Natürlich ist natürlich gefährlich – Warum pflanzeneigene Gifte unterschätzt werden
Viele glauben, dass natürliche Lebensmittel sicherer sind als solche mit synthetischen Pestiziden. Doch Pflanzen produzieren ihre eigenen Gifte – und die sind oft genauso riskant. Während künstliche Rückstände reguliert werden, bleiben natürliche Abwehrstoffe weitgehend unbeachtet. Ein Trugschluss, wie Wissenschaftler Bruce Ames zeigt.
Publiziert: 07.02.2025, 16:23 Uhr
In seiner vielbeachteten Studie aus dem Jahr 1990 «Dietary Pesticides (99.99 per cent All Natural)» zeigt Ames, dass 99,99 Prozent der Pestizide in unserer Nahrung natürlichen Ursprungs sind. Pflanzen schützen sich selbst, indem sie chemische Abwehrstoffe gegen Insekten und Mikroorganismen produzieren. Diese Substanzen sind in Gemüse, Obst und Gewürzen enthalten – also in Lebensmitteln, die als besonders gesund gelten. Doch Untersuchungen zeigen, dass die Hälfte dieser natürlichen Pestizide in Tierversuchen krebserregend wirken. Dasselbe gilt für synthetische Pestizide, die jedoch streng reguliert sind.
Doppelmoral bei der Risikobewertung
Während synthetische Rückstände regelmässig in den Schlagzeilen landen, wird über natürliche Pflanzengifte kaum gesprochen. Dabei enthält eine Tasse Kaffee mehr bekannte Karzinogene als die Menge Pestizidrückstände, die über andere Nahrungsmittel während eines ganzen Jahres aufgenommen werden. Dennoch gilt Kaffee nicht als gefährlich – ein Widerspruch, den Ames und andere Forscher kritisieren. Auch das Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein vieler Verbraucher beruht auf dieser verzerrten Wahrnehmung.
Nicht Angst, sondern Wissenschaft zählt
Im Interview mit Virginia Postrel («Of Mice and Men») betont Ames, dass sich die Debatte um Krebsprävention auf das Wesentliche konzentrieren sollte. Wichtiger als Panikmache um Pestizidrückstände ist eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass eine ausgewogene Ernährung das Krebsrisiko senkt – egal ob die Lebensmittel geringe Mengen an synthetischen oder natürlichen Pestiziden enthalten.
Wer wirklich gesünder leben will, sollte nicht auf «Bio» als Sicherheitsgarantie setzen, sondern auf faktenbasierte Entscheidungen. Die Frage ist nicht, ob Pestizide – ob natürlich oder synthetisch – schädlich sind, sondern wie wir mit wissenschaftlichem Fortschritt echte Gesundheitsrisiken reduzieren können.
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