weizen nur noch als Futtermittel zum Einsatz kommt. Die Gründe für die Deklassierungen lagen etwa je zur Hälfte an zu niedrigem Hektolitergewicht (verbreitetes Qualitätsmerkmal) sowie Auswuchs (vorzeitiges Auskeimen). Doch auch der Befall mit Mykotoxinen (krebserregenden Pilzgiften) ist ein Grund, dass Weizen abgeschrieben werden musste.


Fehlende Sonne für Obst und Gemüse

Nicht nur Weizenproduzenten waren vom schlechten Sommerwetter betroffen. Auch die Gemüse- und Obstbauern litten unter den misslichen Bedingungen. Auch dort haben heftige Nieder- und Hagelschläge massiven Schaden bei den Freilandkulturen angerichtet. Für Gurken, Tomaten und Auberginen in Gewächshäusern mangelte es an Sonnenschein. Gemäss «St. Galler Tagblatt» betrugen die Ernteausfälle – im Vergleich zum potenziellen Marktvolumen – beim Kopfsalat zwischen Juni und August etwa 50 Prozent. Bei Zucchetti, Brokkoli und Blumenkohl liegt der Wert zwischen 30 und 40 Prozent.

Für die Obstbauern war vor allem die Dauernässe im Mai problematisch. Sie führte dazu, dass sich die Gefahr von Pilzkrankheiten erhöhte. So ist bei Äpfeln der Befall mit Schorf und bei Kirschen der Fäulnispilz «Monilia» ein Problem. Der Aufwand, um die Ernten zu schützen, nimmt gewaltig zu. Ein fast grösseres Problem als die Nässe sind jedoch auch im Obstbau die fehlenden Sonnenstunden. Ein Mangel an Wärme und Licht führt zu niedrigerer Qualität und Grösse des Ernteguts. Ohne goldenen Herbst kommt es gemäss «St. Galler Tagblatt» bei Lagergemüse zu einer Lücke, die dann mit Importen gedeckt werden müsste. Das wäre umso bedauerlicher, weil die Karotte mit einem Pro-Kopf-Konsum von neun Kilogramm das beliebteste Schweizer Gemüse darstellt.

Schlechtes Erntejahr 2021

Das Jahr 2021 hinterlässt in praktisch allen Kulturen Spuren in Form von Ernteverlusten und Totalausfällen. Besonders betroffen sind Weinbau und Obstbau, wo starke Hagelschläge einen Grossteil der Früchte zerstörten. Hinzu kam jedoch auch Staunässe auf den Feldern und der starke Druck von Pflanzenkrankheiten. Mehltau sowie Kraut- und Knollenfäule konnten sich aufgrund der feuchtnassen Bedingungen besonders gut ausbreiten. Um die Kartoffeln einigermassen vor der Kraut- und Knollenfäule zu schützen, waren Bauern auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen. Ohne diese Mittel wäre es wohl auch im Kartoffelbau zu Totalausfällen gekommen. Vor 150 Jahren zerstörte die Pilzkrankheit ganze Jahresernten und führte zu schrecklichen Hungersnöten, die in Irland eine Million Todesopfer (bei damals 8 Millionen Einwohnern) forderte und eine Massenemigration auslöste. Der nasse Sommer 2021 hätte in früheren Generationen – wo keine wirksamen Pflanzenschutzmittel vorhanden und Importe nicht möglich waren – wohl ebenfalls zu einer Hungersnot geführt.Dies just in dem Sommer, in dem zwei Volksinitiativen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbieten oder den Nichteinsatz und damit den Food Waste auf dem Acker finanziell belohnen wollten. Eine aktuelle Untersuchung von Agroscope bestätigt einmal mehr: Ein Totalverzicht auf Pflanzenschutzmittel würde Ernteausfälle von bis zu 47 Prozent mit sich bringen. Das hiesse: Mehr Importe, dort wo Importe möglich sind. Wo kein Ersatz beschafft werden kann, kommt Zweitklassware in die Regale oder sie bleiben leer. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet Verknappung auch höhere Preise.

Sources

BauernZeitung, 31. August 2021

St. Galler Tagblatt, 1. September 2021 (nur Print)

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