Die billige Tomate aus Spanien ist Vergangenheit – jetzt braucht es Innovation

Die billige Tomate aus Spanien ist Vergangenheit – jetzt braucht es Innovation

Immer weniger Pflanzenschutzmittel, gleichzeitig steigender Schädlingsdruck und Grossverteiler, die tiefe Preise wollen: Spaniens Gemüseproduktion steckt in einem Dilemma, das auch die Schweiz betrifft. Lösen lässt es sich nur mit Züchtung und Digitalisierung.

Montag, 15. Juni 2026

Rund ein Drittel der Schweizer Gemüseimporte stammt aus Spanien, vieles davon aus dem «mar de plástico» bei Almeria, dem grössten Gewächshausgebiet der Welt. Eine Swissinfo-Recherche zeigt nun, dass dieses Modell der billigen Tomate unter Druck gerät – aus Gründen, die auch die Schweiz betreffen.

Auf der einen Seite schrumpft der Werkzeugkasten der Produzenten: Die EU hat die zugelassenen Pflanzenschutz-Wirkstoffe in 25 Jahren von über 1000 auf rund 500 halbiert. Gleichzeitig setzen die Grossverteiler eigene, häufig noch strengere Grenzwerte fest – wollen aber die tiefen Ladenpreise nicht antasten. «Alle wollen über Nachhaltigkeit reden, aber im Regal trotzdem sehr tiefe Preise sehen», sagt der spanische Produzent José Antonio Cánovas Zafra gegenüber Swissinfo. Ein Plus von vier Rappen pro Kilo Melonen sei bei den Grossverteilern kaum durchzusetzen. Nachhaltig ist das nicht – für niemanden. Denn Nachhaltigkeit hat immer noch drei Dimensionen, doch wird die soziale und ökonomische Dimension gerne ausgeblendet oder verkürzt interpretiert. Wirklich nachhaltig ist aber nur, was für alle in der Wertschöpfungskette aufgeht und über längere Zeit Bestand hat.


Alle zwei Jahre ein neuer Pflanzenerreger

Das Problem dieser Widersprüche entschärft sich nicht von selbst. «Alle zwei Jahre taucht ein neuer Pflanzenerreger auf», sagt Uri Krieger, Forschungschef für Gemüsesaatgut bei Syngenta. Weniger Wirkstoffe treffen also auf einen steigenden Schädlings- und Krankheitsdruck. Damit ist das Dilemma umrissen: Wer weniger spritzen soll, braucht teurere Alternativen – bezahlen will sie aber niemand.

Den Ausweg liefern Technologien – und die Firmen, die sie entwickeln, z.B. das Agrartechnologie-Unternehmen Syngenta. Es hat mitten im «Plastikmeer» von El Ejido ein Forschungszentrum eröffnet, das neue Krankheiten früh erkennen und in Rekordzeit widerstandsfähige Sorten entwickeln soll. Solche Sorten machen Spritzmittel teilweise überflüssig oder reduzieren ihren Einsatz.

Mit genetischen Markern verkürzt Syngenta die Entwicklung einer resistenten Sorte von sechs bis sieben auf drei bis vier Jahre – ein gangbarer Weg, kostet doch ein einziges neues Pflanzenschutzmittel das Unternehmen rund 300 Millionen Dollar und zwölf Jahre Entwicklungs- und Testzeit. Dazu kommt die Digitalisierung: Die Genossenschaft Vicasol, welche die Produzenten vor Ort umfasst, investierte sechs Millionen Euro in KI-Sortierung und Automatisierung bei der Verarbeitung der Ernten und senkte die Arbeitskosten an einzelnen Linien um rund einen Drittel.

Für die Schweiz ist die Lehre einfach: «Günstig im Laden und nachhaltig für alle in der Wertschöpfungskette» gibt es nicht zum Nulltarif. Wer den bewährten Pflanzenschutz zurückfährt, muss die wegfallenden Werkzeuge ersetzen – sonst gewinnen am Ende die Schädlinge, nicht die Umwelt. Genau diesen Ersatz liefern Unternehmen wie Syngenta mit resistenteren Sorten und die Branche insgesamt mit Digitalisierung. Damit solche Lösungen greifen, brauchen sie aber regulatorischen Spielraum, gerade bei neuen Züchtungsmethoden. Wer Innovation ausbremst, verschärft das Dilemma, statt es zu lösen. Denn für echte, messbare Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz braucht es mehr, nicht weniger Technologie.

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