Industry research for large-scale sustainability
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19.06.2026

Die EU geht in Führung – die Schweiz gerät ins Abseits

Liebe Leserinnen und Leser

Schweiz, Singapur und Hongkong wurden im neuesten IMD World Competitiveness Ranking (WCR) zu den wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt ernannt. Auch das SECO jubelt: «Seit 15 Jahren steht die Schweiz an der Spitze des weltweiten Innovationsrankings». Alles bestens also im Land der Tüftler, Chlüteris und Forscher? Nein! Denn der selbstzufriedene Innovationsweltmeister Schweiz lässt sich in einer Zukunftstechnologie wie der Genom-Editierung ausgerechnet von EU-Brüssel überholen.

Die Schweiz erbringe unter den fast 140 Volkswirtschaften der Erde die höchste Innovationsleistung, schreibt Switzerland Global Enterprise mit Verweis auf den Global Innovation Index (GII) 2025 der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO). Doch der Spitzenplatz ist kein Selbstläufer, und der Vorsprung schmilzt langsam, hält das SECO immerhin etwas warnend in seiner Jubelmeldung fest. Ein Lehrstück dazu liefert gerade die Genom-Editierung bei Pflanzen. Dort steht die Schweiz seit dem 17. Juni 2026 noch weiter im Abseits, nachdem nach Grossbritannien nun auch die EU ihre Regulierung an die wissenschaftliche Realität angepasst hat. Ein Schritt, auf den man hierzulande bisher vergeblich wartet.

Denn eigentlich ist die Sachlage längst klar: Sogenannte genom-editierte Pflanzen, denen keine fremde DNA eingefügt wurde, lassen sich nicht von Pflanzen unterscheiden, die auf natürliche Weise oder durch klassische Züchtung entstanden sind. Sie sind also im Produkt identisch und unterscheiden sich lediglich in ihrer Entstehung.

Genom-Editierung – die gezielte Veränderung einzelner Stellen im Erbgut einer Pflanze – ist eine präzisere Form der Pflanzenzüchtung. Die Eingriffe ins Genom sind weit weniger weitreichend als bei der Zufallszüchtung, der sogenannten klassischen Mutagenese, bei der die Pflanzen mit radioaktiver Strahlung oder chemischer Behandlung traktiert werden, um so die stärksten Pflanzen zur Weiterzucht zu selektionieren. Mit dieser auch in der Schweiz erlaubten Art von Gentechnik sind in den vergangenen Jahrzehnten Tausende von Pflanzensorten entstanden – die heute selbstverständlich und auch mit Bio-Label auf unseren Tellern landen.

Neben dieser Brachialbehandlung erscheint die Gen-Schere, also der präzise Eingriff mittels Genom-Editierung, als geradezu sanft. Hinzu kommt: Genom-editierte Pflanzen gelten nach breiter wissenschaftlicher Einschätzung als sicher für Mensch und Umwelt. Entsprechend sind solche Pflanzen und die daraus hergestellten Lebensmittel in zahlreichen Ländern bereits für Anbau und Handel zugelassen.

Soweit die Fakten.

Auf politischer Ebene hatten sich diese Erkenntnisse bislang weder in der EU noch in der Schweiz in einer konkreten Gesetzgebung niedergeschlagen. Das hat sich nun seit dem 17. Juni 2026 geändert – aber leider nur in der EU: Das Europäische Parlament sprach sich nach drei Jahren intensiver Verhandlungen für eine Liberalisierung der modernen Pflanzenzüchtungen aus. Die schwedische EU-Abgeordnete Jessica Polfjärd sagte es im Rat treffend: «Wir können es uns nicht leisten, die Herausforderungen von morgen mit den Mitteln von gestern zu bewältigen.» Und weiter: «Heute schreiben wir Geschichte.»

Künftig sollen genom-editierte Pflanzen, sofern sie keine artfremde DNA enthalten (sog. NGT-1), weitgehend wie konventionelle Pflanzen behandelt werden: Saatgut muss zwar als sog. NGT-1 gekennzeichnet sein, damit Landwirte eine informierte Entscheidung treffen können, eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel und Futtermittel gibt es aber nicht mehr. Pflanzen mit komplexeren Veränderungen bleiben dagegen den bestehenden Gentechnik-Regeln unterstellt.

Was nach einem überschaubaren Schritt klingt, ist angesichts der langen und hindernisreichen Geschichte der gentechnischen Pflanzenzüchtung ein eigentlicher Quantensprung. Endlich hat die EU eine Regelung gefunden, die der Evidenz folgt statt der Ideologie. Dies dank der engen Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Züchter- und Landwirtschaftsverbänden.

Der neue Rechtsrahmen bietet einen ausgewogenen, wissenschaftlich fundierten Ansatz, der Innovationen in der Pflanzenzüchtung ermöglicht und gleichzeitig Transparenz und Rechtssicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft gewährleistet. Er schafft die Voraussetzungen für die Entwicklung verbesserter Pflanzensorten. Diese können dazu beitragen, die zentralen Herausforderungen der europäischen Landwirtschaft zu bewältigen, darunter Klimawandel, zunehmender Druck durch Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten. Ausserdem können sie die Ressourceneffizienz verbessern und die langfristige Ernährungssicherheit stärken. Es erstaunt daher nicht, dass auch Copa Cogeca, der grösste Interessenverband der europäischen Landwirte, die Regelung ausdrücklich begrüsst. Und das Timing könnte nicht treffender sein: Die aktuelle Trockenheit und Hitzewelle ist eine riesige Herausforderung für die Schweizer Bauern, wie SRF nur einen Tag nach dem EU-Entscheid berichtet. Wir werden in Zukunft alle Werkzeuge brauchen, die wir zur Verfügung haben. So z.B. auch die unter dem Namen TEgenesis bekannte Methode, welche es ermöglicht, stressresistente Pflanzen zu züchten aber bis heute nicht zugelassen ist.

Die Gegner kämpften bis zuletzt, um die Liberalisierung zu verhindern: In der vorberatenden Kommission wie im Parlament versuchten sie, den Prozess mit immer neuen Anträgen zu torpedieren. Ihr Kalkül: über eine Flut von Einzelanträgen die ganze Liberalisierung zurück auf Feld eins zu werfen und so das Dossier zu verzögern.

Diese Strategie scheiterte – und doch ist sie bezeichnend. Denn genau dasselbe Muster werden wir wohl auch in der Schweiz erleben. Wer eine Technologie sachlich nicht überzeugend ablehnen kann, versucht sie über zusätzliche Komplexität auszubremsen: «Increasing complexity» als Verunsicherungsstrategie. Es lohnt sich, dieses Manöver beim Namen zu nennen, bevor es hierzulande wieder aufgefahren wird.

Denn auch in der Schweiz wird bald wieder zur Debatte stehen, wie man mit dem Fortschritt in der Pflanzenzüchtung umgehen will. Hierzulande war man eigentlich schon einmal weiter als die EU. 2022 verlangte das Parlament vom Bundesrat, dass er aufzeigen soll, wie die neuen Methoden auch in der Schweiz Anwendung finden können. Doch seither wird die Frage eher homöopathisch behandelt: Der Vernehmlassungsentwurf des Bundesrates war so zaghaft und unpraktikabel, dass man am Liberalisierungswillen zweifeln darf. Die EU-Entscheidung erhöht nun den Druck – nicht nur, weil die staatliche Forschung in der Schweiz ohne gleich lange Spiesse weiter an Boden verliert, sondern auch, weil sich im internationalen Handel rasch die Frage stellt, wie die Schweiz den Import genom-editierter Nahrungs- und Futtermittel handhaben will. Wenig überraschend haben sich auch die Gentechnik-Gegner in der Schweiz nach dem EU-Entscheid zu Wort gemeldet und diesbezüglich von einer «Gefahr» gesprochen.

Diese liegt jedoch woanders: Nämlich, dass die Schweiz den Anschluss verpasst. Für einmal gilt: Sich an Brüssel zu orientieren, heisst, sich auf den Fortschrittspfad zu begeben. Und zur nachhaltigen Sicherung des liebgewonnenen Spitzenplatzes sollte das IMD World Competitiveness Ranking (WCR) fertig gelesen werden. Dort steht nämlich weiter: «Die Effizienz der Regierung wird zu einem Eckpfeiler für langfristige Resilienz. Effizienz umfasst Agilität, Inklusivität und zukunftsorientierte politische Rahmenbedingungen.» Das bedarf keines weiteren Kommentars!

Ihre swiss-food-Redaktion

19.06.2026

L’UE mène le bal – la Suisse se retrouve sur la touche

Chères lectrices, chers lecteurs

La Suisse, Singapour et Hong Kong ont été sacrés économies les plus compétitives du monde dans le dernier IMD World Competitiveness Ranking (WCR). Le SECO s'en félicite : « Depuis 15 ans, la Suisse caracole en tête du classement mondial de l'innovation ». Tout va pour le mieux au pays des inventeurs, des bricoleurs de génie et des chercheurs ? Loin de là ! La Suisse, championne du monde de l'innovation, un brin complaisante avec elle-même, se fait doubler par Bruxelles sur une technologie d'avenir comme l'édition génomique.

Parmi les 140 économies de la planète, la Suisse affiche la performance d'innovation la plus élevée, écrit Switzerland Global Enterprise en se référant à l'Indice mondial de l'innovation (GII) 2025 de l'Organisation mondiale de la propriété intellectuelle (OMPI). Mais cette pole position n'est pas acquise à vie, et l’avance fond gentiment – un avertissement que le SECO glisse d'ailleurs de manière préventive dans son communiqué triomphal. L'édition génomique des plantes en est l'exemple parfait. Dans ce domaine, la Suisse se trouve encore plus sur la touche depuis le 17 juin 2026 : l’UE a en effet emboîté le pas à la Grande-Bretagne et a adapté sa réglementation aux réalités scientifiques. Un pas que l'on attend toujours en vain chez nous.

Pourtant, la situation est claire depuis longtemps : les plantes dites « éditées génétiquement », auxquelles aucun ADN étranger n’a été inséré, ne se distinguent pas des plantes issues de mutations naturelles ou de la sélection classique. Le produit final est donc identique ; seule sa méthode de création diffère. L'édition génomiquequi consiste à modifier de manière ciblée des zones précises du patrimoine génétique d'une plante – est simplement une forme plus précise de sélection végétale. Les interventions sur le génome sont bien moins invasives que la sélection aléatoire, appelée mutagenèse classique. Avec cette dernière, les plantes sont soumises à des radiations radioactives ou à des traitements chimiques pour sélectionner les spécimens les plus robustes pour la reproduction. Cette méthode de génie génétique, autorisée en Suisse, a donné naissance à des milliers de variétés de plantes au cours des dernières décennies - qui finissent aujourd'hui tout naturellement dans nos assiettes, y compris sous des labels bio.

Face à ce traitement de choc, les « ciseaux génétiques» - c’est-à-dire l’intervention précise via l’édition génomique - apparaissent comme une approche d'une grande douceur. De plus, le consensus scientifique est clair : ces plantes sont sûres pour l'être humain et l'environnement. C'est pourquoi de telles cultures, ainsi que les aliments qui en découlent, sont autorisées à la culture et au commerce dans de nombreux pays.

Voilà pour les faits.

Au niveau politique, ces évidences ne s'étaient pas encore traduites dans aucune législation, que ce soit en Suisse ou dans l'UE. Après trois ans de négociations intenses, le Parlement européen s'est prononcé en faveur d'une libéralisation des méthodes modernes de sélection végétale. Jessica Polfjärd, eurodéputée suédoise, l’a parfaitement résumé : « Nous ne pouvons pas nous permettre de relever les défis de demain avec les outils d'hier.» Et d’ajouter : « Aujourd'hui, nous écrivons l'histoire. »

À l'avenir, les plantes éditées génétiquement qui ne contiennent pas d'ADN étranger (qualifiées de NGT-1) seront largement traitées comme des plantes conventionnelles : Si les semences doivent certes porter la mention NGT-1 pour permettre aux agriculteurs de faire un choix éclairé, l'obligation d'étiquetage pour les produits alimentaires et l'alimentation animale est quant à elle supprimée. En revanche, les plantes présentant des modifications plus complexes resteront soumises aux règles existantes sur les OGM.

Ce qui semble être une étape logique est en réalité un véritable bond quantique au vu de l'histoire tumultueuse de la sélection végétale du génie génétique. L’UE a enfin trouvé une réglementation basée sur les faits plutôt que sur l'idéologie, et ce, grâce à une collaboration et une coordination étroites entre les associations de sélectionneurs et d’agriculteurs.

Ce nouveau cadre juridique offre une approche équilibrée et scientifique. Il permet l'innovation tout en garantissant la transparence et la sécurité juridique tout au long de la chaîne de création de valeur de l'agroalimentaire. Il pose ainsi les bases du développement de variétés améliorées. Ces nouvelles variétés peuvent aider à surmonter les défis majeurs de l'agriculture européenne : le changement climatique, la pression croissante des mauvaises herbes, des parasites et des maladies. De plus, elles peuvent améliorer l’efficacité des ressources et renforcer la sécurité alimentaire à long terme. Il n'est donc pas surprenant que le Copa Cogeca, le principal groupe de défense des agriculteurs européens, salue chaleureusement cette décision. Le timing est d'ailleurs crucial : la sécheresse et les vagues de chaleur actuelles représentent un défi immense pour les paysans suisses, comme le rapportait la télévision alémanique au lendemain du vote européen. À l'avenir, nous aurons besoin de tous les outils à notre disposition. Par exemple, la méthode connue sous le nom de TEgenesis, qui permet de créer des plantes résistantes au stress mais qui reste interdite à ce jour chez nous.

Les opposants ont lutté jusqu'au bout pour empêcher cette libéralisation. En commission comme au Parlement, ils ont tenté de torpiller le processus à coups d'amendements. Leur calcul ? Noyer le projet sous une pluie de motions individuelles pour tout ramener à la case départ et enliser le dossier.

Cette stratégie a échoué, mais elle est révélatrice. C’est exactement le même scénario que nous risquons de vivre en Suisse. Quand on ne peut s’opposer à une technologie par des arguments factuels et convaincants, on essaie de la freiner en la rendant artificiellement complexe : « increasing complexity » comme stratégie de déstabilisation. Il est bon de nommer cette manœuvre avant qu'elle ne soit déployée chez nous.

Le débat sur la manière de gérer les progrès de la sélection végétale va bientôt rebondir en Suisse. Pourtant, notre pays avait un temps d’avance sur l’UE. En 2022, le Parlement avait exigé du Conseil fédéral qu'il présente un rapport sur la manière dont ces nouvelles méthodes pourraient s’appliquer en Suisse. Mais depuis, le sujet est traité à dose homéopathique : le projet mis en consultation par le Conseil fédéral était si timoré et inapplicable qu’on est en droit de douter d’une réelle volonté de libéralisation. La décision européenne accentue désormais la pression. Non seulement la recherche publique suisse perd du terrain faute d'armes égales, mais aussi parce que la question de savoir comment la Suisse va gérer l’importation de denrées alimentaires et de fourrages édités génétiquement se posera dans le commerce international. Sans surprise, les opposants aux OGM en Suisse sont déjà montés au créneau après le vote de l'UE, criant au « danger ».

Pourtant, le vrai danger est ailleurs : celui de voir la Suisse rater le coche. Pour une fois, s’aligner sur Bruxelles signifie choisir la voie du progrès. Et pour préserver durablement notre place sur le podium de l'IMD World Competitiveness Ranking (WCR), il faut lire le rapport jusqu'au bout. On y trouve cette phrase : « L'efficacité de l'État devient la clé de voûte de la résilience à long terme. L’efficacité englobe l'agilité, l'inclusivité et des cadres politiques tournés vers l'avenir. » Cela se passe de commentaire !

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