Laborfleisch bald in Schweizer Läden?
Die Forschung an Alternativen zu tierischem Fleisch läuft auf Hochtouren. Kultiviertes Fleisch könnte in Zukunft eine ressourceneffiziente Proteinquelle sein. Die Migros möchte nun zusammen mit einem israelischen Start-up den Schweizer Markt mit kultivierten Rindersteaks erobern. Die beiden Unternehmen haben beim Bund ein entsprechendes Bewilligungsgesuch eingereicht.
Freitag, 18. August 2023
Wie «20 Minuten» berichtet, möchte das israelische Start-up Aleph Farms die weltweit ersten kultivierten Rindersteaks in der Schweiz auf den Markt bringen. Es reichte dafür in Zusammenarbeit mit der Migros beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) einen Antrag um Zulassung ein. Die Migros arbeitet seit 2019 mit Aleph Farms zusammen und beteiligt sich auch in der Schweiz an der Entwicklung von alternativen Fleischprodukten. Die Migros sieht in Laborfleisch ein grosses Potenzial, um den weltweit steigenden Fleischkonsum nachhaltig decken zu können. Gemäss einer Umfrage von Migros und Aleph Farms stehen 74 Prozent der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten kultiviertem Fleisch offen gegenüber. Allerdings dürfte es noch einige Jahre dauern, bis die kultivierten Steaks in Schweizer Läden gekauft werden können. Gemäss «20 Minuten» rechnet die Migros nicht mit einem Vertrieb vor dem Jahr 2030.
Alternative Proteinquellen gesucht
Bei kultiviertem Fleisch, auch In-vitro-Fleisch genannt, handelt es sich um Fleischprodukte, die nicht am Tier gewachsen sind. In einem speziellen Nährmedium werden Muskelstammzellen von Rindern zum Wachstum angeregt. Das Fleisch wächst also in einem Behälter und nicht an einem Tier. So sollen in Zukunft Steaks und andere Fleischprodukte auf ressourceneffizientere und klimaschonendere Art produziert werden können. Es ist ausserdem ein Beitrag an die Entwicklung von alternativen Proteinquellen. In Ländern mit westlich geprägtem Ernährungsstil liefern die tierischen Lebensmittel den Hauptanteil an der Proteinversorgung. Da die Produktion von tierischen Proteinen äusserst viele Ressourcen wie Land, Wasser oder Futtermittel in Anspruch nimmt, sind alternative Proteinquellen gesucht.
Ob die Proteine aus dem Labor am Ende wirklich ressourceneffizienter sind, muss sich aber noch zeigen. Doch eines ist klar: Damit die Menschen auf nicht tierische Proteine umsteigen, müssen die Produkte ihnen schmecken und sie müssen mit den lokalen Esstraditionen übereinstimmen.
Sonst werden die Produkte nicht gekauft und können somit auch keinen Beitrag an den Umweltschutz leisten. Zudem müssen die Lebensmittel für alle erschwinglich sein. Und dazu braucht es Unternehmen, die in grossem Massstab produzieren können.
Milch aus dem Labor
Neben dem Fleisch könnte in Zukunft auch die Milch aus dem Labor beziehungsweise aus dem Fermenter kommen. Das israelische Start-up Remilk nutzt Präzisionsfermentation zur Herstellung einer Milch, die sich sowohl optisch als auch geschmacklich nicht von der originalen Kuhmilch unterscheidet. Die «kuhfreie» Milch besitzt gemäss dem Start-up jedoch einen bedeutend kleineren ökologischen Fussabdruck.
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