Warum strenge Gentech-Regulierung Innovation bremst

Warum strenge Gentech-Regulierung Innovation bremst

Neue Züchtungsmethoden wie Crispr-Cas gelten als Schlüssel für resistente Pflanzen, stabile Erträge und weniger Pflanzenschutz. ETH-Professor Bruno Studer warnt: Wer diese Technologien überreguliert, stärkt ausgerechnet jene grossen Agrarfirmen, die man eigentlich bremsen will – und schliesst kleinere Züchter und Start-ups vom Markt aus.

Dienstag, 3. Februar 2026

Neue Züchtungsverfahren (NZV) verändern die Pflanzenzüchtung grundlegend. Sie ermöglichen gezielte, präzise und kontrollierte Eingriffe ins Erbgut und gelten für ETH-Professor Bruno Studer als Weiterentwicklung der klassischen Züchtung. Das ist einem Interview im «Schweizer Bauer» zu entnehmen.

Während bei der klassischen Mutagenese tausende zufällige Veränderungen entstehen, erlaubt Genom-Editierung mit Methoden wie Crispr-Cas punktgenaue Anpassungen ohne zusätzliche Genveränderungen. Das Resultat ist genetisch nicht von klassisch gezüchteten Pflanzen zu unterscheiden. Trotzdem werden NZV-Pflanzen in der Schweiz strenger reguliert – ein Paradox, das identische Pflanzen unterschiedlich behandelt, je nach eingesetzter Methode.


EU bewegt sich – Schweiz zögert

In der EU zeichnet sich ein Kurswechsel ab. Am 3. Dezember 2025 einigten sich die Unterhändler der 27 EU-Staaten und des Europaparlaments darauf, Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden weitgehend den konventionell gezüchteten gleichzustellen. Lebensmittel aus diesen Pflanzen sollen ohne spezielle Kennzeichnung verkauft werden können. Sollte das Parlament und der Rat zustimmen, wäre dies ein historischer Durchbruch für die europäische Pflanzenzüchtung.

Die Schweiz hingegen plant weiterhin ein eigenes Gesetz mit obligatorischer Umweltrisikoprüfung – auch für NZV-Pflanzen ohne artfremde Gene. Für Studer ist das problematisch: Schweizer Bauern und Züchter würden dadurch gegenüber der EU benachteiligt. Der Austausch von Saatgut würde erschwert, teilweise sogar verunmöglicht.


Je höher die Hürden, desto grösser die Marktkonzentration

Ein zentrales Argument der Kritiker neuer Züchtungstechniken ist die Macht grosser Agrarkonzerne. Doch genau hier setzt Studers Warnung an: Mehr Regulierung führt nicht zu mehr Vielfalt, sondern zu mehr Konzentration. In den letzten Jahrzehnten sind Agrarfirmen nicht nur wegen technischer Überlegenheit gewachsen, sondern und vor allem wegen massiv steigender regulatorischer Anforderungen. Forschung, Entwicklung und Zulassung neuer Sorten wurden immer teurer und komplexer. Die Folge: Konsolidierung. Kleine Züchter verschwanden, Start-ups scheitern oft schon am «Go to market».

Strenge Regeln können sich am Ende nur noch grosse Konzerne leisten. Wer den Zugang zu neuen Methoden beschränkt, schliesst kleinere Akteure aus – und verstärkt genau jene Marktmacht, die viele kritisieren.

Studer plädiert deshalb für einen anderen Ansatz: Wenn man eine vielfältige Züchtungslandschaft will, muss man Marktzugangshürden senken. Innovation entsteht dort, wo viele Akteure Zugang zu modernen Werkzeugen haben.


Die globale Konkurrenz schläft nicht

Während Europa und die Schweiz noch diskutieren, schreitet die Innovation anderswo rasch voran. In den USA, Brasilien und besonders in China werden genomeditierte Pflanzen bereits breit entwickelt und zugelassen. Laut dem Point-Newsletter von scienceindustries stammen 509 der weltweit rund 900 bekannten Projekte zu genomeditierten Nutzpflanzen aus China. Die Züchtungsziele reichen von höheren Erträgen über Stresstoleranz bis hin zu besserer Nahrungs- und Futtermittelqualität.

Wer neue Züchtungstechniken blockiert, schützt nicht die Vielfalt – sondern bremst sie. Eine diversifizierte Pflanzenzüchtung braucht weniger ideologische Abgrenzung und mehr Pragmatismus. Deregulierung senkt Marktzugangshürden, ermöglicht Innovation und stärkt eine breite Züchtungslandschaft. Genau darin liegt der Schlüssel für nachhaltige Landwirtschaft und Versorgungssicherheit.


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